Muster im Geist

zi58Ein typisches Phänomen, was es auch gibt, z.B. Menschen, die einen Elternteil hatten, das irgendwo nicht sehr erfolgreich war, sei es Alkoholiker, sei es sonst irgendwo es zu nichts gebracht hat. Das Kind selbst ist aber hoch intelligent und hat auch Drive. Und relativ häufig kann man bemerken, die Menschen, die sind gut in der Schule und machen es gut, aber dann plötzlich boykottieren sie sich selbst. Tolle Noten und dann ausfällig werden gegen den Lehrer und Schulverweis. Oder irgendwo, beginnt bei irgendeiner Firma aktiv zu werden, Chef findet es toll, und dann plötzlich sich über was ärgern, kündigen, von einem Moment auf den anderen. Oder sucht irgendwie einen Streit mit jemanden, der ganz besonders wichtig ist in der Firma und wenn man nachher darüber nachdenkt: „Wozu überhaupt?“ Und eigentlich ist das wohlgemeint. Es ist eine Tendenz irgendwo, Eltern waren nicht übermäßig erfolgreich, im Gegenteil, sie haben irgendwo ihr Leben… Man hat auf der einen Seite seine Eltern dafür verdammt innerlich: „Wie konnte ich solche Eltern haben?“ Ich gebe jetzt ein extremes Beispiel. Vermutlich, bei euch trifft was ganz anderes zu, aber so etwas kann jemand haben. Aber es ist für ein Kind nicht angemessen, sich über die Eltern zu erheben, also muss man sich dann boykottieren und sich selbst dafür bestrafen, dass man abfällig über die Eltern denkt, indem man dafür sorgt, dass man selbst irgendwo sich selbst wieder fallen lässt. Wenn man diese Tendenz anerkennt oder sieht, dann kann man auch wieder sehen: „Aha, da ist eine Tendenz in mir…“ Da kann man jetzt entweder sagen: „Was bin ich doch für ein Blödkopf, dass ich mich ständig dort boykottiere.“ Oder man kann sagen: „Ja, da ist in mir der große Wunsch, meine Eltern zu ehren. Und ich will das machen, indem ich mich nicht über sie erhebe.“ Und dann kann man überlegen: „Die Intension ist ja sehr anerkennenswert. Es ist aber die Frage, wollen meine Eltern das wirklich, dass ich das so mache?“ Und dann wird man feststellen: „Nein.“ Und dann kann man überlegen: „Wie könnte ich sonst meine Eltern ehren, anstatt sie zu ehren, indem ich mich selbst boykottiere und immer dafür sorge, dass immer kurz davor, wenn ich vor dem Durchbruch stehe, zusammenklappe?“ Und dann wird man vielleicht anderes finden. Vielleicht wird man stattdessen mehrmals Blumen auf das Grab setzen und sich vielleicht physisch verneigen oder man wird zu den Eltern hingehen und sagen: „Danke, dass du mir das Leben geschenkt hast.“ Oder man wird sich innerlich geistig verneigen. Man kann irgendwo schauen, und auch eben sagen: „Du hast mir das Leben gegeben und du wolltest auch, dass ich in meinem Leben einiges bewirke. Und das nächste Mal, wenn ich kurz davor bin, mich selbst zu boykottieren, dann werde ich mich an dich erinnern und werde mir bewusst machen, du hättest das nicht gewollt.“ Das ist jetzt schon eine komplexere Form von Svadhyaya, nur als ein Beispiel. So kann man öfters sehen, in seinem Leben hat man bestimmte Samskaras und da hat ja jemand gestern eine Frage dazu gestellt. Wir können verschiedenste Formen von Samskaras dort haben. Übrigens ähnlich, wenn man Eltern hatte, die nicht so gut zusammengelebt haben und man sich als Kind darüber geärgert hat, dass die Eltern nicht gut zurechtgekommen sind, kann auch das eine Grundlage sein, weshalb man seine eigenen Beziehungen torpediert, weil man irgendwo unterbewusst denkt: „Ich habe meine Eltern in der Kindheit dafür verdammt, dass sie nicht richtig zusammengelebt haben und jetzt muss ich dafür büßen.“ Auch dort wird man feststellen, die Eltern hätten auch das nicht gewollt. Es gibt andere Weisen vielleicht, Eltern zu ehren.

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Praktische Raja Yoga Techniken im Alltag

a1Spirituelle Praxis, Teil 9: Praktische Raja Yoga Techniken im Alltag

Ich möchte ein paar Worte noch sagen zu ein paar Raja Yoga Techniken. Raja Yoga, der Yoga der Gedankensteuerung, um letztlich irgendwann zu lernen, die Gedanken zum Stillstand zu bringen und dann kommen wir zu Samadhi. Raja Yoga hat so viele Aspekte, einige haben wir ja heute auch in die Stunde mit aufgenommen und ich will noch auf ein paar Sachen hinweisen, was Svadhyaya betrifft und dann etwas, was als Sankalpa-Vikalpa bezeichnet werden kann, was insbesondere Affirmation und Visualisierung betrifft. Und dann schließlich Samyama. Svadhyaya, Selbststudium hat so viele verschiedene Aspekte. Ein Aspekt ist sicher, Schriften lesen und das ist dann wie Shravana im Bhakti Yoga oder letztlich auch wie Shravana im Jnana Yoga. Aber ein anderer Aspekt ist auch Selbstbeobachtung. Man kann zum einen sich Dinge bewusst werden. Svadhyaya kann aber auch so ein Aspekt sein, man beobachtet seine eigenen Handlungstendenzen, geht grundsätzlich davon aus, alles, was die eigenen Gedanken so erzählen, ist eigentlich wohlgemeint, und relativ häufig aber zwar gut gemeint, aber nicht gerade besonders hilfreich. Also z.B. man ärgert sich über jemand anderes. Man hat den tiefen Wunsch, mit Gegenständen zu werfen. Es gibt Menschen, die haben so etwas. Also, wer sich an so etwas nicht mehr erinnern kann, so etwas gibt es. Gut, jetzt kann man erst mal darüber schimpfen und sagen: „Was bin ich doch für ein schlechter Mensch. Ich bin doch eigentlich ein Yogi und ich darf das nicht usw.“ Das ist eine Möglichkeit. Und dann kann man eine Dualität haben, indem man sagt: „Es gibt Gutes und Schlechtes in mir und da sind jetzt gerade die Asuras in mir am Wirken, die muss ich bekämpfen.“ Die Erfahrung zeigt, ein Bekämpfen nutzt wenig. Meistens macht es sie nur stärker. Vielleicht die Sportlichen unter euch, die gerne immer etwas bekämpfen, haben dort etwas, was sie bekämpfen können und wo sie für den Rest ihres Lebens beschäftigt sein werden. Wir können aber ansonsten eben sagen: „Ja, da ist in mir jemand, der hat vielleicht sogar gute Gründe, sich dort zu ärgern. Irgendjemand anderes hat seine Grenzen überschritten und ist irgendwo ein bisschen ausfällig geworden.“ Oder man hat so viel Energie reingesteckt und irgendwas ist passiert und alles umsonst. Und irgendwo hat der Ärger ja seinen Sinn und es ist ja ganz angemessen, dass dann Ärger da ist. Dann kann man aber überlegen, es ist also gut verstehbar, Svadhyaya, und jetzt kann man überlegen: Wie geht man jetzt damit um? Wir können jetzt dann aber auch feststellen: „Ja, aber jetzt dem Ärger Ausdruck zu geben, ist jetzt auch nicht hilfreich.“ Und dann kann man als nächstes schauen… Man kann den Ärger also anerkennen und kann ihm sagen: „Du hast einen guten Grund und es ist irgendwo angemessen, aber wirklich in der Situation ist es jetzt nicht angemessen.“ Und dann haben wir ihn wertgeschätzt, wir haben dem Ärger gesagt, „danke“, und dann können wir sagen: „Aber ich reagiere jetzt anders als du es mir vorschlägst.“ Und im Zweifelsfall wird man dann überlegen, was kann man noch machen. Tief atmen, dann kann man noch fragen: „Wer ist sonst noch da, der mir Tipps geben will?“ Und dann ist die Klugheit dort und die Gelassenheit oder der, der versteht: „Ja, der andere meint es ja auch gut.“ Und dann ist der Lernbegierige da und sagt: „Hinter allem ist eine Lektion, jetzt habe ich wieder was Neues gelernt.“ Und dann gibt es den Geduldigen, der sagt: „Toll, ich habe jetzt eine Möglichkeit, Geduld zu lernen.“ Und dann gibt es noch den Sinnsucher, der sagt: „Ah, hinter allem ist ein Sinn, wirst schon sehen.“ Und dann gibt es noch den Zielgerichteten, der sagt: „Ja, mein Ziel ist jetzt, das und das zu machen. Und jetzt mit Gegenständen zu werfen, ist sicherlich nicht sinnvoll vor diesem Hintergrund.“ Und dann kann man sich entscheiden. Klingt einfach und ist es auch. Es ist viel einfacher, als gegen seinen Ärger anzukämpfen. Erst mal ihn wohlwollend anzunehmen und ihn anzunehmen als jemand, der es gut meint und seine guten Gründe hat, aber das auch nehmen als einen Vorschlag, wie man jetzt reagieren kann und vielleicht auch als eine Information, und dann anders reagieren. Das kann man auch auf weitere Dinge dort ausbauen.

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Was ist das Richtige auf dem spirituellen Weg

swami sivananda43Wir bemühen uns um Ethik, wir bemühen uns, Gott zu dienen, wir bemühen uns, an uns selbst zu arbeiten, wir bemühen uns, Gutes in der Welt zu bewirken. Und dann gibt es zum einen Sachen, wo wir immer noch nicht wissen, was ist eigentlich das Richtige, und zum anderen, wo wir vielleicht sogar wüssten, was das Richtige ist, aber wir kriegen es nicht hin. Also, in all diesen Situationen, Gott darbringen, Ishvara Pranidhana. Also, das kann man in vielerlei Hinsicht nehmen. Erst Swadhyaya, im Sinne von verstehen, wohlwollend verstehen. Wohlwollend verstehen, was in einem selbst passiert, was in einem selbst dort ist. Das zweite, daraus Tapas ableiten: „Wie kann ich dort selbst etwas ändern?“ Oder: „Wie kann ich jetzt selbst im Sinne von Raja, die Führungspersönlichkeit, die mit meinen Gedanken umgeht, wie kann ich das dort machen?“ Durchaus auch mal Tritt in den Hintern, durchaus auch mal sagen: „Jetzt erst recht.“ Wenn man morgens aufwacht, man hat sich vorgenommen: „Um 05:00 Uhr will ich im Shivalaya meditieren.“ Irgendwo, Wecker klingelt um 04:30 Uhr. Dann versteht man: „Ah, da ist Müdigkeit. Ah, schon wieder dieser Uraltinstinkt, so wie ich mir was Gutes vorgenommen habe, kommt der Torpedierer im Geist gleich in Gang“. Und dann sagen: „Und ich stehe trotzdem auf.“ Tapas. Oder man stellt fest, Ishvara Pranidhana: „Oh Gott, ich kriege es nicht hin. Du hast jetzt fünf Minuten Zeit, entweder Du machst mich wach oder ich bin eingeschlafen.“ Das funktioniert in jedem Fall, entweder man ist wach oder man schläft ein. Man kann es auch so Gott sagen: „Gott, entweder in fünf Minuten bin ich eingeschlafen oder ich stehe auf.“ Gottes Entscheidung. So mache ich es relativ häufig. Manchmal um 03:30 Uhr oder 04:00 Uhr oder 04:15 Uhr wache ich irgendwie auf und dann sage ich dann immer: „Gott, Du hast fünf Minuten Zeit, mich entweder einschlafen zu lassen oder ich stehe auf.“ Aber wenn der Wecker klingelt, mache ich das dann nicht, ich habe dann zum Schluss noch den Wecker gestellt, spätestens wenn der klingelt, stehe ich auf, da gibt es auch keine Frage dort. Wir können unseren Geist entsprechend trainieren.

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Der Geist produziert ununterbrochen Gedanken

1doUnd dann kann man das einfach interpretieren als Vorschlag des Geistes und als wohlmeinender Vorschlag des Geistes. Unser Geist ist ja nicht bösartig. Der fängt an, irgendwas zu produzieren. Unser Geist, kann man auch weiter sehen: „Ja, so wie der jetzt gerade reagiert, altes Muster.“ Menschen haben so viele Muster, die sie in der Kindheit gelernt haben. Und dann kann man sagen: „Ok, danke für diesen Vorschlag, beruhend auf alte Erfahrung, abgelehnt.“ Man könnte auch noch überlegen: „Welche anderen Möglichkeiten gibt es?“ Dann kann man sagen: „Ok, und das mache ich jetzt.“ Tapas. Dann entscheidet man: „Ich werde das und das jetzt tun.“ Und Tapas heißt schon auch Hitze und Tapas heißt auch, es auszuhalten, dass der Rest des Geistes das nicht will. Tapas heißt, es gerade dann zu machen, wenn es schwer fällt. Und hier muss man manchmal auch sich selbst einen Tritt in den Hintern geben – übrigens Hintern, sitzt von Muladhara Chakra, da ist die Kundalini Shakti – also, Tritt in den Hintern heißt auch, sich mit Shakti zu verbinden und die göttliche Mutter um Segen bitten. Es ist also nicht nur etwas Himsamäßiges, sondern wir können das sehr gut spiritualisieren und dann tun wir das. Und manchmal wird man feststellen, man kann es irgendwie nicht richtig verstehen, man kann auch nicht selbst aktiv werden, dann machen wir Ishvara Pranidhana: „Oh Gott, ich verstehe das nicht. Und ich kriege es auch nicht hin. Bitte, Dein Wille geschehe.“ Man kann auch sagen: „Oh Gott, hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Und jetzt nicht wie Martin Luther, der das als heroische Tat gesehen hat, sondern in diesem Sinne können wir sagen: „Ich kriege es nicht hin, was will ich machen?“ Dann sagen wir: „Oh Gott, Du bist hinter allem, Du bist auch das Bewusstsein hinter diesem Körper und Geist. Und wenn ich es nicht selbst hinkriege, dann gehe ich halt davon aus, Du willst halt, dass ich es nicht hinkriege. Also, ich lasse jetzt los, auch wenn ich jetzt weiß, ich begehe eine Dummheit, ich kann es nicht anders machen. Also, Deine Schuld.“ So wie Krishna sagt: „Sarva-dharman parityajya mam ekam saranam vraja. Im Endeffekt, gib alles auf, ob du es richtig oder falsch machst, gib alles Mir hin. Ich werde dich von allen Sünden befreien und von allen Fehlern befreien, sorge dich nicht.“ Allerdings, kurz danach sagt noch Krishna: „Erzähle das nicht irgendjemandem, der sich nicht bemüht, an sich zu arbeiten. Erzähle solche Sachen nicht jemandem, der sich nicht bemüht, anderen Gutes zu tun und das Gute in der Welt zu bewirken. Erzähle das niemandem, der nicht Gott hingegeben ist.“ Sonst ist es eine anarchistische Aussage. „Mache, was dir in den Geist kommt, bringe es Gott dar, es gibt keine Probleme.“

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Selbststudium im Yoga

swamisivananda30Svadhyaya hat auch wieder verschiedene Bedeutungen und wenn Svadhyaya im Rahman der Niyamas steht, ist eigentlich mehr damit gemeint, selbst die Schriften zu lesen. Im alten Indien war das gar nicht so üblich, übrigens auch wie in Europa, vor Martin Luther war es nicht üblich, dass Menschen die Bibel gelesen haben. Und für Katholiken war es bis zum 19. Jahrhundert verboten, die Bibel selbst zu lesen. Das durfte nur ein Priester und im 19. Jahrhundert wurde das irgendwann mal per Dekret des Papstes aufgehoben und seitdem dürfen auch Katholiken die Bibel lesen. Aber das hat ein paar hundert Jahre gebraucht, um Luther dort zu folgen. Und auch im alten Indien, eigentlich bis zum 19. Jahrhundert, war es nicht möglich, dass ein Nicht-Brahmane die Veden lesen durfte. Aber Patanjali, ein paar hundert Jahre vor Christus, hat schon gesagt, Schriftenstudium und die Hauptschrift sind die Veden. Also hat Patanjali hier schon gegen den Mainstream gesagt, zur höchsten Verwirklichung muss man selbst die Schriften lesen, Svadhyaya, alle Schriften. Wer ernsthaft auf dem Weg ist, Svadhyaya, möge die Schriften lesen. Und in den Kommentaren wurde es dann zum Teil noch etwas klarer, dass das so gemeint ist. Also gegen den Mainstream, wo nur die Brahmanen die Schriften lesen durften, und das, was sie gedacht haben, was für das allgemeine Volk irgendwo verdaubar ist, das wird weitergegeben, ähnlich wie im christlichen Mittelalter, nur dass Patanjali halt 2000 Jahre vor Martin Luther schon gesagt hat: „Nein, ließ die Schriften selbst. Und das ist etwas, was dich verbindet direkt mit Gott.“ Auch wieder ähnliches Konzept wie Martin Luther, der auch gesagt hat: „Durch das Lesen der Schriften kommt die Gnade Gottes.“ Und ähnlich wie Patanjali, als ob er das Yoga Sutra dort gelesen hat, was er sicherlich nicht getan hat. Patanjali sagt dort auch, wo er über die Niyamas spricht: „Durch das Studium der Schriften kommt die Vision oder die Verbindung mit dementsprechenden Aspekt Gottes. Gut, hier aber in dem Kontext, Svadhyaya, Selbststudium, kann man sagen, ist eigene Analyse und selbst analysieren und verstehen, also im Rahmen von Kriya Yoga. Und in diesem Sinne, man kann zuerst überlegen, Svadhyaya: „Was ist?“ Als zweites kann man schauen, etwas zu verändern. Also nehmen wir das Beispiel, man hat sich vorgenommen, etwas zu machen, und der Geist fängt plötzlich an, Gedanken und Emotionen zu erzeugen. Da kann man erst Svadhyaya üben und überlegen: „Ja, was geht da überhaupt vor?“

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Aspekte der spirituellen Praxis

5Patanjali sagt: „Tapas, Svadhyaya, Ishvara Pranidhana Nidana Kriya Yoga. Kriya Yoga besteht aus Tapas, Svadhyaya und Ishvara Pranidhana.“ Svadhyaya heißt Selbststudium. Tapas heißt? Meist wird es übersetzt als Askese. Ishvara Pranidhana heißt Hingabe, Verehrung Gottes. Interessanterweise, die drei sind wieder, ich glaube, dreißig Verse später sind die auch noch Teil der fünf Niyamas, dann kommt noch Shauca und Santosha dazu. Und hier erwähnt er aber nur diese drei und man kann auch sagen, die können auch eine weitergehende Bedeutung haben als im Rahmen der Niyamas. Der Ausdruck „Tapas“ heißt wörtlich „Hitze“. Und Tapas kann Askese heißen, kann aber auch heißen, etwas mit Enthusiasmus zu tun. Tapas kann auch heißen, aktiv etwas zu machen. Und Tapas steht auch in anderem Kontext für intensive spirituelle Praxis. Überhaupt spirituelle Praxis wird in den alten Schriften als Tapas bezeichnet. Wenn es also z.B. irgendwo in dem Mahabharata heißt, da hat jemand sich zurückgezogen, um intensiv Tapas zu machen, der hat jetzt nicht härene Gewänder getragen und sich Dornengürtel umgezogen oder ungekochte Linsen ins Schuhwerk getan – typische Askeseübungen von christlichen Mönchen. Auch heute übrigens weiter üblich in den Opus Dei Mitgliedern, mindestens bei manchen, in den meisten normalen Klöstern inzwischen aus der Mode gekommen. Oder es gibt auch in Indien diese verrückten Tapase. Wer mal das Buch lesen will „Das innere Feuer“, dort ist so ein Bericht von einem namens Tapasvin, der unglaubliche Tapase dort gemacht hat. Jahrelang auf einem Bein stehen, die Hände oben, bis die Hände zu Leder verkommen sind. Oder die Hände nicht mehr bewegen und die Nägel nicht schneiden, bis die Nägel durch die Hände hindurchwachsen und auf der anderen Seite wieder herauskommen. Der Sumitra, der dieses Buch ja verlegt hat, sagt, es sei vertrauenswürdig, er hätte mit Leuten gesprochen, die den persönlich gekannt hatten, der ist auch 185 Jahre alt geworden, mindestens laut der im Buch. Ich selbst kann es nicht sagen, ob es stimmt oder nicht stimmt. Und ich empfehle nicht, das zu machen, was dort steht, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Aber eben Tapas in einem anderen Sinn und das ist normalerweise  gemeint, wenn in der Mahabharata dort steht oder in den Veden oder in den Upanishaden, er hat sich zurückgezogen für intensives Tapas, dann heißt das, er hat Asanas, Pranayama, Meditation, Mantrasingen geübt und typischerweise das mit einer gesunden Ernährung kombiniert. In diesem Sinne auch Tapas.

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Darshanas die Sichtweisen im Yoga

sukadev16Frage an Sukadev: „Du sprachst gestern von Bhakti. Bhakti spielt ja in mehreren der klassischen indischen Philosophiesysteme eine große Rolle. Mich interessiert, inwieweit sich der Bhakti orientierte Zweig des Nyaya von dem dualistischen Zweig Dwaita des Vedanta unterscheiden.“

Das ist natürlich jetzt eine sehr spezielle Frage, dazu müsst ihr die sechs Darshanas verstehen. Und es gibt dort eben das Nyaya und in einer Interpretation ist Nyaya das logische System, oft verknüpft eher mit dem Vaisheshika, dem materialistischen Philosophiesystem, und andererseits kann man die Bhakti-Schulen aber auch entweder an Uttara Mimamsa aufziehen, denn Uttara Mimamsa ist letztlich Vedanta, oder man kann auch die Bhakti-Schulen als separate Philosophiesysteme ansehen. Alles ist möglich. Ich bin jetzt heute mehr dazu übergegangen, dem zu folgen, was die Mehrheit der Indologen heute macht und sagt, die Bhakti-Schulen sind separat zu sehen von den sechs Darshanas. Und dann sagt man einfach, das Uttara Mimamsa ist Adwaita Vedanta, und dann in der Folge, später, nach Shankaracharya, dort kommen ja die Dwaita Vedantins überhaupt, Ramanuja und Nimbarka und Madhvacharya als die drei wichtigsten. Und dort würde man dann sagen, weil die ja so viel später sind als diejenigen, die die Darshanas entwickelt haben – und die haben sich dann zwar sowohl an Nyaya angehängt als auch an Uttara Mimamsa, aber man kann sie auch als separat ansehen. Und so mache ich es jetzt heute mehr und dann kriege ich keine. Der Swami Vishnu selbst hat es allerdings an Nyaya angesetzt. Und so bin ich dem Swami Vishnu dort eher gefolgt, aber zu oft haben mich dann Indologen kritisiert. Und z.B. die Upanishaden, das Buch „Die wichtigsten Upanishaden“, die wir ja veröffentlicht haben, ist dann irgendwo ein Verriss nur des Vorwortes gekommen, auf den Inhalt des Buches ist überhaupt nicht eingegangen worden, es wurde nur gesagt: „Wie kann man nur Nyaya als die Bhakti-Schulen interpretieren.“ Also habe ich etwas geändert. Das andere ist zwar auch nicht falsch, denn es gibt tatsächlich dann auch andere klassische indische Kommentatoren, die es auf Nyaya beziehen, aber es ist praktisch eine Uminterpretation des Nyaya, der ursprüngliche Text geht mehr in die Logik.

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Der Geist will alle möglichen Dinge

ab39Der Geist denkt ununterbrochen, worüber man nachdenken muss. „Was denkt der von mir? Was passiert, wenn…? Und wenn jetzt der andere das und das macht, was passiert dann? Und wenn das passiert, was passiert als nächstes? Und wenn das passiert, was passiert dann.“ Und so können wir uns alle möglichen wunderbaren Katastrophenszenarien ausmalen oder alles Mögliche, was wir noch machen könnten, statt das, was wir jetzt machen. Je nachdem, es gibt ja manche Menschen die haben so einen Katastrophenszenarien-Ausmalungsgeist. Manche haben den Hypothesen entwerfen, was andere Menschen denken, Geist. Manche haben den kreativen Geist, was man noch alles machen könnte, statt das, was jetzt gerade anliegt. Und manche Menschen, die besonders gesegnet sind, haben alle drei zusammen. Manche haben den Grübeln über die Vergangenheit Geist usw. Und zunächst mal, können wir jetzt mit all dem auf verschiedene Weisen umgehen, aber zunächst mal ist es hilfreich, zu sagen, all das, was der Geist dort alles uns denken lässt, im Grunde genommen sind das alles nur Vorschläge, die unser Geist macht. „Ich könnte ja daran denken.“ Und dann fängt der gleich an, loszulegen. Wir können aber auch sagen: „Stopp!“ Wir können unseren Geist sagen: „Danke für den Vorschlag, diesen Gedankengängen zu folgen, abgelehnt. Atha, jetzt liegt das an.“ Und in dem Moment, wo wir konzentriert bei dem sind, was jetzt anliegt, in dem Moment ist, Tada Drastuh Svarupe Vasthanam, in dem Moment sind wir unserer wahren Natur nahe. Und unsere wahre Natur ist Satchidananda. Da fühlen wir uns lebendig. Sat kann man auch als Lebendigkeit in einem relativen Sinn verstehen. Chid, da sind wir bewusst. Irgendwo ist auch Freude dann dabei, Ananda. Das ist dabei. Und öfters mal können wir dann unserem Geist sagen: „Atha Yoga, jetzt. Und danke für deine Vorschläge, aber abgelehnt. Jetzt konzentriert hier.“ Kurz danach kommt er: „Aber…“ „Danke für den Vorschlag, abgelehnt.“ Im zweiten Kapitel beginnt Patanjali – eigentlich jedes Kapitel vom Yoga Sutra ist irgendwo in sich geschlossen. Man könnte das zweite Kapitel studieren, ohne das erste zu kennen. Man könnte auch das dritte studieren, ohne die anderen beiden zu kennen. Man kann sogar das vierte Kapitel studieren, ohne die anderen zu kennen. Das ist eigentlich das Faszinierende, es ist Sutra, es ist ein Leitfaden, es ist nicht wirklich logisch aufeinander aufgebaut. Das ist was, was auch eine Schönheit hat, man kann also durchaus immer wieder mit einem Kapitel beginnen, man kann auch wild beginnen. Dennoch, natürlich, wenn man die verschiedenen Kapitel kennt, fällt es leichter. Das zweite Kapitel fängt an mit dem so genannten Kriya Yoga. Und der sagt, Kriya Yoga ist – ich drehe jetzt die Reihenfolge etwas um, weil ich meine, es ist etwas praktikabler – Svadhyaya, Tapas und Ishvara Pranidhana.

 

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Kriya Yoga im Yoga Sutra

asana21Spirituelle Praxis, Teil 8: Kriya Yoga im Yoga Sutra

Ich möchte heute Morgen ein paar Worte sagen zum Raja Yoga. Raja Yoga, der Yoga der Geisteskontrolle. Raja heißt König, Raja heißt Herrschaft, Raja ist die Herrschaft über den eigenen Geist, ist der Yoga, von dem die meisten Yoga-Anfänger, so wie sie etwas an Spiritualität interessiert sind, zunächst mal besonders fasziniert sind. Die meisten Menschen, die lange genug praktizieren, werden feststellen, ganz so weit her ist es mit der geistigen Kontrolle doch nicht, und gehen dann lieber zu Bhakti Yoga, wo man sagt: „Oh Gott, bitte hilf mir.“ Oder Jnana Yoga: „Satchidananda Swarupoham oder Chidananda Rupa Shivoham Shivoham, Chidanan Chidanan Chidananda Hum Hara Hala Me Almasta Satchidananda Hum. Was auch immer geschieht und was auch immer ich tue, was auch immer ich mache, was auch immer ich beherrschen kann oder nicht beherrschen kann, Satchidananda Hum, meine wahr Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.“ Und wenn wir das Leben der großen Meister der letzten hundertfünfzig Jahre analysieren, werden wir letztlich feststellen, zur höchsten Verwirklichung sind die entweder gekommen über Bhakti oder Jnana Yoga oder einer Kombination aus beidem. Einer, der ohne Zuhilfenahme von Bhakti und Jnana Yoga einfach seinen Geist zur Ruhe gebracht hat und dadurch Nirvikalpa Samadhi erreicht hat, ist mir nicht bekannt. Nichtsdestotrotz, Raja Yoga spielt im Praktischen auch eine Rolle, auch im Bhakti Yoga ist Raja Yoga wiederum wichtig. Wenn wir das Bhakti Sutra von Narada dort lesen, dann beschreibt Narada schon, wir müssen auch einiges tun, an unseren Geist zu arbeiten. Und wenn Shankara im Viveka Chudamani von den Shatsampats spricht, dass man also den Geist unter eine gewisse Kontrolle und Gelassenheit bringen soll, dann sind da natürlich die Raja Yoga Techniken wiederum gefragt, um das zu können. Letztlich gehört alles zu allem. Und so wie gestern die Frage ja war: „Muss man denn alles beherrschen, um zum Höchsten zu kommen?“ Und dann hatte ich ja gesagt, nicht unbedingt. Einiges müssen wir schon letztlich an Samskaras auflösen, harmonisieren, umwandeln. Nicht alles, manches kann die Gnade Gottes machen, manches kann die Nicht-Identifikation machen und manches geschieht einfach, indem wir höhere Bewusstseinsebenen erreichen. Raja Yoga – ihr kennt alle die ersten Verse oder mindestens fast alle kennen die: „Yogas Citta Vṛtti Nirodhaḥ. Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist. Tada Drastuh Svarupe Vasthanam. Dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Und das ist auch ein schöner Vers durchaus für den Alltag. Manchmal macht man sich tausend Gedanken. Und dann macht man sich gerade mal bewusst: Yogas Citta Vṛtti Nirodhaḥ. Yoga heißt, Gedanken zur Ruhe bringen. Wir können auch unserem Geist sagen: „Stopp! Jetzt, Atha Yoga.“ So fängt ja der erste Vers an: „Jetzt Yoga.“ Und Atha Yoga kann heißen: „Jetzt konzentriere ich mich darauf, was jetzt gerade anliegt.“ Das ist auch eine Form der Disziplin.

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Konsequent sein auf seinem spirituellen Weg

1vDas nächste wäre natürlich, Gemeinsamkeiten suchen, heißt auch, gemeinsame Zeit zu verbringen mit etwas, mit dem man beide etwas anfangen kann. Und noch ein nächster Punkt wäre, als spiritueller Mensch hat man vermehrtes Einfühlungsvermögen. Das kann man auch nutzen, im Sinne von, dass man sich auf das Herz des anderen konzentriert und darum bittet, dass man den anderen auch versteht. Und dann öfters den anderen zuerst zu Wort kommen lassen und ihm einfach zuzuhören und nicht sich zu rechtfertigen. Ein letzter Ratschlag in der Richtung wäre auch, durchaus konsequent sein in mancherlei Hinsicht und Kompromisse machen in anderer Hinsicht. Konsequent sein heißt, wenn man etwas ändern will und sich ständig von dem anderen davon abbringen lässt – egal ob es jetzt Eltern sind oder Partner oder Kollegen – dann wissen die, sie müssen nur lange genug rummachen und dann werden sie einen schon davon abhalten. Man selbst mag es nicht und die anderen denken ja, sie tun einem etwas Gutes, indem sie einem davon abhalten, so fanatisch zu sein, man selbst fühlt sich schlecht, dann hat man ständig Ärger. Wenn man aber mal gesagt hat, „ich mache jetzt das, ich stehe jeden Morgen auf, ich habe die und die Ernährung und das und das mache ich nicht mehr“ und dann werden sich Menschen typischerweise nach ein paar Monaten daran gewöhnen. Und dann werden sie es öfters trotzdem versuchen und dann wird man sich nicht rechtfertigen, sondern nur lächeln. Bei manchen anderen Sachen muss man eben Kompromisse machen, eben, wie man Zeit zusammen verbringt oder wenn man mit Kollegen irgendwo Essen geht. Die anderen werden dann halt ihr Bier und ihr Schnitzel haben und man selbst wird Traubensaft oder Wasser und Gemüseteller haben. Das ist immer noch ein Kompromiss. Man sucht dann halt irgendwo, wo man zusammen hingehen kann, wo man beide etwas findet. Und natürlich in einer Partnerschaft auch ähnlich. Es kann auch sein, man hat einen Urlaub allein im Ashram und einen anderen gemeinsamen Urlaub, wo man dann eher dorthin fährt, wo der Partner gerne hin fährt, aber wo es doch für einen erträglich ist. Also in dieser Hinsicht. In mancherlei Hinsicht konsequent sein und sich nicht ständig davon abbringen zu lassen, sonst hat man Dauerknatsch, und in anderer Hinsicht schauen, Kompromisse, im Sinne von, was ist für alle beiden gut. Aber das Wichtigste ist erst mal anzuerkennen: „Ich bin eine Zumutung, aber ich kann nicht anders. Ich kann nur den anderen um Verständnis bitten.“ Das macht es den anderen leichter.

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