Beständigkeit in der spirituellen Praxis – Swami Chidananda – Inspirationsvideo

Vortragsvideo zu folgendem Inhalt: Beständigkeit in der spirituellen Praxis.. Hier das Video:

Dieses Inspirationsvideo rund um Inhalte wie Yoga, Vedanta, Spiritualität, Best%C3%A4ndigkeit und Spirituelle Praxis ist eine freie Übersetzung aus dem Englischen. Sprecher Sukadev Bretz, ursprünglicher Artikel vom Yogameister Swami Chidananda, Schüler von Swami Sivananda..
Spirituelle Audios und Videos zu finden in der Yoga App von Yoga Vidya. Siehe auch den Yoga, Meditation und spirituelles Leben Podcast.

Gesunder Menschenverstand in der spirituellen Praxis – Swami Chidananda – Inspirationsvideo

Kurzer Vortrag zu folgendem Inhalt: Gesunder Menschenverstand in der spirituellen Praxis.. Hier das Video:

Dieses Inspirationsvideo rund um Inhalte wie Yoga, Vedanta, Spiritualität, Gesunder Menschenverstand und Spirituelle Praxis ist eine Ad-Hoc-Übersetzung von Sukadev eines Artikels vom Yogi Swami Chidananda..
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Die Welt sehen als Erleuchtete

amma7Manchmal kann man Gedankenexperimente machen, wirklich die Welt durch die Augen des anderen sehen und mal zu schauen, wie sieht die Welt durch ihn aus, wie sieht die Welt durch sie aus, wie sieht die Welt gemeinsam aus? „Angenommen, ich wäre jetzt Ishvara. Wie würde ich die Welt als Ganzes sehen? Angenommen, ich wäre jetzt das Bewusstsein der Erde. Wie würde ich mich jetzt als Ganzes fühlen?“ Und so können wir unser Bewusstsein spielerisch einfühlen und immer wieder wissen: „Aham Brahmasmi.“ Und dann können wir Bhaktas sein. Bhakti ist jemand, der Hingabe hat zu Gott. Und wenn wir Hingabe zu Gott haben, dann können wir Dasya und Sakya üben. Theoretisch gibt es die fünf so genannten Bhavas. Die meisten von euch haben die auch schon gehört. Da gibt es Dasya Bhav, das ist die Einstellung: „Ich bin Diener Gottes.“ Sakhya Bhava: „Ich bin Freund Gottes.“ Dann gibt es Madhurya Bhava, das heißt: „Ich bin Geliebter, Geliebte Gottes.“ Dann gibt es Vatsalya Bhava: „Ich bin entweder Kind Gottes oder Vater, Mutter Gottes.“ Und dann gibt es noch Shanta Bhava, das friedvolle Gefühl von göttlicher Gegenwart überall. Die intensivste Gottesbeziehung ist Madhurya Bhava, Geliebter Gottes. Man will Gott spüren. Man will Gott fühlen. Man will das Gefühl haben, Gott umarmt einen. Es ist eine fast physisch erfahrbare göttliche Nähe. Und wenn Gott nicht spürbar, fühlbar ist, dann ist man unglücklich, traurig. So wie jemand frisch Verliebtes nicht abwarten kann, den Geliebten zu sehen. „Ach, er hat noch keine SMS geschickt, was ist los? Er hat mich heute nicht angeguckt, was ist los? Wann sehe ich ihn oder sie wieder?“ So ähnlich, diese Intensität des Verlangens können wir zu Gott haben. Das wäre Madhurya Bhava. Nicht so häufig, mindestens auf Dauer. Kurze Phasen haben das gar nicht mal so wenige Menschen, wenn man wirklich mal die Gegenwart Gottes spürt und diese unglaubliche Liebe und diese Berührtheit. Und dann will man das vertiefen. Vatsalya Bhava ist im Christentum die vorwiegende Einstellung, insbesondere Gott als Vater. „Vater unser im Himmel. Geheiligt sei Dein Name.“ Vater. Oder Jesus hat Gott genannt, Abba, Vater. Es war also zu Gott als Vater. In Indien finden wir auch Gott als Mutter. In Indien wird sogar häufiger Gott als Mutter angesehen als als Vater. Gott wird eher wenn schon als Meister, wenn es männlich ist, wenn es weiblich ist, dann ist es aber Mutter. Und eine der drei großen Stränge des Hinduismus, der Shaktismus, auch Tantrismus genannt, verehrt eben Gott als Mutter. Oder die Naturvölker viel, verehren Gott als Mutter. Gut, und dann können wir aber auch Gott als unser Kind verehren, was vielleicht etwas schwieriger nachzuvollziehen ist, denn ein Kind ist ja schutzbedürftig, man muss sich um ein Kind kümmern, Kind schreit, Kind braucht Nahrung usw. Aber es ist in vielen Kulturen verbreitet, z.B. viele Menschen lieben die Bilder von Jesus an der Brust von Maria. In Indien gibt es all die wunderschönen Krishna-Bilder, wo Krishna als Baby da ist und krabbelnd durch die Gegend ist. Oder den kleinen Ganesha, Baby-Ganesha, lieben Menschen. Also, Gott als Kind. Und Shanta Bhava ist die abstrakte Gottesverehrung, eigentlich die Gottesverehrung des Jnana Yogis. Er weiß, hinter allem ist das Göttliche. Und jetzt keine enge persönliche Beziehung, Gott ist weder Vater, noch Mutter, noch Freund, noch Meister, noch Kind, noch Geliebter, aber Gott ist irgendwo dahinter.

Dies ist der 73. letzte Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Uneigennütziges Dienen

swami vishnu4Maha Vrata, uneigennütziges Dienen, heißt nicht, dass man nur von morgens bis abends in der Mühle steckt und dann irgendwann sich aufbraucht, sondern es heißt, geschickt mit sich umzugehen. Den Alltag können wir dann natürlich auch Jnana Yoga mäßig haben, aber die Jnana Yoga Einstellung den ganzen Tag von morgens bis abends, ist vermutlich für einen Menschen in Berufs- und Familienleben nicht für die Mehrheit geeignet. Es ist vielleicht, man kann sagen, ganz vom tief Inneren ist es die wichtigste Sache, denn letztlich, Brahma Satyam, es gibt ja nur Brahman. Jagan Mithya. Die Welt ist nur Brahman. Und Jivo Brahmaiva Na Parah. Das Individuum ist nichts anderes als Brahman. Wir können auch davon lernen, wir können mit Jnana Yoga durch den Alltag gehen und irgendwo schauen, die Verrücktheiten der Welt, die Verrücktheiten des eigenen Geistes, darüber lächeln, öfters mal sich verbinden mit anderen, öfters mal Brahman erfahren. Das ist schon Übergang zum Bhakti Yoga. Auch zu erkennen, dass auch im Jnana Yoga, letztlich die Welt ist ein Traum und wir können uns auf diese Traumwelt auch irgendwo einlassen, wir können heiter das Schauspiel mitgestalten. Ein Jnana Yogi ist typischerweise heiter und gelassen, tut auch, was zu tun ist, und selbst wenn er mal sein Temperament auslebt, im Hintergrund lächelt er und weiß: „Aham Brahmasmi.“ So ähnlich wie Eltern mit einem Kind zusammen spielen. Ich hatte einen sehr beschäftigten Vater, der hat sich aber trotzdem Zeit genommen, mit uns Mensch ärgere dich nicht zu spielen. Und ich hatte manchmal das Gefühl, er hat geschummelt. Der hat uns häufiger gewinnen lassen als angemessen war. Als er mit uns Schach gespielt hat, da vielleicht etwas weniger, oder Fußball. Aber er hat sich gefreut, wenn wir gewonnen haben, das war ganz offensichtlich. Und wenn er selbst gewonnen hat, da hat er sich auch irgendwie gefreut, aber nicht ganz so. Gut, wir waren drei Jungs. Schwieriger wurde es, wenn es dann Mannschaftssport war, also ich mit meinem Vater gegen meinen älteren und jüngeren Bruder. Aber so ähnlich, wenn wir wissen, dass Ganze ist ein Schauspiel, dann können wir auch diese Gelassenheit haben, wir nehmen es nicht ganz so ernst. Da macht es Spaß, das Spiel mitzumachen, denn hinter allem ist ja Ananda, aber wir müssen nicht gewinnen, auch wenn wir irgendwo uns engagieren, und es spielt keine allzu große Rolle, was dabei herauskommt, wir spielen nur das Spiel mit. So ähnlich wie, manche von euch haben vielleicht auch schon in einem Theaterspiel mitgewirkt und das ist jetzt aber Improvisationstheater, was wir hier haben. Kennt ihr das, Improvisationstheater? Es geht irgendwie weiter, man weiß noch nicht, wie es weiter geht und es ergibt sich aus dem Moment. Es könnte natürlich auch sein, dass Gott das ganze Theaterstück schon im Voraus geplant hat, aber er lässt uns den Teil, den wir zu spielen haben, nicht im Voraus proben, sondern wir kriegen so schrittweise Informationen. Das sind alles so Analogien, die man im Jnana Yoga haben kann. Letztlich sind wir das eine unsterbliche Selbst. Und noch mehr, in einem normalen Theaterstück sind ja viele Schauspieler. In diesem Theaterstück gibt es nur einen einzigen Schauspieler, Brahman, und der so viele Figuren annimmt. So ähnlich wie ein Puppenspieler, der irgendwie… Ich weiß nicht, wie viele Puppen kann ein Puppenspieler gleichzeitig bedienen? Zwei in jedem Fall. Mit zwei Händen vermutlich nicht mehr als das, die anderen sind irgendwo im Hintergrund. Und die kann er höchstens mal zwischendurch bewegen, wenn die beiden anderen sich nicht mehr bewegen. Jetzt nehmen wir mal an, dieser Puppenspieler hätte jetzt Puppen und die Puppen würden  jetzt ein Einzelbewusstsein kriegen und die könnten sogar eine gewisse Selbständigkeit erlangen. Dann hätten wir so ein bisschen das, worauf sich es beziehen kann. Man könnte sich das sogar heutzutage technisch vorstellen. Man kann ja heutzutage mit Elektroden Hirnarealpotenziale abnehmen. Und dann kann man damit z.B. – haben wir über Locked-in-Patienten hier gesprochen? Nein. Ich verwechsle jetzt schon. Ich unterrichte jetzt schon seit Monaten ständig, dann passen manche Themen auf die verschiedensten Seminare. Locked-in-Patienten sind solche, die meist durch einen Unfall oder durch eine Krankheit körperlich gelähmt sind, aber die Psyche voll da ist. Manchmal wird es auch als Wachkoma bezeichnet. Und die können noch nicht mal den Mund bewegen, noch nicht mal die Hände bewegen, aber zum Teil können sie noch ein Auge bewegen. Und inzwischen gibt es so einige, z.B. Stephen Hawkin gehört auch dazu, der ja nur noch kommunizieren kann, ich glaube, nur noch über Wimpern oder so. Ich glaube, er kann den Finger nicht mehr bewegen. Ich bin mir hier nicht ganz sicher. Er konnte es früher mal. Mindestens war er irgendwann in einem Übergang, wo das nicht mehr geht. Aber es gibt Lockes-in-Patienten, die können auch keine Finger bewegen, die können höchstens beide Augen bewegen. Und inzwischen versucht man, Menschen zu trainieren, wenn sie so schrittweise die Fähigkeiten verlieren, dass das dann über Hirnstromaktivierung geht. Dann können die also irgendwo denken und auf diese Weise den Curser an einem Computer bedienen und so können sie weiter kommunizieren, selbst wenn sie keinen Teil des Körpers mehr bewegen können. Das funktioniert selbst dann noch, wenn eben die Atmung künstlich ist, also wenn sie künstlich beatmet werden. Jetzt könnte man sich das weiter ausbauen. Und jetzt angenommen, wir könnten auf diese Weise künstliche Körper bewegen. Nehmen wir an, wir wären im Wachkoma irgendwo und könnten jetzt einen ganzen Körper bewegen, mit dem wir durch die Gegend gehen könnten und durch dessen Augen und Ohren wir sehen könnten und hören könnten, durch den wir fühlen könnten, alles denkbar und vermutlich in zwanzig, dreißig Jahren auch möglich. Und dann kann man ganz entspannt irgendwo im Wachkoma sein und trotzdem die ganze Welt leben. Ihr könnt sicher sein, man wird sich dann identifizieren mit dem künstlichen Körper. Und dann könnte man sogar mehrere Körper schaffen. Und jetzt könnte man sogar den Körpern eine Eigendynamik geben, denn die müssen sich ja auch bewegen können, man muss ja nicht jede Bewegung dort kontrollieren. Und wer weiß, vielleicht würden die sogar Teile von Brahman widerspiegeln, das wäre auch denkbar, kriegen sogar einen Teil individuelles Bewusstsein. Dann sind sie zum einen gesteuert durch den, der im Wachkoma liegt, und zum anderen haben sie ein gewisses Eigenbewusstsein und so könnte man dann eine ganze Armee von Menschen dort steuern. So, und jetzt habt ihr eine kleine Ahnung, wer wir alle sind. Wir sind wie diese künstlichen Körper von Ishvara, mit einem Eigenbewusstsein und die dann spielen, Evolution und spirituelle Entwicklung. Aber letztlich ist das Ganze dann doch Traum und nicht ganz so wirklich, wie das andere auch. Ok, diese Einstellung können wir vedantamäßig in den Alltag hineinbringen. So können wir spielerisch das tun, was zu tun ist, uns immer wieder amüsieren, was dort alles ist, immer wieder uns amüsieren, wie ernst andere dieses Spiel nehmen, selbst amüsieren, wie wir selbst öfters in diese Fallen hineintappen.

Dies ist der 72. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Verschiedene Tempramente

yoga vidya6Man kann auch eine weitere Tagesablaufvariation machen. Es gibt ja Menschen, die haben das so genannte zyklothyme Temperament. Das heißt, die haben Hochenthusiasmusphasen und sie haben die mehr gedämpften Enthusiasmusphasen. Und in den Hochenthusiasmusphasen denken sie immer: „Ah, gleich kommt die Selbstverwirklichung. Nur noch etwas mehr. Jetzt habe ich es endlich geschafft.“ Es gibt Menschen, die sind schon so lange auf dem Weg, die haben schon zum fünfzehnten Mal diese Hochenergiephase und wiederum: „Jetzt, kurz davor. Eine Stunde Pranayama, eine Dreiviertelstunde Meditation, eine Stunde Asanas jeden Tag, Schlaf reduziert. Meditation wird tiefer. Gott ist spürbar.“ Ja, Gott ist dann ja auch erfahrbar. Man fühlt diese Liebe und diese Freude und diese Verbundenheit und vielleicht die Kundalini macht sich bemerkbar, die Wirbelsäule wird heißt, man spürt eine Liebe zu den Menschen usw. Das kann mehr oder weniger so sein. Und dann folgt als nächstes die: „Es hat alles keinen Sinn. Ich tauge nichts. Die Welt ist schlecht zu mir. Das kriege ich nicht hin. Wäre ich doch nicht geboren worden. Warum lebe ich überhaupt? Ich tauge nichts.“ Wir wollen das jetzt nicht weiter ausbauen. Gut, und jetzt kann man dort sagen: „Wenn ich in dieser Hochenergiephase bin, dann habe ich einen bestimmten Tagesablauf und dann kann ich auch ein bisschen flexibler sein, denn der Enthusiasmus wird mich schon irgendwo in die richtige Richtung leiten. Und wenn ich in einer Niedrigenergiephase bin, dann praktiziere ich mindestens etwas.“ Dann kann man überlegen: „Wenn ich in einer Niedrigenergiephase bin, wie viel Meditation würde ich noch gerne machen? Welche Pranayamas würde ich irgendwo auf die Reihe kriegen, dass es nicht zu viel Überwindung ist? Wie müsste ich die Asanas machen, dass sie mir Spaß machen?“ Eventuell braucht man auch zwei Möglichkeiten. Oft in dieser Niedrigenergiephase wäre es ja eigentlich gut, viele Sonnengebete zu machen, um die Energie wieder zu aktivieren. Aber das nutzt dann manchmal nichts, denn es wäre vielleicht gut, aber sich dazu zu überwinden, ist nicht so einfach. Ich muss öfters lachen, wenn ich Bücher lese, was ein Kapha-Mensch üben sollte, vor allem mit einem Übermaß an Kapha. Da wird gesagt, viele Sonnengebete, anstrengende Asanas. Also, ich habe noch nie jemanden gesehen, der einen Übermaß an Kapha hat und jetzt zwanzig bis vierzig Sonnengebete übt, in der Phase, wo er gerade ein Übermaß an Kapha, Faulheit und Trägheit hat. Also, ich rate jemandem im Übermaß an Kapha, er soll als erstes eine schöne Kerze anzünden, zweitens eine schöne Duftlampe, drittens eine weiche Matte hinlegen und viertens vielleicht den unterstützten Schulterstand, zwei Kissen unter das Kreuzbein, Beine hoch, und sich es gutgehen lassen. Und danach kann man gucken, wie es weitergeht. Wenn man schon so weit ist und schon sich die Mühe gemacht hat, die Kerze anzuzünden, die Matte auszubreiten, eine Duftlampe anzuzünden, schon das Kapha-Temperament wird sagen: „Dafür muss sich der ganze Aufwand dann auch rentiert haben.“ Aber wenn man dem Menschen sagt, er soll jetzt mit zwanzig oder hundertacht Sonnengebeten beginnen, selbst wenn das das Beste wäre, um seine Kapha-Störung zu beheben, macht er es trotzdem nicht. Gut, in diesem Sinne, adapt, adjust, accommodate ist gut, aber eine gewisse Regelmäßigkeit. Also, wenn es geht, macht die Regelmäßigkeit. Für jemanden mit Pitta-Temperament dürfte das nicht allzu schwierig sein. Letztlich auch bei einem reinen Kapha-Temperament, ist es auch nicht schwierig, der macht die gleichen Sachen. Es sind die, die ein bisschen divergieren, sei es, von den inneren Bioenergien her oder durch äußere unregelmäßige Tagesabläufe und Jahreszeiten abhängige Tagesabläufe, die ein bisschen aufpassen müssen oder sich anpassen müssen an innere und äußere Veränderungen.

Dies ist der 70. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

So kann der spirituelle Weg gut vorangehen

asana5Es ist also nie die Frageich habe ja auch kurz vor diesem Retreat ein Seminar gegeben „Yoga bei Beschwerden“. Es ist nie die Frage: „Kann ich Yoga machen?“ Oder: „Kann jemand Yoga machen?“ Jeder kann Yoga machen. Es ist nur die Frage: Wie? Was geht? Was geht vom Tagesablauf? Was geht vom Körperlichen her? Und was geht vom Psychischen her?

Ich habe hier noch eine weitere Frage.

„Sprichst du bitte noch über die verbliebenen Bhakti, Dasya, Sakhya und Atmanivedanam?“

Ich hatte gesprochen von den neun Formen von Bhakti, Weisen, wie wir Hingabe entwickeln können. Und das sind wichtige Techniken, um wirklich diese Liebe zu Gott zu erfahren und Gottes Gegenwart zu erfahren. Vermutlich, für den Alltag, ist Bhakti Yoga für die Mehrheit der Menschen das Wichtigste. Man kann den Alltag auch nehmen, man kann ja von allen Yogawegen aus den Alltag gestalten. Wir können vom Raja Yoga aus lernen, wir freuen uns über jede Herausforderung und wir arbeiten an uns selbst, wir lernen, geschickt mit uns und mit anderen umzugehen und gehen davon aus: „Was auch immer geschieht, es ist etwas, an dem ich mich entwickeln kann.“ Und diese Grundeinstellung hat der Raja Yogi. „Es wird schwierig, toll, jetzt kann ich richtig loslegen. Es gibt Hindernisse, großartig, dadurch wachse ich. Etwas, was ich gemacht habe, ist gescheitert, großartig, ich lerne jetzt, loszulassen und eine Weile in Ruhe zu sein und mich zu entspannen usw.“ So können wir ständig Raja Yoga üben. Und wir können mit Visualisierung, mit Affirmationen, mit Svadhyaya arbeiten, wir können mit Tapas arbeiten und auch Ishvara Pranidhana ist immer wieder im Bhakti. Wir können mit Samyama uns ganz konzentriert auf eine Sache einlassen. Wir können auf diese Weise die intuitiven Fähigkeiten entwickeln, die geistigen Fähigkeiten entwickeln. Man kann lernen, sich ganz auf einen Menschen zu konzentrieren und spürt so eine Herzensverbindung, man versteht den Menschen, man sieht die Aura, man fühlt so viel. Also, alles Raja Yoga, faszinierend und etwas sehr Schönes und auch Erfüllendes. Man kann den ganzen Tag als Karma Yoga üben, im Sinne von, seine Pflicht erfüllen und schauen: „Wie kann ich Menschen am besten helfen und dienen?“ Und das ist etwas sehr Erfüllendes. Und immer wieder mit jedem Menschen schauen – letztlich, Patanjali erwähnt es auch als Maha Vrata, wirklich zu probieren, Ahimsa zu üben oder positiv ausgedrückt, Maitri Bhavana, etwas Gutes zu tun für andere Menschen. Und das immer wieder. Schauen: „Was kann ich tun für andere?“ Und im Tun für andere gehört natürlich auch, seine Säge zu schärfen oder Axt zu schärfen, aber vielleicht Säge wird oft im Deutschen gebraucht. Angenommen, man sagt, „ich habe so viel zu tun“ und dann sägt man irgendwo, um ein Möbelstück zusammenzubasteln, aber es dauert sehr lange. Dann kommt jemand vorbei und sagt: „Schärfe doch deine Säge, dann geht es schneller.“ Dann sagt man: „Habe keine Zeit.“ In diesem Sinne gehört auch das Schärfen der Säge zum uneigennützigen Dienen. Und Schärfe der Säge heißt auch, sich Zeit zu nehmen für seine spirituellen Praktiken, heißt auch, sich zu regenerieren, heißt auch, dafür zu sorgen, dass Körper und Geist sich entspannen, aufladen und die Inspiration haben, um anschließend wieder helfen zu können, heißt natürlich auch, Dinge zu lernen, die man lernen kann und sollte, um effektiver zu sein bei dem, was man tut.

Dies ist der 71. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Das Göttliche ist überall

swami sivananda72Man spürt, hinter allem ist irgendwo dieses Göttliche und da kann man staunen und es in Ehrerbietung verehren und irgendwo sich davon berühren lassen. Die vermutlich vorherrschenden Beziehungen, die wir zu Gott haben können, ist letztlich Dasya Bhava und Sakhya Bhava. Wobei, wenn ihr eine andere Beziehung mehr habt, dann ist das natürlich etwas, was dann für euch das Angemessene ist. Und die Mehrheit wird auch mal fluktuieren, mal ist es so und mal ist es so. Dasya heißt Diener, Sakhya heißt Freund. Dasya Bhava heißt, wir kultivieren das Gefühl: „Ich bin Diener Gottes.“ Wir beten zu Gott: „Oh Gott, zeige mir Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie mich leiten. Bitte zeige mir, was Du von mir willst. Dein Wille, nicht mein Wille, geschehe. Was auch immer ich tue, ich tue es für Dich.“ Und dann können wir auch die Last etwas kleiner tragen. Angenommen, man ist Inhaber eines Unternehmens oder angenommen, man ist Angestellter eines Unternehmens. Wer leidet mehr, wenn es schwierig wird? Normalerweise? Ist das zweifelhaft? Jetzt nehmen wir an, beide sind nicht spirituell und nehmen wir an, es ist keine GmbH. Meistens ist der Inhaber der, der größere Sorgen um sein Unternehmen hat. Der Angestellte hat ja noch eine Sicherheit und außerdem, der Angestellte kann ja sagen: „Es war mein Chef.“ Der Chef selbst hat keine Ausrede. Der kann sich noch welche einfallen lassen: „Es war die böse Politik. Es war das böse Wetter. Es war der Konkurrent. Meine Angestellten taugen alle nichts.“ Aber tief im Inneren weiß er: „Ich war der Chef.“ In diesem Sinne, wenn wir Dasya sind, dann, wer ist der Chef? Gott. Also können wir als Diener Gottes entspannter rangehen und können sagen: „Gott, Du bist der Meister des Universums oder die Meisterin. Sage Du mir, was ich zu tun habe. Und ich bringe es Dir dar. Ich sage Dir, das und das will ich tun. Wenn Du nicht willst, dass ich das mache, dann zeige mir was anderes.“ Und wenn Gott sich nicht meldet. Angenommen, ein Angestellter sagt genau, was er tun will und sagt das dem Chef und der Chef sagt nichts und nachher geht es schief. Muss der Angestellte sich allzu große Sorgen machen? Normalerweise nicht. Ich sehe schon, meine Analogien hier funktionieren nicht  bei euch. Sie hinken auch ein bisschen, weil ich noch nie in einem normalen Unternehmen gearbeitet habe. In Bayern ist es anders? Ok. Aber mindestens im Spirituellen gilt es, wenn wir sagen: „Gott, Dein Wille geschehe. Und bitte zeige mir, was ich zu tun habe.“ Und wir machen das, was Krishna in der Bhagavad Gita empfiehlt im 66. Vers des 18. Kapitels: „Übergib alles Mir. Und dann lasse los. Und dann machst du nichts Falsches.“  So können wir Dasya Bhava machen, alles im Dienst Gottes, alles für Gott und immer wieder darum bitten: „Bitte Gott, sage mir, was Du willst. Ich diene Dir. Was auch immer ich tue, tue ich für Dich. Und zeige mir, was zu tun ist. Wenn Du mir nicht sagst, was Du willst, treffe ich die Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen, ich bringe sie Dir dar und Du hast die Möglichkeit mich davon abzuhalten. Wenn Du es nicht machst, gehe ich davon aus, es ist ok, ich soll daran lernen.“ Sakhya Bhava heißt, die Einstellung eines Freundes zu kultivieren, Freund sein Gottes. Und einem Freund, einer Freundin kann man alles erzählen. Und so kann man zu Gott erzählen. Man kann sagen: „Heute war das und das. Und das und das habe ich erfahren. Und danke, dass Du mir das und das gezeigt hast. Und ich will mich mit Dir besprechen. Bitte sage mir etwas.“ Man kann richtig mit Gott Zwiesprache halten. Er kann sogar mit einem sprechen, er kann zurücksprechen. Und vor allem, der Vorteil ist, Gott ist immer da. Ein Freund, eine Freundin ist mal beschäftigt, ist mal woanders und ist mal selbst in eigenen Prozessen, aber Gott ist immer da. Wir können also uns immer an Gott wenden, ob Gott, Göttin, und so mit ihm, ihr uns austauschen. Sakhya Bhava. Das können wir kultivieren. So können wir mal die Einstellung von Dasya kultivieren, mal die Einstellung von Sakhya. Und es kommt zum Schluss, Atmanivedana. Nivedana heißt Hingabe, Atman heißt Selbst. Sein Selbst vollständig Gott hingeben. Das kann man Jnana Yoga mäßig interpretieren, im Bewusstsein eben kultivieren: „Gott ist das Selbst aller Wesen. Letztlich ist Gott auch mein eigenes Selbst. Letztlich ist Gott in jedem Menschen, mit dem ich zu tun habe. Letztlich ist Gott überall.“ Bhakti Yoga, Atmanivedana, im dualistischen Sinn der Dwaita Vedanta Richtungen, die dennoch Bhakti Schulen sind, würde sagen: „Ich gebe mich ganz Gott hin, mit allem und rückhaltslos. Was auch immer ich tue, ich tue es für Gott. Was auch immer ich sehe, ich gehe davon aus, es ist Gott. Was auch immer ich denke und fühle, ich bringe es Gott dar. Ich bin immer nur in Gott.“ All das können wir kultivieren, jeden Tag ein bisschen. Jeden Tag etwas lesen oder hören oder erzählen über Gott oder einen der Meister, einer Meisterin. Jeden Tag Mantras singen, spirituelle Lieder singen oder hören, ob über CD, MP3 oder wie auch immer. Jeden Tag sich immer wieder die Gegenwart Gottes bewusst zu machen, sei es in den schönen Dingen, sei es über Gebet, sei es über Mantrarezitation, sei es auf andere Weise. Das zum Respekt werden lassen und sich innerlich und vielleicht sogar äußerlich zu verneigen, Vandana. Einen Altar haben, ist etwas ganz einfaches zu Praktizierendes und jeden Tag ihn anzuschauen. Und über Altar und Bilder, die man auch sonst im Alltag integriert, Gottes Gegenwart sich bewusst zu machen. Archana, Rituale zu haben. Sei es vor der Meditation, sei es beim Aufstehen, sei es beim Einschlafen, also Tageszeitrituale. Dann Wochenrituale, Jahreszeitrituale und Lebensabschnittsrituale. All das hilft, das Leben mit Bedeutung und mit Bhakti, mit Hingabe zu füllen. Alles, was wir tun, Gott widmen als Diener, Dasya Bhava, als Freund, Sakhya Bhava oder uns vollständig Gott anvertrauen und hingeben Nivedana.

So danke ich euch für die fünf Tage, euer Interesse, eure Praxis und wünsche euch, dass ihr jeden Tag spirituell praktiziert, mindestens etwas, besser etwas mehr, wenn es irgendwo geht. Normalerweise, ernsthafte spirituelle Aspiranten kriegen es normalerweise hin, eine Stunde am Tag zu praktizieren, zwanzig Minuten Meditation, vierzig Minuten Asanas, Pranayama. Wenn das nicht geht, dann halt etwas weniger. Wenn ihr zyklische Menschen seid, mal mehr, mal weniger. Praktiziert und setzt einiges um im Alltag.

Hari Om Tat Sat

Dies ist der 74. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Gewohnheiten verändern

sukadev4Frage an Sukadev: „Man könnte ja auch eine schlechte Gewohnheit durch eine gute Gewohnheit ersetzen. Z.B. Kaffee, und dann sagt man, jetzt ersetze ich das durch Meditation oder Pranayama.“

Es ist eine gute Sache, wenn man schlechte Gewohnheiten abbauen will, dann reicht es nicht aus, nur zu sagen, „ich mache das nicht mehr“, sondern wir können überlegen: „Durch was kann ich die ersetzen?“ Und man könnte sogar sagen: „Immer dann, wenn der Gedanke daran kommt, dann mache ich das stattdessen.“ Also, in diesem Sinne, nicht der Alles-Oder-Nichts-Philosophie. Es gibt nochmal eine weitere Sache, wo Menschen der Alles-Oder-Nichts-Philosophie zum Opfer fallen, gerade in den letzten Tagen haben mir mehrmals ernsthafte Aspiranten gesagt, sie hätten jetzt wochenlang keine Asanas mehr geübt, der eine, weil er ein Problem in der Schulter hatte und der andere, weil er ein Problem im Handgelenk hatte. Es ist kein Grund, wenn man ein Problem im Handgelenk hat, keine Asanas zu üben. Also, für die meisten Asanas braucht man gar kein gesundes Handgelenk. Man kann auch das Sonnengebet machen, indem man die Ellenbogen auf den Boden setzt. Vermutlich geht dann der Pfau nicht, aber es gibt genügend andere Asanas, und vielleicht geht auch die Seitkrähe nicht so gut. Es wäre sicher interessant, zu probieren, die Seitkrähe aus dem Ellbogenstand heraus oder den Skorpion zur Seite, aber es muss ja auch nicht sein. Und wenn man die Arme nicht so hochheben kann im Sonnengebet und man kann sie so heben, dann macht man es eben so. Und wenn die Schulter so ist, dass vielleicht sogar durch einen Sturz das ganze Gelenk hier in Mitleidenschaft gezogen ist und der vollständige Yogaatem weh tut, dann ist das kein Grund, kein Pranayama zu üben, dann übt man eben einen nicht so vollständigen Yogaatem, dann übt man vielleicht nur Bauchatmung. Also, lasst euch nicht von kleineren oder mittelgroßen körperlichen Beeinträchtigungen von eurer Asana-Praxis abhalten. Swami Sivananda hat auch gerne gesungen: „Adapt, adjust, accommodate. Sei flexible. Passe dich an die Umstände und letztlich auch an deinen Körper und deine Psyche an.“ Und wir brauchen eine gewisse Inflexibilität und wir brauchen eine gewisse Flexibilität. Inflexibilität im Sinne von, regelmäßige Praxis, die ihr jeden Tag macht. Und idealerweise, wenn es irgendwo geht, macht man das jeden Tag. Und wer einen Tagesablauf hat, der regelmäßig ist, der kann sich glücklich schätzen, es ist heute in der Mehrheit der Berufe nicht mehr so. Den Montags bis Freitag 09:00 bis 17:00 Uhr Beruf, der vor dreißig Jahren die Norm war, und ich glaube, wo etwas siebzig bis fünfundsiebzig Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland das oder eine Variation davon hatten, ist heute die Minderheit. Ich glaube, es sind nur noch zwanzig, fünfundzwanzig Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die so regelmäßige Zeiten hat. Aber wenn man dazu gehört oder in Rente ist, dann kann man das machen, und dann ist es gut, wirklich zur gleichen Zeit aufzustehen, zur gleichen Zeit Pranayama zu üben, Asanas zu üben, zu meditieren, und das mindestens als Grundprogramm täglich zu machen. Und dann kann man es darüber hinaus ein bisschen wachsen lassen und weniger wachsen lassen. Wer jetzt zu der Mehrheit gehört, wo dieser regelmäßige Tagesablauf nicht ist, es ist mal früher und mal später, mal Frühschicht, mal Spätschicht, man wechselt sich in der Betreuung der Kinder ab. Und man hat mal ein paar Tage, wo man jeden Tag zwölf Stunden ranklotzen muss, wie das ist in vielen Pflegeberufen der Fall ist, dann hat man drei frei usw. So viele verschiedene Möglichkeiten. Da kann man trotzdem eine Regelmäßigkeit hineinbringen. Man kann sagen: „Wann immer ich zur Arbeit gehen muss oder wann immer mein Tag beginnt, ich stehe einfach zwei Stunden früher auf.“ Oder man kann zwei Arten von Tagesabläufen schaffen. Man kann sagen: „Wenn ich Frühschicht habe, praktiziere ich so. Wenn ich Spätschicht habe, praktiziere ich so.“

Dies ist der 69. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Ein Yoga Aspirat sollte jeden Tag praktizieren

asana4Das ist die zentrale Praxis und das kann einem gelingen. Eigentlich gibt es keinen Grund, weshalb ein ernsthafter Aspirant nicht zwanzig Minuten meditieren kann. Das kann man sich notfalls vom Schlafen abzwacken und es wird nicht im Geringsten die Wachheit des Tages reduzieren, wenn man statt sieben Stunden und zwanzig Minuten nur sieben Stunden schläft oder statt sechs Stunden und dreißig Minuten nur sechs Stunden und zehn Minuten schläft und dafür zwanzig Minuten meditiert. Also, wenn es bis zu zwanzig Minuten ist, werden die zwanzig Minuten Meditation sicherlich stärkeren Erholungs- und Regenerationswert haben als jede Form von Zusatzschlaf, die man hat. Und normalerweise muss man es ja noch nicht mal vom Schlaf abzwacken, sondern die zusätzliche Positivität und die Energie und die Kraft, die man durch die Meditation gewinnt, schafft schon auch dann den Rest der Zeit für sich. Ich habe mal einen schönen Vortrag gehört von einem Meister und dieser Yogameister wurde dann auch gefragt: „Was, wenn ich keine Zeit habe für spirituelle Praktiken?“ Der war dann sehr kurz und hat gesagt: „Wenn du keine Zeit hast, hast du auch kein Interesse, warum stellst du die Frage, warum verschwendest du meine Zeit?“ Jeder hat Zeit zum Essen, jeder hat Zeit zum Zähneputzen, jeder hat Zeit zum Schlafen, für das, was einem wirklich wichtig ist im Leben, hat man Zeit. Man hat nicht für alles, was einem wichtig ist im Leben ausreichend Zeit. Das muss man schon sagen. Man hätte sicherlich gerne mehr Zeit für alles Mögliche. Aber etwas Zeit kriegt man für all das, was einem wichtig ist. Gut, und notfalls ist zwei Minuten Meditation besser als keine Meditation. Und fünf Minuten Meditation ist besser als zwei Minuten. Und deshalb, wenn ich jetzt sage, jeder sollte zwanzig Minuten Zeit für die Meditation finden, und ihr sagt, „ich nicht“, dann heißt das nicht, dass ihr deshalb nicht meditiert. Es gibt viele Menschen, die meditieren jeden Tag nur fünf Minuten und merken, es tut ihnen schon gut. Aber am besten, ihr übt zwanzig Minuten Meditation und ansonsten übt ihr das, was ihr üben könnt.

Dies ist der 68. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Vanaprastha Zeit

asana23Frage an Sukadev: „In der Rente kann man das alles machen.“

Du bist schon relativ gut dran. Also, wir können uns alle freuen, denn in der Vanaprastha Zeit, also in der Rente, kann man so viel davon machen. Und damit man das machen kann, gilt es, vorher doch schon gesund zu leben und einiges umzusetzen, dass man dann in der Rente auch tatsächlich das machen kann und nicht zu den anderen Hohenpriestern unserer Zeit zu sehr zu gehen. Das sind die Hohenpriester in weiß oder grün. Wobei da ja auch ein Karma eine gewisse Rolle spielt, aber man kann einiges auch tun und man kann einiges tun, um das Prana aufrechtzuerhalten. Und im ganzheitlichen Yoga kann man also schauen: „Was kann ich machen?“ Und Swami Sivananda hat gerne ein Lied gesungen: „Eat a little, drink  a little, meditate al little, pranayama a little, asanas a little, relax a little, kirtan a little, japa a little.” Also, von allem ein bisschen. Wenn man von allem ein bisschen macht, dann hat man immer das Gefühl: „Ich mache nicht genug.“ Und jetzt hängt es von der Persönlichkeit ab. Für die Mehrheit heißt das, man bleibt immer inspiriert, denn man denkt: „Ich müsst nur etwas mehr machen und dann wäre es besser.“ Und dann hat man irgendwo diesen Drive und manchmal gelingt es einem ja, mehr zu machen. Jetzt gibt es aber noch zwei andere Charakteren, die müssen da so ein bisschen aufpassen. Das eine sind die Perfektionisten, die mit den starken inneren Antreibern, die sagen: „Du bist nicht gut genug. Du machst nicht genug. Du bist ein schlechter Aspirant. Du schläfst zu viel.“ Und dann macht man sich nieder und setzt sich zu sehr unter Druck. Also hier gehört dann das, was Krishna immer wieder sagt: „Mache das, was du kannst, so gut, wie du kannst, mit ganzem Herzen und dann lasse los. Bringe es Gott dar und lasse los.“ Das muss man dann machen. Und dann macht man das, was man machen kann und lässt los. Und das ist mal mehr und dann ist es auch manchmal etwas weniger. Gut, ein zweiter Charaktertyp ist der so genannte Alles-Oder-Nicht-Philosoph.  Wenn der irgendwo denkt, „ja, eigentlich müsste ich eine Stunde Asanas üben“, was macht der dann? Nichts, denn die Stunde hat man dann nicht. „Eigentlich müsste ich eine Dreiviertelstunde Pranayama üben, aber die Zeit habe ich nicht, also nichts.“ „Eigentlich müsste ich zwanzig Minuten meditieren.“ Das vielleicht noch am ehesten. Und so sollte man statt der Alles-Oder-Nichts-Philosophie der Das-Was-Möglich-Ist-Philosophie anhängen. Und wenn eine Stunde nicht möglich ist Asanas, dann macht man eben eine halbe Stunde, zwanzig Minuten, fünf Minuten. Wenn eine Dreiviertelstunde Pranayama nicht möglich ist, macht man eben fünf oder zehn Minuten. Wenn zwanzig Minuten Meditation schwer fällt, macht man trotzdem zwanzig Minuten. Also, ein ernsthafter Aspirant sollte schon jeden Tag zwanzig Minuten meditieren.

Dies ist der 67. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen: