Aspekte der spirituellen Praxis

5Patanjali sagt: „Tapas, Svadhyaya, Ishvara Pranidhana Nidana Kriya Yoga. Kriya Yoga besteht aus Tapas, Svadhyaya und Ishvara Pranidhana.“ Svadhyaya heißt Selbststudium. Tapas heißt? Meist wird es übersetzt als Askese. Ishvara Pranidhana heißt Hingabe, Verehrung Gottes. Interessanterweise, die drei sind wieder, ich glaube, dreißig Verse später sind die auch noch Teil der fünf Niyamas, dann kommt noch Shauca und Santosha dazu. Und hier erwähnt er aber nur diese drei und man kann auch sagen, die können auch eine weitergehende Bedeutung haben als im Rahmen der Niyamas. Der Ausdruck „Tapas“ heißt wörtlich „Hitze“. Und Tapas kann Askese heißen, kann aber auch heißen, etwas mit Enthusiasmus zu tun. Tapas kann auch heißen, aktiv etwas zu machen. Und Tapas steht auch in anderem Kontext für intensive spirituelle Praxis. Überhaupt spirituelle Praxis wird in den alten Schriften als Tapas bezeichnet. Wenn es also z.B. irgendwo in dem Mahabharata heißt, da hat jemand sich zurückgezogen, um intensiv Tapas zu machen, der hat jetzt nicht härene Gewänder getragen und sich Dornengürtel umgezogen oder ungekochte Linsen ins Schuhwerk getan – typische Askeseübungen von christlichen Mönchen. Auch heute übrigens weiter üblich in den Opus Dei Mitgliedern, mindestens bei manchen, in den meisten normalen Klöstern inzwischen aus der Mode gekommen. Oder es gibt auch in Indien diese verrückten Tapase. Wer mal das Buch lesen will „Das innere Feuer“, dort ist so ein Bericht von einem namens Tapasvin, der unglaubliche Tapase dort gemacht hat. Jahrelang auf einem Bein stehen, die Hände oben, bis die Hände zu Leder verkommen sind. Oder die Hände nicht mehr bewegen und die Nägel nicht schneiden, bis die Nägel durch die Hände hindurchwachsen und auf der anderen Seite wieder herauskommen. Der Sumitra, der dieses Buch ja verlegt hat, sagt, es sei vertrauenswürdig, er hätte mit Leuten gesprochen, die den persönlich gekannt hatten, der ist auch 185 Jahre alt geworden, mindestens laut der im Buch. Ich selbst kann es nicht sagen, ob es stimmt oder nicht stimmt. Und ich empfehle nicht, das zu machen, was dort steht, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Aber eben Tapas in einem anderen Sinn und das ist normalerweise  gemeint, wenn in der Mahabharata dort steht oder in den Veden oder in den Upanishaden, er hat sich zurückgezogen für intensives Tapas, dann heißt das, er hat Asanas, Pranayama, Meditation, Mantrasingen geübt und typischerweise das mit einer gesunden Ernährung kombiniert. In diesem Sinne auch Tapas.

Dies ist der 56. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.