Die Bhumikas, Wiederholung und Ausbau

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Also Subecha haben wir gestern behandelt, Verlangen nach Wahrheit. Die nächste Stufe ist Vicharana, die rechte Suche, es ist nicht nur einfach einer, der sucht, sondern ein Schüler, ein Schüler ist einer, der bereit ist sich zu schulen, daher kommt der Ausdruck Schüler. Es ist ein Anhänger – die meisten haben einen Anhänger, so ein Anhängsel, die hängen nur an, allerdings schulen sie sich nicht – ein Schüler ist jemand, der bereit ist, sich zu schulen, auf Englisch heißt das genauso, he is a discipel. Woher kommt discipel. Von Disziplin. Er unterwirft sich einer gewissen Disziplin.

Vicharana ist die Hauptfragestellung im Leben: Was führt mich mehr zur Wahrheit und wie kann ich mehr zur Wahrheit kommen? Hier ist also die Psychologie eine andere als für die meisten Menschen, die nur überlegen, wie kann ich mehr für mich kriegen, wie kann ich meine Wünsche befriedigen usw., während ein Mensch auf Vicharana überlegt, was hilft mir mehr zur Wahrheit zu kommen. Und bei allen wichtigen Entscheidungen ist diese Frage: Was davon hilft mir mehr zur Wahrheit zu kommen? Und das ist nicht, dass man immer entsagt und rausgeht aus dem weltlichen Leben, es kann sein, es hilft mir am meisten, wenn ich diesen oder jenen Beruf ergreife um mich weiter auszubilden das mir hilft für meine Persönlichkeitsentfaltung und spirituellen Weg um anderen Menschen zu helfen, das gibt eine gewisse Befriedigung und finanzielle Sicherheit, es gibt mir die Gelegenheit, meine Persönlichkeit zu entwickeln, es hilft mir, Gott zu dienen, es gibt mir innere Freiheit. Es spielt eine Rolle bei der Partnerwahl, es spielt eine Rolle bei der Freizeit. Jemand auf Vicharana, der morgens aufwacht und sich vorgenommen hat, jeden Morgen zu meditieren und er wacht morgens müde auf, was wird der machen? Meditieren. Vielleicht kalt duschen, vielleicht ein paar Runden Kapalabhati machen, er wird aber meditieren. Jemand auf Subecha, der überlegt: Na es wäre doch mal ganz gut zu meditieren. Und er wacht morgens auf und er ist ein bisschen müde, der schläft weiter und sagt: Meditieren, das kann ich auch morgen oder übermorgen oder nächste Woche machen. Auf Vicharana ist der Wunsch nach Befreiung stark genug geworden, dass wir bereit sind, was zu tun. Und das Schöne auf Vicharana: Wir haben auch eine Perspektive. Wir wissen, es gibt so etwas wie Befreiung und wir haben auch einen Weg dazu gefunden, diesen Weg gehe ich. Klassischerweise auf Vicharana findet man dort einen Lehrer, der einen auch führen kann und lenken kann. Wobei es da auch verschiedene Traditionen gibt. Es gibt solche Schüler wie Swami Vishnu, der findet einen Lehrer und bei dem bleibt er, nicht sein ganzes Leben, denn er ging dann nach Amerika, aber er ist zwölf Jahre bei einem Lehrer gewesen, bei Swami Sivananda. Es gibt andere Lehrer, die hatten durchaus verschiedene Lehrer, z.B. Sivananda selbst. Einige Lektionen hat Swami Sivananda von seinem Vater gelernt, eine andere von diesem Kampfkunstlehrer, von einem anderen lernte er noch ein bisschen Hatha Yoga; er hatte also verschiedene Lehrer. Und als er in Malaysia war, gab es diesen alten Wandermönch, der ihm Vedanta beigebracht hat. Und dann ging er nach Indien und dort fand er – eigentlich muss man sagen, nachdem er schon zwölf Jahre bewusst auf der Suche gewesen ist – fand er seinen eigentlichen Diksha Guru, das heißt Einweihungsguru, der ihm dann die Einweihung zum Swami gegeben hat. Und anschließend hat er ihn aber nicht sehr lange gesehen, anschließend hatte er noch den Swami VishnuDevananda von dem lernte er noch verschiedene andere Sachen und von jemand anders lernte er noch weitere Pranayama Übungen. Er hatte also einen Lehrer, den er hauptsächlich verehrte, nämlich den Diksha Guru und verschiedene andere Lehrer, von denen er auch lernte. Es gibt also durchaus verschiedene Möglichkeiten. Aber wir sind demütig genug, von jemandem etwas zu lernen. Nur auf Subecha gibt es die dickschädeligen Aspiranten, die denken, ich bin mir selbst Sucher genug. Die machen dann hundert Fehler bevor sie wirklich auf Vicharana hingehen. Dabei müssen wir auch aufpassen, wen wir als unseren Lehrer nehmen, darüber haben wir gestern schon viel gesprochen. Hier auf der Ebene von Vicharana findet auch dieser Kampf der Asuras gegen die Devas statt, den man in der Mythologie immer findet, die Engel gegen die Dämonen, es ist nämlich nicht so, dass es uns immer leicht fällt, das Richtige zu machen, das Gute zu tun, sondern wir haben all diese alten Wünsche und Bedürfnisse und wir haben die alten Neurosen und Frustrationen und Negativitäten, wir wissen aber auch, was wir anders machen wollen. So Schritt für Schritt machen wir das in Disziplin und kommen dann irgendwann zu Tanumanasa. Und Tanumanasa heißt: Ausdünnen des Geistes, das heißt, durch die dauernde Disziplin ist der niedere Geist langsam transformiert und jetzt wollen wir das, was gut für uns ist. Das ist natürlich – im Kleinen haben es ja viele von euch schon erlebt. Z.B vegetarische und vegane Ernährung und jetzt schmeckt sie einem. Extremer für manche vielleicht, die vorher Fleisch usw. gegessen haben, schmeckt vielleicht am Anfang das vegetarische vegane Essen nicht so, dann, nach einer Weile oder velleicht gleich, ist Fleisch ekelerregend für euch, es ist keine Versuchung mehr da, auch aus ethischen Gründen der Mitgeschöpfen gegenüber.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 26 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

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Volles Bewusstsein und unberührt sein

swami s1In Asamshakti ist es so, dass der Meister noch Prahabdha Karma in größerer Menge zu erfüllen hat. In Nirvikalpa Samadhi weiß er, dass er eins ist mit dem Unendlichen, daher macht er keine Handlung mehr mit Ego, er weiß, dass Körper und Geist nur Teil des kosmischen Organismus sind, und er stellt sich vollständig in den Dienst Gottes, daher gibt es kein Asamshakti Karma mehr, er schafft kein neues mehr, auch das Sanchitta Karma wird verbrannt. Da er eigentlich nichts mehr zu lernen hat, bedeutet das Karma, das noch nicht angefangen hat, Früchte zu tragen, ist verbrannt, aber es gibt Prahabdha Karma, das dann angefangen hat zu keimen und dieses Prahabdha Karma muss er noch ernten und in Asamshakti nimmt er dieses Karma bewusst an und von außen gesehen, erscheint es so, als ob er so handelt wie alle anderen auch. Er denkt logisch, er trifft Entscheidungen, er ist natürlich auch von der Intuition geleitet, aber er kann genauso all das tun, was jeder andere auch macht, nur er ist jetzt in dem vollständigen Bewusstsein, er macht nicht’s selbst, daher: durch nichts berührt. Es entsteht das, was man bezeichnet als Doppelbewusstsein. Er sieht zum einen die Welt als Einheit, zum anderen sieht er aber auch die Welt so, wie wir sie auch sehen in der materiellen Ebene, er sieht dann auch noch die Zwischenebenen, Astralwelten usw., also er hat einen vielfältigen Blickwinkel gleichzeitig. Es bleibt auch noch ein ganz sattwiges Ego übrig, wenn er nicht eine gewisse Identifikation auch mit diesem Körper hätte, warum würde man dann diese Hand mehr bewegen als die Hand von jemand anderem, wenn alles meine Körper sind. Obgleich er weiß, dass alles eins ist, hat er dennoch eine besondere Beziehung zu diesem Körper und diesem Geist und kann deshalb Karma ausarbeiten. Aber wenn man Nirvikalpa Samadhi vollständig erreicht hat, dann heißt es, kann man nicht mehr fallen. Das Karma hat sich aufgelöst. Das Ego ist nicht mehr so, dass es etwas tun kann, was in die Dualität führt.

Padarthabhavani ist dieses Doppelbewusstsein eindeutig verschoben in die Richtung, dass er immer nur Brahman sieht und das Karma ist nahezu ausgearbeitet und der Meister, die Meisterin handelt nur noch, wenn sie von außen aufgefordert wird, trifft keine Entscheidungen mehr: Das muss geschehen, das muss nicht geschehen, sondern wenn ihn jemand auffordert zu sprechen, dann spricht er, wenn niemand auffordert, dann schweigt er. Es geht sogar so weit oder es kann so weit gehen, dass, wenn ihm niemand was zu essen gibt, dann isst er nicht. Und solange das Karma noch da ist, dass der Körper da sein soll, dann überlebt der Körper, selbst ohne Essen. Es gibt solche Phänomene. Im Normalfall wird das Karma dafür sorgen, dass der Mensch auch etwas zu essen kriegt usw.

Und irgendwann hört auch dieses letzte Karma auf und dann folgt Turya, immerwährender Samadhi und innerhalb von drei Minuten und drei Wochen fällt dann der physische Körper ab und der Meister verlässt den physischen Körper, verlässt den Astralkörper, den Kausalkörper und verschmilzt mit Brahman. Das also als Wiederholung der oberen Stufen.

Zusammenfassend: Es gibt verschiedene Weisen, wie man die Stufen des spirituellen Weges beschreiben kann. Hier habt ihr eine Sieben-Stufen-Lehre kennen gelernt: Es gibt auch noch andere. Die Hauptstufen sind:

  1. Der erwachte Wunsch nach Befreiung.
  2. Man praktiziert systematisch und sorgt dafür, dass wir auf dem Weg vorankommen, dass unsere Psyche transformiert wird, dass wir unser Karma ausarbeiten, wir Energie ansammeln – das führt zu
  3. Tanumanasa, zum Ausdünnen des Geistes, sodass wir wollen, was gut für uns ist, die Meditation tief wird, wir Freude erfahren bei dem, was gut ist für uns wie auch für andere. Wenn wir dort der Gefahr des spirituellen Weges, des spirituellen Egos begegnen, kommen wir zu
  4.  Sattwapati, Erlangen von Reinheit, Savikalpa Samadhi, wo die Siddhis eine Versuchung darstellen. Widerstehen wir dieser Versuchung, kommen wir zu
  5. Nirvikalpa Samadhi, der Selbstverwirklichung. Von da an läuft das Karma mehr oder weniger von selbst ab. In Asamshakti nehmen wir das Karma bewusst auf uns, handeln von außen gesehen fast so wie vorher, haben ein Doppelbewusstsein, sehen gleichzeitig Brahman und die Welt. Schließlich ist dieses Karma weitestgehend aufgebraucht.
  6.  Und gegen Ende des Lebens, diese Phase dauert normalerweise nur sehr kurz, auch wenn es Menschen gibt, die dort Jahre oder sogar Jahrzehnte drin sind. Das Normale ist, dass diese Phase nur sehr kurz ist, wenige Tage oder wenige Wochen. Tut der Mensch nichts mehr für sich selbst, sondern das Karma läuft noch ab.
  7. Schließlich hört das Karma ganz auf und der Yogi geht in Machasamadhi in großen Samadhi ein, vollständige Verschmelzung , dauerhaft

– Fortsetzung folgt –

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Siddhis – Übernatürliche Kräfte

swami s23Diese Siddhis, von denen darf man sich nicht in Versuchung führen lassen, man darf sie insbesondere für egoistische Zwecke nicht benutzen. Und hier ist ein Paradox: Zum einen heißt es, man soll die Siddhis grundsätzlich nie verwenden, nie benutzen, als angehender Aspirant nicht, weil, wenn man sie benutzt, dann wird viel Prana, viel Energie ausgegeben und man verliert das wieder und als großer Meister auch nicht benutzen, weil es heißt, dass man doch wieder Ego hat, man denkt, ich selbst muss etwas tun, um die Welt zu verbessern, anstatt zu erkennen, dass Gott alles tut. Sivananda, wie auch alle großen Meister, sagen: Nicht ich habe das Wunder bewirkt, sondern Gottes Gnade.

Nicht jeder, der Siddhis hat, ist auf der Ebene von Sattwapati, man kann auch Siddhis haben, zum einen über spezielle Rituale und Mantras kann man Siddhis erwerben, man kann Siddhis erwerben eben über auch Devatas, Zugang zu Engelswesen oder irgendwelchen Astralwesen. Man kann Siddhis erwerben ganz einfach von der Geburt her, weil sie irgendetwas schon im früheren Leben gemacht haben und man kann es auch erlernen über sogenannte medizinische Kräuter. Patanjali hat das gesagt, das heißt irgendwelche Drogen, kann man auch außergewöhnliche Wahrnehmungen machen, bekommt andere Kräfte. Das ist am stärksten mit Vorsicht zu genießen, weil dabei der Astralkörper dauerhaft beschädigt werden kann. Und man kann es bekommen durch Tapas, durch Askeseübungen, beziehungsweise auch durch intensive Asanas und Pranayama, dort bekommt man Meisterschaft über das Prana und bei Meisterschaft des Prana kommen Siddhis. Das kann man also auch schon selbst dann bekommen, wenn man nicht einmal auf Subecha ist. Man kann all diese Techniken anwenden, um zu übernatürlichen Kräften zu kommen. Wenn ihr irgend jemand trefft und der hat übernatürliche Kräfte, heißt das noch lange nicht, dass er ein großer Meister ist. Zwar hat letztlich jeder Meister irgendwelche außergewöhnlichen Kräfte, die man irgendwie spürt, sie machen es nicht manifest, meistens, aber jemand, der die Kräfte hat, heißt nicht, dass er ein Meister ist. Wenn der Meister dieser Versuchung, diese Kräfte mit Ego zu benutzen, widersteht, dann kommt er irgendwann zu Asamshakti und Asamsakti, dort ist das Charakteristikum Nirvikalpa Samadhi. Sattwapati ist Sarvikalpa Samadhi, das heißt Samadhi noch mit Dualität. Und in Asamshakti ist Nirvikalpi Samadhi ohne Dualität. Da werden wir noch einmal darüber sprechen im Rahmen, wenn wir über die höheren Bewusstseinsstufen sprechen.

– Fortsetzung folgt –

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Meditation

meditation2Die nächste, die dritte Stufe ist Meditation: Die Meditation wird tief und wir finden tiefe Befriedigung in der Meditation. Das sind so drei Hauptkennzeichen. Und daher ist Tanumanasa eine sehr schöne Periode und wenn wir fest verankert sind auf Tanumanasa, dann ist es auch das, was in der Bhagavad Gita bezeichnet wird als Gita Prakna – ein Mensch beständiger Weisheit. Und jemand, der auf Tanumanasa sich dauerhaft befindet, ist auch ein Meister, eine Meisterin. Ab dort können wir einem Lehrer gut vertrauen.

Das Erste ist: Wir wollen das, was gut für uns und andere ist. Die selbstsüchtigen Wünsche und niederen Wünsche sind schwach geworden.

Das Zweite ist: Die Intuition ist erwacht und führt uns recht zuverlässig.

Und das Dritte ist: In der Meditation erreichen wir die Dianaebene, die Meditation wird tief und daher wird die Meditation wunderschön und befriedigend.

Manche Menschen haben eine vorübergehende Phase von Tanumanasa, das nennt sich spirituelle Hochzeitsreise. Es ist eine Phase, wo wir uns wunderbar fühlen: Das Herz ist offen, wir haben natürliche Liebe zu anderen, wir haben Liebe zu Gott, wir fühlen uns verbunden zu Gott oder zum Meister, wir brauchen vielleicht weniger Schlaf, wir wollen nur praktizieren, wir wollen anderen Menschen helfen – eine wunderschöne Phase. Und es erscheint uns so ganz nah, Gott und Verwirklichung, plötzlich ist das so etwas wirklich Schönes. Wer von euch hat so eine Phase schon einmal andeutungsweise erlebt? Immerhin die Hälfte.

Und dann auf der Ebene gibt es die Gefahr des spirituellen Egos, dann identifizieren wir: Ah, ich bin schon so heilig! Und in diesem Moment, wo dieses spirituelle Ego kommt, dann… verlieren wir es auch schon. Dieses spirituelle Ego sollten wir dort vermeiden. Es ist ja auch in der Meditation oft das, was uns aus der Tiefenmeditation herausholt, was eine tanumanasische Erfahrung ist, wenn man auf die Dianaebene kommt. Was uns dort herausholt, ist: Ah, jetzt hab ich `s! da ist also das Ego in dem Moment drin. Und daher ist es wichtig, dass wir unser Ego schon vorher abbauen, selbstlosen Dienst üben und Gott widmen und uns nicht identifizieren. Aber es ist realistisch gesehen eine große Gefahr durch die auch alle Meister mal durchgehen, eben dieses spirituelle Ego, sich etwas darauf einbilden ihrer überlegenen Fähigkeiten, die ja tatsächlich da sind. Und wenn man diesem Ego entsagt, es loslassen kann oder zu Gott betet, darum bitten, dass er das Ego einem nimmt, dann kommt man irgendwann zu Sattwapati, das Erlangen von Reinheit. Und was erlebt man dort? – die Siddhis.. Und Siddhis sind die übernatürlichen Kräfte, die übernatürlichen Fähigkeiten.

– Fortsetzung folgt –

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Mittelweg auf dem spirituellen Weg

krishna17Es ist ein großes Paradox, Krishna sagte in der Bhagavad Gita, 6. Kapitel: Yoga ist nicht für Menschen, die zuviel schlafen und auch nicht für Menschen, die zu wenig schlafen, Yoga ist nicht für Menschen, die sich zu wenig ausruhen oder zu viel, die zu wenig essen oder zu viel essen, die zu wenig oder zu viel praktizieren, wir müssen einen Mittelweg finden.

Nochmals Krishna empfiehlt den Mittelweg. Es ist leicht, in Extreme zu verfallen. Finde heraus, was du brauchst, wie du die Grundbedürfnisse sattvig (rein) befriedigen kannst, hänge aber nicht daran. Das gilt beim Essen, beim Schlafen, bei verschiedenen Formen der Regeneration etc. Jemand, der zuviel isst, lebt ungesund. Jemand, der zu wenig isst, wird entweder träge oder nervös. Die meisten Menschen brauchen 6-7 Stunden Schlaf, manche auch nur 5, wenige 8. Wenn du zu wenig schläfst, wirst du reizbar oder träge werden und schläfrig in der Meditation. Wenn du zu viel schläfst, versäumst du wertvolle Zeit, die du besser für Sadhana und Seva (Dienen) verwenden könntest. Außerdem senkt auch ein Übermaß an Schlaf die Lebensdauer und kann zu einer depressiven Stimmung führen.

Krishna verspricht dir: Wenn du so regelmäßig Meditation in Verbindung mit Karma Yoga im Alltag übst, wirst du das höchste Ziel des Lebens, nämlich die Befreiung, die Einheit mit Gott, den höchsten Frieden, erfahren.

Das höchste Selbst ist eine Verkörperung von Frieden. Es ist ein Ozean von Frieden. Wenn man den höchsten Frieden des Ewigen erlangt hat, weil man die Erscheinungsformen des Geistes zu kontrollieren vermag und ihn immer ausgewogen halten kann, erreicht man Befreiung,

Jetzt haben wir uns relativ lang bei Vicharana aufgehalten, das ist nämlich die Stufe, wo die meisten der hier Anwesenden sich aufhalten. Ihr seid so weit, dass ihr praktiziert, ob ihr schon fest verankert seid, ist eine andere Sache.

Gut, aber es ist etwas Schönes, es ist etwas Erhebendes und das führt irgendwann zu Tanumanasa, das Ausdünnen des Geistes.

Tanumanasa heißt: Die Wünsche sind ausgedünnt. Wir wollen das, was gut für uns ist. Die Intuition ist erwacht, zweites Kriterium. Und jetzt ist die Intuition das Wichtigste. Auf der zweiten Stufe war Viveka, die Unterscheidungskraft, das Wichtigste von allem. Hier in Tanumanasa ist die Intuition erwacht, wir handeln aus der Intuition heraus.

– Fortsetzung folgt –

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Das überwinden von Trägheit

asana4Die erste Schwierigkeit bei Vicharana ist sicherlich tatsächlich, sein Tamas zu überwinden und wirklich regelmäßig zu praktizieren. Das scheint für neunzig Prozent der Aspiranten sogar neunzig Prozent derjenigen, der hier die Yogalehrer-Ausbildung absolviert hat, die wichtigste Aufgabe zu sein. Jeden Tag zu meditieren, jeden Tag Asanas und Pranayama zu machen, sich an die Ernährungsregeln usw. zu halten; da muss es erst einmal anfangen. Aber wenn wir so weit sind, dass wir wirklich täglich üben, dann müssen wir aufpassen, dass wir es uns nicht zu gemütlich einrichten. Dann, anstatt jeden Abend „Lindenstraße“ zu gucken, setzen wir uns halt hin und meditieren. Anstatt Tennis zu spielen, machen wir halt Asanas und Pranayama. Anstatt in ein Kaffeekränzchen zu gehen, gehen wir einmal die Woche in ein Yogazentrum, bleiben nach der Meditation zum gemütlichen Zusammensein bei Suppe und Salat oder so etwas und unterhalten und dort. Wir haben inzwischen sattwige Freunde gefunden, die auch auf dem spirituellen Weg sind. Die Menschen, die nur Materialismus geben, die sich bedroht fühlen von dem, was wir so an spirituellem Interesse haben, mit denen haben wir längst nichts mehr zu tun oder nur noch ganz selten. Und andere, mit denen wir vorher zusammen waren, die haben Verständnis mindestens dafür, wir kommen also mit ihnen zurecht, wir haben unsere sattwigen Restaurants, in die wir hineingehen, wir kaufen uns die Kleidung nur noch ökologisch und in hellen sattwigen Farben, wir essen unser sattwiges Essen, wir wissen, was uns gut tut, was unsere Verdauung braucht und haben dort eine Regelmäßigkeit hineingebracht und wir haben auch gelernt, uns selbst  zu lieben und zu akzeptieren, denn wir haben festgestellt, die Revolution in unserem Geist wird auch nicht funktionieren. Wir sind halt ab und zu mal ärgerlich und diese anderen kleinen Sünden, die gönnen wir uns auch. Und wir wissen, dass wir im Grunde genommen so, wie wir sind, Gott auch lieb sind. So haben wir eine allgemeine Akzeptanz und einen ruhigen, harmonischen glücklichen Lebensweg. Ist doch gut oder? All das ist tatsächlich gut. Und es ist durchaus erst einmal eine Aufgabe, sich in diese Richtung zu bewegen. Was ist nicht gut daran? Irgendwann wird man träge und bleibt dort. Und das ist ja auch die große Schwierigkeit, was dann in Spiritualität zur Religion wird, es wird zum Lebensstil, aber es tut sich  auf der inneren Ebene nicht mehr so viel und dann ist es spiritueller Materialismus. Und was müssen wir da machen? Die wirkungsvollste Technik ist, zu Gott zu beten, Zu sagen: Gott, ich habe es mir zu gemütlich gemacht, bitte hilf mir, dass ich wieder wirklich spirituelle Fortschritte mache! Und dann müsst ihr euch nur bewusst sein, irgendetwas wird Gott machen. Die Aufgabe des spirituellen Lehrers ist auch, einem das Leben unbequem zu machen, wisst ihr das? Es ist eine der Hauptaufgaben des spirituellen Lehrers, einem das Leben unbequem zu machen. Über Bequemlichkeit kommen wir nicht zur Selbstverwirklichung. Der Swami Vishnu hatte diese Aufgabe immer in vorzüglicher Weise erfüllt und er erfüllt sie uns auch heute noch, wo er nicht mehr im physischen Körper ist. Wenn das Leben bequem wäre, dann wäre es zwar ganz nett, aber der Fortschritt hört irgendwann auf. So können wir dankbar sein, wenn Gott öfter unser Leben wieder umwälzt. Karma übernimmt dann die Rolle, es muss nicht immer ein direkter persönlicher Lehrer sein. Aber wir können natürlich auch selbstbewusst daran arbeiten, wir müssen nicht warten, bis es von außen kommt. Wir können selbst noch mal schauen, insbesondere können wir schauen, wie kann ich jetzt bewusst an meinem Charakter neu arbeiten? Wie kann ich meine spirituellen Praktiken noch einmal so erhöhen, dass sie über das hinausgehen, was ich jetzt immer so ganz angenehm finde? Wie kann ich Tapas üben, Askese? Worauf von all dem, worin ich es mir so gemütlich gemacht habe, könnte ich mal verzichten? Also durchaus auch noch mal etwas mehr in die Extreme gehen, das hilft dann auch wieder aus dem Gewohnheitstrott herauszukommen.

– Fortsetzung folgt –

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Was bedeutet Dharma

swami vishnu4Dharma heißt sowohl Pflicht, es heißt rechtmäßige Ordnung, es heißt Tugend, es heißt spiritueller Lebensstil, es ist sehr schwierig zu übersetzen – Dharma. Aber in dem Zusammenhang steht es da für richtig und falsch und Pflicht. Auf Vicharana gibt es mehre Dingen, die einen leiten, zum einen erwacht natürlich die Intuition, die innere Stimme, aber besonders wichtig ist Viveka und Viveka ist die Unterscheidungskraft. Manchmal ist eine Stimme da und dann muss die Unterscheidungskraft sagen: Ist es die Trägheitsstimme, die emotionelle Stimme, ist es meine Erziehungsstimme, ist es die Mehrheit-der-Gesellschafts-Stimme, ist es die Faulstimme, die Intuitionsstimme, die Aufgeregtheitsstimme- ist es die kollektivstimme es gibt so viele innere Stimmen, die wir haben. Selten ist sie ganz eindeutig. Glücklicherweise ist sie manchmal doch klar, aber manchmal verwirrt sie uns doch. Und so muss die Viveka hier auch wieder sein.

Als nächstes helfen uns dort die Schriften, denn die Schriften sind das, was erklärt, was schon andere Aspiranten durchgegangen sind und die dann Entscheidungshilfen auch geben. Und was hilft noch? Wenn man Glück hat oder ein gutes Karma hat? Ein Lehrer, ein Guru. Man geht zum spirituellen Lehrer und fragt ihn. Shankara hat einmal gesagt: Drei wertvolle Dinge gibt es auf dieser Welt: Mumukshutva – menschliche Geburt, man kann es auch ergänzen – menschenwürdiges Dasein; das zweite ist: Mumukshutva –  Wunsch nach Befreiung; und das dritte ist: Maha Purusha Samtraya – die liebevolle Fürsorge durch eine große Seele. Und solange wir keinen Guru haben, unseren entgültigen Satguru, Herzensguru, Einweihungsguru gefunden haben, was machen wir da? Wir praktizieren einfach nach bestem Wissen und Gewissen und stellen halt ruhig Menschen Fragen, die auch auf dem spirituellen Weg sind, vielleicht etwas länger als wir und suchen so Ratschlägen von anderen Aspiranten, die schon auf dem Weg sind. Oder wenn wir mal einen Lehrer finden, selbst wenn der nicht unser persönlicher Lehrer ist, können wir ihn auch einmal fragen und dann nutzen wir unsere Viveka und schauen, inwieweit das, was als Ratschlag gegeben ist, was umsetzbar ist und wie wir das umsetzen können. Jetzt ist es wichtig auf Vicharana zu vermeiden, dass wir in einem spirituellen Materialismus versinken. Was heißt spiritueller Materialismus?  Ein Widerspruch in sich! Dass wir aus der spirituellen Praxis einfach nur einen Lebensstil werden lassen und es irgendwann aufhört, dass es uns spirituell verändert.

– Fortsetzung folgt –

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Der spirituelle Fortschritt ist wichtig

1a,,,,Wir müssen Entscheidungen treffen. Und dort auf Vicharana ist eben die Frage, was hilft mir auf dem spirituellen Weg weiter? Wenn wir feststellen, dass der Beruf, den wir ergreifen, nicht der richtige ist, den wir ausführen, die Arbeitsstelle nicht die richtige ist, was machen wir dann? Wir wechseln. Aber vorher gucken wir auch noch einmal, ob man doch vielleicht eine zu naive eng begrenzte Vorstellung hat. Denn wo Feuer ist, da ist auch Rauch. Es gibt keinen vollkommenen Beruf, außer Mitarbeiter im Haus Yoga Vidya, fast vollkommen. Ihr habt alles: Spiritualität, Praktiken, Gemeinschaft und letztlich auch Arbeit, die ausreichend anstrengend ist, um am Ego zu arbeiten und die Talente zum Vorschein zu bringen. Aber selbst da gibt es Aspekte, die nicht hundert Prozent ideal sind. Und so ist es auch bei allem anderen. Man kann auch sagen, den Job, den ich mache, der ist für mich halt ein Job, der ist so, dass ich halt mein Geld verdiene, damit kann ich mich und meine Familie ernähren, habe Geld, um ab und zu mal ins Haus Yoga Vidya zu kommen. Und wenn ich abends nach Hause gehe und mich hinsetze für die Meditation, dann kann ich das. Dann kann man sagen, man hat auch den Job ausgewählt nach Kriterien der Spiritualität. Natürlich kann man auch sagen, für andere würde der Job ideal sein, das ist ein Job, der hilft mir, dass ich meine Talente zum Vorschein bringen kann, er hilft mir, dass ich in meiner Persönlichkeitsentwicklung weiterkomme, dass ich Herausforderungen habe, über meine Grenzen hinauswachsen kann, dass ich manchmal so weit gefordert werde, dass ich mich wirklich zu Gott wenden muss, um dort weiterzumachen, und der Beruf zwingt mich dazu, regelmäßig Asanas, Pranayama und Meditation zu machen, weil ich ansonsten zusammenbrechen würde, und in dieser Kombination ist es etwas, was mir ausgezeichnet bekommt auf dem spirituellen Weg. Es ist eine andere Art von Temperament von Mensch, der diese Art von spirituellen Weg geht. Beides führt zur Wahrheit. Es ist nicht der eine besser oder der andere schlechter. Aber das ist eben die Frage, die wir uns stellen. Und so kann man genauso auch, wenn es um Partnerwahl geht, welchen Partner – wenn man noch eine neue Wahl hat – wenn man mit einem zusammen ist, dann wächst man zusammen. Aber wenn man einen neuen Partner hat, man hat sich verliebt, ist die Frage, bleibt man mit dem zusammen oder nicht? Dann kann man auch verschiedene Dinge überlegen: Kann man zum einen sagen, ja, er ist spirituell – oder sie -, hilft mir auf dem spirituellen Weg, es ist gut, zusammen zu sein. Wenn ich ganz alleine gehen würde, dann käme doch immer wieder Sehnsucht, so ist es besser, wenn wir zu zweit gehen und uns gegenseitig unterstützen. Man kann aber auch sagen: Gut, mein Partner ist nicht spirituell, aber er hat die Toleranz, er lässt mich machen und so ist es vielleicht ganz gut, dass sich meine spirituelle Praxis nicht vermengt mit allem möglichen anderem. Wir haben genügend Ebenen, auf denen wir uns zusammen finden und zusammen wachsen und so kann ich auch mich weiterentwickeln. So gibt es verschiedene Dinge, die man überlegt. Aber wenn Vicharana tief wird, dann ist die Frage, was hilft mir auf dem spirituellen Weg weiter, das wichtigste Kriterium wie wir Entscheidungen in unserem Leben führen. Da diese Entscheidungen nicht immer leicht sind und auch fast nie eindeutig sind, deshalb heißt die ganze Sache Vicharana. Wir müssen uns ständig wieder befragen. Und oft müssen wir auch  uns entscheiden, ohne uns sicher zu sein. Was machen wir dann? Wir entscheiden uns nach bestem Wissen und Gewissen. Und dann anschließend weihen wir alles Gott. Und Krishna sagt im 66. Vers des 18. Kapitels, den wir jeden Morgen und jeden Abend als letztes nach dem Arati wiederholen: Wenn du jede Handlung mir weihst, dann machst du nichts Falsches. Gib alle Vorstellungen von richtig und falsch auf, gib alle Dharmas auf und nimm zu mir allein Zuflucht, ich werde alle Fehler von dir nehmen, sorge dich nicht. Kurz danach macht er eine Einschränkung – ihr könnt mir ja sagen, es wird jetzt gleich anarchistisch, da kann man ja alles machen -: Erzähl das niemandem, der sich nicht um Vollkommenheit bemüht, erzähle das niemandem, der Gott nicht liebt, und erzähle das niemandem, der nicht anderen wohlgesinnt ist. Aber wenn wir uns selbst, zum einen um Vollkommenheit bemühen, wenn wir anderen Menschen helfen wollen, wenn wir Gott dienen wollen, dann entscheiden wir uns nach bestem Wissen und Gewissen und zum Schluss wissen wir es immer noch nicht, dann lassen wir los und sagen: O Gott, ich übergebe alles dir und für dich mache ich das und dann brauchen wir keine Sorgen zu haben.

– Fortsetzung folgt –

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Transformation des Geistes

sukadev1.Eines muss man jetzt unterscheiden, denn es gibt sattwige, rajasige und tamasige Lehrer und letztlich auch Wege. Tamasige Wege wären sicherlich Satanskulte und letztlich alles, was zum –Fanatismus führt und zum Hassen von anderen. Solches gibt es ja auch in Hülle und Fülle. Und rajasig ist natürlich auch dort, wo das Ego durchaus eine Rolle spielt. Aber es ist ein bisschen kompliziert mit dem Ego. Man muss natürlich aufpassen, dass, wenn man auf den spirituellen Weg geht, dass man dort nicht sein Ego erhöht. Ich bin besser als die andere, ich bin weiter als die anderen, mein Weg ist besser als die anderen. Es ist schon gut, wenn man nur denkt, mein Weg ist besser als die anderen, als wenn man denkt, alle anderen Wege führen zur Hölle und wir müssen sie zwangsbekehren, um sie vor der Hölle zu retten. Das ist schon ein Unterschied zwischen einem rajasigem und einem tamasigem Weg, der nur in die Irre führt.

Gut, dann gibt es auch noch auf Subecha die sogenannten Leser und Denkenden, die nur denken, ohne zu praktizieren. Auch das ist eine wichtige Phase für viele, dass man eine Weile sich vieles anschaut, aber es gibt manche, die ihr Leben damit verbringen, über Spiritualität zu lesen, ohne es jemals zu praktizieren. So wie es auch in Indien diese Pandits gibt, die alle Schriften kennen, aber wenig praktizieren, um zu einer wirklichen Transformation des Geistes zu kommen. So gibt es verschiedene Ausprägungen von Subecha.

Dann folgt Vicharana. Vicharana: Wir gehen einen Weg. Zwar heißt der Ausdruck rechte Befragung, aber das heißt jetzt nicht nur die rechte Befragung: Will ich auf dem spirituellen Weg gehen oder nicht, sondern wie ist die Frage im Vicharana? Wie geht es weiter? Was muss ich tun, um auf meinem spirituellen Weg voranzuschreiten? Und ein Kriterium im Vicharana ist, dass das Kriterium, das uns weiterhilft, das Hauptkriterium unseres Weges wird, z.B. das wir Yoga praktizieren. Gut, es gibt Übergangsphasen zwischen Subecha und Vicharana, wo man praktisch die Spiritualität praktiziert wie ein Hobby. Wir sorgen dazu für unsere Arbeit, wir sorgen für unser Haus, wir sorgen für unsere Familie und dann schauen wir mal, was dann noch  übrig bleibt an Zeit, das kann man ja auch verbringen, statt auf dem Tennisplatz, können wir das verbringen im Yogazentrum. Das sind so die Anfänge für manche von Vicharana, nicht für alle. Manche haben eine intensive Phase von Subecha hinter sich und diese intensive Phase von Subecha  führt dann gleich zu einer intensiven Phase von Vicharana. Aber bei manchen war vielleicht Subecha nur schwach ausgeprägt und führt zu schwachem Vicharana. Wenn man auf dem spirituellen Weg weiterkommt, dann sollte das spirituelle Fortkommen an Nummer eins stehen, das ist das Wichtigste. Alles andere folgt dann auch noch. So hat ja Jesus auch gesagt: Strebe zuerst nach dem Königreich Gottes, dann wird euch alles andere von selbst zufallen. Jesus nimmt hier durchaus einen etwas klaren Standpunkt ein, er sagt sogar: Dann wird euch alles andere von selbst zufallen. Das ist letztlich für einen, der den Beruf eines Wandermönches ergreift, weshalb Jesus das so stark propagiert. Das ist aber auch nicht die einzige Lebensform, die er propagiert. Früher habe ich das behauptet, aber ich habe mich inzwischen von einem Bibelkenner eines Besseren belehren lassen. Jesus hatte verschiedene Schüler. Einige, hat er gesagt, sollen Wandermönche werden, andere hat er aber auch in ihrem Beruf gelassen.

– Fortsetzung folgt –

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Gleichgewicht und Vertrauen

swami sivanan3Gut und dann gibt es Titiksha und Titiksha heißt letztlich aushalten können, ertragen können. Wenn Dinge nicht so gehen, wie wir sie gerne hätten, dann können wir sie aushalten, es wird uns nicht vollständig aus dem Gleichgewicht werfen. Und dann folgt Shraddha, Shraddha, ein Vertrauen. Dazu gehört sowohl Selbstvertrauen wie auch Vertrauen in die göttliche Natur anderer, wie auch vertrauen, dass das, was kommt, uns irgendwie hilfreich ist. Und vertrauen, es gehört dann auch das Vertrauen in die Schriften und Vertrauen in den spirituellen Lehrer. Und das Letzte, das Resultat von allem, ist Samadhana: Gleichmut des Geistes.

Also, das sind alles Dinge, an denen wir arbeiten können. All das ist etwas erwacht auf Subecha. Wir haben eine gewisse geistige Stärke schon.

Swami Vishnu hat gesagt, the spiritual windowshoppers, spirituelle Schaufenstergucker, die gucken mal hier rein und mal dort rein, machen mal hier ein Yogaseminar mit, dort hören sie mal einen Kabbalavortrag, dort hören sie sich mal an, was die Zenleute zu sagen haben, und dann vielleicht noch mal ein bisschen Edelsteinmassage usw., aber nichts davon wirklich gründlich ausführen und nicht wirklich praktizieren. So ist es, wenn man am Anfang steht und einen Berg hochgeht, dann überlegt man: Vom Westen, vom Osten, vom Norden, vom Süden – wo ist es am Schönsten, wo ist es am Einfachsten. Man interviewt alle, die oben gewesen sind und fragt schon mal, wie es denn gewesen ist. Dann geht man hier ein bisschen hoch und dort ein bisschen hoch, um dort zu schauen und irgendwann muss man den Weg gehen. Den Weg zu gehen, heißt jetzt nicht, dass alle dann einen einzigen Weg gehen, den alle vorher auch schon gegangen sind, sondern es kann auch durchaus unterschiedliche Wege geben. Es gibt solche wie den Swami Vishnu Devananda, der mit siebzehn seinen spirituellen Meister gefunden hat, seinen Lehren gefolgt ist und bis zum Lebensende. Es gibt aber auch solche wie Swami Sivananda, die die verschiedensten Lehrer hatten, der als Kind von seinem Vater schon einiges gelernt hatte, als Jugendlicher von einem Selbstverteidigungslehrer etwas gelernt hatte, dann auch einen Hatha Yogalehrer gehabt hatte, von dem er wieder was gelernt hatte, irgend jemand muss ihm die Kirtan beigebracht haben, wieder jemand anders hat ihm dann andere Schriften noch beigebracht, dann hatte er jemanden, der ihn in Malaysia als Arzt in Vedanta gelehrt hat, was ihn dann dazu geführt hat, das er von Malaysia zurück nach Indien ist, dort hatte er dann seinen Einweihungsguru, den Swami Vishnavedananda gefunden, der ihm die Einweihung gegeben hat, und das war für ihn der wichtigste Lehrer. Mit dem war er aber nur kurz zusammen. Dann gab es noch einen Swami Vishnu Devananda, der ihm genauer erklärt hatte die Grundsätze eines spirituellen Lebens und es gab dann noch mal jemand anders, der ihm noch mehr Pranayama beigebracht hatte. Er hatte eine Vielzahl von Lehrern, aber es war nicht so, dass er nur zum Lehrer geguckt hat, wenn der wieder weg ist, sondern, was die betreffenden Lehrer ihm erzählt haben, das hat er praktiziert und das ist dann Vicharana. Nur alles sich angucken, ohne wirklich was zu machen oder insbesondere immer dann aufhören, wenn es schwierig wird, wenn man an sich arbeiten muss, seinen Schattenseiten ins Auge gucken muss, wenn Hindernisse auftreten, solange bleibt man noch in subecha, wenn man dann immer aufhört. Man hat zwar den Wunsch nach Wahrheit, aber man kann noch nicht praktizieren. Es ist eben eine notwendige Phase, die man, wenn man Glück hat, nicht Glück hat, sondern wenn man sie im früheren Leben schon hinter sich hat, dann dauert sie in diesem Leben kürzer, und wenn das in diesem Leben das erstemal ist, dann wird dieses Leben daraus bestehen, dass man sich hauptsächlich auf Subecha befindet. Man kann allerdings durch Viveka, die Unterscheidungskraft, diese Phase abkürzen, wenn man erkennt, dass letztlich alle Wege zur Wahrheit finden, dass es nicht so wichtig ist, welchen Weg man geht, sondern was ist wichtig? Dass man einen Weg mit Freude geht.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 17 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

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