Das überwinden von Trägheit

asana4Die erste Schwierigkeit bei Vicharana ist sicherlich tatsächlich, sein Tamas zu überwinden und wirklich regelmäßig zu praktizieren. Das scheint für neunzig Prozent der Aspiranten sogar neunzig Prozent derjenigen, der hier die Yogalehrer-Ausbildung absolviert hat, die wichtigste Aufgabe zu sein. Jeden Tag zu meditieren, jeden Tag Asanas und Pranayama zu machen, sich an die Ernährungsregeln usw. zu halten; da muss es erst einmal anfangen. Aber wenn wir so weit sind, dass wir wirklich täglich üben, dann müssen wir aufpassen, dass wir es uns nicht zu gemütlich einrichten. Dann, anstatt jeden Abend „Lindenstraße“ zu gucken, setzen wir uns halt hin und meditieren. Anstatt Tennis zu spielen, machen wir halt Asanas und Pranayama. Anstatt in ein Kaffeekränzchen zu gehen, gehen wir einmal die Woche in ein Yogazentrum, bleiben nach der Meditation zum gemütlichen Zusammensein bei Suppe und Salat oder so etwas und unterhalten und dort. Wir haben inzwischen sattwige Freunde gefunden, die auch auf dem spirituellen Weg sind. Die Menschen, die nur Materialismus geben, die sich bedroht fühlen von dem, was wir so an spirituellem Interesse haben, mit denen haben wir längst nichts mehr zu tun oder nur noch ganz selten. Und andere, mit denen wir vorher zusammen waren, die haben Verständnis mindestens dafür, wir kommen also mit ihnen zurecht, wir haben unsere sattwigen Restaurants, in die wir hineingehen, wir kaufen uns die Kleidung nur noch ökologisch und in hellen sattwigen Farben, wir essen unser sattwiges Essen, wir wissen, was uns gut tut, was unsere Verdauung braucht und haben dort eine Regelmäßigkeit hineingebracht und wir haben auch gelernt, uns selbst  zu lieben und zu akzeptieren, denn wir haben festgestellt, die Revolution in unserem Geist wird auch nicht funktionieren. Wir sind halt ab und zu mal ärgerlich und diese anderen kleinen Sünden, die gönnen wir uns auch. Und wir wissen, dass wir im Grunde genommen so, wie wir sind, Gott auch lieb sind. So haben wir eine allgemeine Akzeptanz und einen ruhigen, harmonischen glücklichen Lebensweg. Ist doch gut oder? All das ist tatsächlich gut. Und es ist durchaus erst einmal eine Aufgabe, sich in diese Richtung zu bewegen. Was ist nicht gut daran? Irgendwann wird man träge und bleibt dort. Und das ist ja auch die große Schwierigkeit, was dann in Spiritualität zur Religion wird, es wird zum Lebensstil, aber es tut sich  auf der inneren Ebene nicht mehr so viel und dann ist es spiritueller Materialismus. Und was müssen wir da machen? Die wirkungsvollste Technik ist, zu Gott zu beten, Zu sagen: Gott, ich habe es mir zu gemütlich gemacht, bitte hilf mir, dass ich wieder wirklich spirituelle Fortschritte mache! Und dann müsst ihr euch nur bewusst sein, irgendetwas wird Gott machen. Die Aufgabe des spirituellen Lehrers ist auch, einem das Leben unbequem zu machen, wisst ihr das? Es ist eine der Hauptaufgaben des spirituellen Lehrers, einem das Leben unbequem zu machen. Über Bequemlichkeit kommen wir nicht zur Selbstverwirklichung. Der Swami Vishnu hatte diese Aufgabe immer in vorzüglicher Weise erfüllt und er erfüllt sie uns auch heute noch, wo er nicht mehr im physischen Körper ist. Wenn das Leben bequem wäre, dann wäre es zwar ganz nett, aber der Fortschritt hört irgendwann auf. So können wir dankbar sein, wenn Gott öfter unser Leben wieder umwälzt. Karma übernimmt dann die Rolle, es muss nicht immer ein direkter persönlicher Lehrer sein. Aber wir können natürlich auch selbstbewusst daran arbeiten, wir müssen nicht warten, bis es von außen kommt. Wir können selbst noch mal schauen, insbesondere können wir schauen, wie kann ich jetzt bewusst an meinem Charakter neu arbeiten? Wie kann ich meine spirituellen Praktiken noch einmal so erhöhen, dass sie über das hinausgehen, was ich jetzt immer so ganz angenehm finde? Wie kann ich Tapas üben, Askese? Worauf von all dem, worin ich es mir so gemütlich gemacht habe, könnte ich mal verzichten? Also durchaus auch noch mal etwas mehr in die Extreme gehen, das hilft dann auch wieder aus dem Gewohnheitstrott herauszukommen.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 21 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

Umfangreiche Informationen zur Yogalehrer Ausbildung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.