Grundprinzipien

sukadev15Dann der nächste Aspekt: Auch im Karma, wenn wir anderen helfen wollen, auch dies auf sattwige Weise zu tun. Wie soll das auf wahrhaftige Weise gehen?

Man findet so viele Menschheitsbeglücker, die so viele Probleme schaffen. Auch wenn wir nach Moksha streben, soll das auch auf sattwige Weise geschehen. Auch das können wir rajasig und tamasig machen. Wie können wir es zum Beispiel tamasig machen? Oder wie können wir es rajassig machen, fragen wir mal so? Mein Yoga ist besser als dein Yoga, das ist rajasig. Mein Yoga ist der einzige Yoga. Meine Religion ist die einzige Religion; das ist die rajasigste Geschichte. Natürlich, es gibt auch eine subtilere rajasige. Mit dem Weg, den ich gehe, könnt ihr viel schneller gehen als mit allen anderen. Die anderen kommen auch zum Ziel, aber da braucht ihr Tausend Wege. Wenn ihr dagegen den Weg geht, den ich wähle, dann schafft ihr alles in einem Weg. Aber das ist wirklich der einzige, wo es in einem Weg geht. Das ist auch rajasig.

Gut und die meisten haben irgendwie ein kleines rajasiges Element dabei, denn die Menschen sind rajasig und wenn man ihnen dann eben sagt, der Weg, den wir gehen, der ist der allerbeste, das bestätigt sie darin, ihren Weg auch zu gehen. Deshalb hat Krishna letztlich irgendwo gesagt, nur wer mich verehrt, der kommt zu Gott. Jesus hat gesagt: Keiner kommt zum Vater als durch mich.

Dann gibt es natürlich auch rajasige Spiritualität. Das ist der Grund, weshalb momentan die Spiritualität ein bisschen in Verruf geraten ist, solange sie nicht recht christlich ist. Die schwarze Magie oder die alles verquer machen, andere umbringen, kollektiven Selbstmord begehen, um die Erlösung zu erreichen, versuchen, ganz Japan auszulöschen, um mit ein paar Tausend Leuten das neue Zeitalter zu schaffen. Sie wollten die Millionenstädte entvölkern, dass nur noch die Guten überleben und dann das goldene Zeitalter anbricht. Also auch das ist rajasig und tamasig. So ist es auch wichtig, wenn wir irgendwo zu einem Meister hingehen zu checken, ist der tamasig oder ist der rajasig oder ist der sattwig. Müssen wir aufpassen. Wir dürfen nicht nur von der Ausstrahlung ausgehen. Es gibt Menschen, die haben eine Riesenausstrahlung und sind total tamasig. Ein Extrembeispiel hatten wir in unserer Geschichte gehabt: Hitler, der für viele Menschen etwas Messianisches hatte, also der Retter, der Messias. Es gab Menschen, die haben sich sein Bild auf den Altar gestellt und regelmäßig Kerzen davor angezündet.

Wenn ihr einen Meister habt, müsst ihr letztlich schauen; es gibt ein paar Indizien, die zeigen, ob das ein authentischer Meister ist, Indizien, weil es keinen absoluten Lackmustest gibt. Ein Indiz ist: Kommt da eine Tradition? Gibt es Schriften, wo man das nachlesen kann, was er sagt. Wenn jemand. sagt, gestern ist mir Krishna in der Nacht erschienen und der hat mir folgendes gesagt…. Gut, es kann sein, dass Krishna einem erscheint, aber wenn der sagt, alles, was bisher gesagt wurde, ist alles falsch, das moderne Zeitalter ist das folgende, das richtig. Es gibt eigentlich nichts Neues unter der Erde. Die Grundprinzipien gibt es seit Jahrtausenden. Also wenn er sich auf eine Tradition beruft, hat man einen höheren Grad an Sicherheit. Das zweite ist: Wie steht er zu anderen Meistern? Jemand, der alle und jederzeit immer kritisiert, da muss man aufpassen, es kann ein Element von rajas drin haben. Dritte Sache: Wie hält er es mit der Ethik? Ist er jemand, der stark irgendwelche unehelichen Prinzipien irgendwie rechtfertigt? Wie ist es mit Ahimsa, wie ist es mit Satya (Wahrhaftigkeit), wie ist es mit einer sexuellen Ethik, die beachtet wird. Wobei man das auch nicht überbewerten darf, das gibt es auch, die Meister sind noch nicht vollkommen und da gibt es auch manchmal irgendwelche Geschichten. Aber es ist die Frage, in wie weit bestehen sie für ihre Schüler auf etwas und selbst machen sie für alles eine Ausnahme. Da muss man aufpassen. Wie ist der Lebensstil? Jemand, der in großem Pomp lebt – muss man vorsichtig sein.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 8 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

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Wahrhaftigkeit und ethische Prinzipien

sukadev,,,,,Ich sollte einmal irgendwann die Firma übernehmen von meinem Vater, zusammen mit meinen Brüdern, und als ich dann so eine Wegstrecke gegangen bin, habe ich überlegt, wie man das machen kann. Da habe ich meinen Vater geradeheraus gefragt, kann man das unter Beachtung aller Wahrhaftigkeit und aller ethischen Prinzipien machen? Da hat er erst gesagt: Nein. Ein bisschen Flunkern gehört dazu. Und in der Verhandlungsstrategie muss man immer die Karten verdeckt halten usw. Und nach einer gewissen Zeit hat er gesagt, jetzt fallen ihm so zwei, drei Leute ein, die den Ruf haben, dass sie niemals die Unwahrheit sagen und das sei allgemein bekannt und denen könnten die Kunden und die Lieferanten blind vertrauen. Sie würden niemals einen Liefertermin zusagen, von dem sie von Anfang an wissen, dass sie ihn nicht einhalten können. Ganz anders als im normalen Geschäftsleben. Sie würden niemals etwas behaupten, was nicht stimmt. Und weil sie so sind, deshalb sind sie immer gefragt. Das seien nicht solche, die wahnsinnig schnelle Sprünge machen würden, aber beständig, wie man auch sagt: Ehrlich währt am längsten. Da seien die Leute auch bereit, etwas mehr zu bezahlen, denn sie wissen, sie werden nicht betrogen.

Gut, wir können also auch diesbezüglich einiges machen, aber das ist eben auch wichtig für einen spirituellen Aspiranten.

– Fortsetzung folgt –

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Leben ohne Verhaftung

5Es gibt den Weg der Entsagung und den Weg der sattwigen Bedürfnisbefriedigung. Der Weg der Entsagung würde sagen: Wer nach Moksha strebt, versucht die anderen weitestgehend zu entlasten. Also, auf der sinnlichen Ebene – gut, auf Essen können wir nicht verzichten, also sagen wir in jedem Fall, wir essen…, zum Beispiel der Wandermönch, man isst nur das, was einem gegeben wird. Man äußert keinen Wunsch diesbezüglich, was man gerne isst. Und natürlich, auf Sexualität kann man verzichten, daran stirbt man nicht. Also wird auch darauf verzichtet. Und auf Geld kann man auch verzichten, man lebt bescheiden als Entsagter. Das wäre ein extremer Standpunkt für unsere europäische Verhältnisse, den wir hier nicht lehren, den müsstet ihr woanders lernen. Aber es gibt ihn. Und er hat auch was für sich. Ein andermal kann ich euch da vielleicht auch ein bisschen mehr erzählen, ich war ja auch mal eine Weile ein Swami einige Jahre, und ein Swami ist ein Mönch, der das Gelübde von Armut und Enthaltsamkeit usw. abgelegt hat. Gut, dann gibt es den zweiten Weg und der ist für die Mehrheit geeignet und das ist der Weg der  sattwigen Bedürfnisbefriedigung, ohne verhaftet zu sein, das heißt, wir schauen, welche Bedürfnisse habe ich, wie befriedige ich die auf sattwige Weise, banaler weise beim Essen. Ich darf schon essen, es darf schmecken und man kann es sich auswählen, aber sattwig. Also kein Fleisch, Fisch, Eier, sondern stattdessen Weizen, Gerste, Hafer usw. Dass es auch schmeckt, habt ihr hoffentlich hier auch schon gemerkt. Seid ihr mit dem Essen zufrieden? Zuhörerinnen: Ja.

Gut, genauso auch andere Wünsche, können wir auch befriedigen auf sattwige Weise. Auch unter Beachtung der Ethik natürlich, genauso achtsam wird man dafür sorgen, dass wir unsere Brötchen verdienen auf sattwige Weise unter Beachtung der Ethik. Ein bisschen raja ist im Berufsleben immer dabei, das gehört dazu. Und wo Feuer ist, ist auch Rauch. Ganze Ideale findet ihr kaum außer hier. Aber so ideal ist es auch nicht immer, aber es ist schon ideal, ein Beruf, wo man anderen hilft, wo man anderen dient, wo man in der Schwingung ist, wo man meditiert, wo man nicht übermäßig reich wird, eigentlich gar nicht reich wird, aber doch das hat, was man zum Leben braucht und wo man eben einfach ist, wo man sich aneinander reiben kann, wo man mal viel zu tun hat, mal wenig zu tun hat, und vor allen Dingen kann man gut spirituell wachsen. Aber auch bei anderen Berufen ist das so.

– Fortsetzung folgt –

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Gibt es eine höhere Wirklichkeit

z25Was kann ich tun? Gibt es eine höhere Wirklichkeit? Was ist Leben? Dann fängt der spirituelle Weg an. Jeder Mensch hat zu diesen Zeitpunkt einmal das gefragt, also auch ein Mensch, dem es normalerweise nur darum geht, eine einfache Arbeit zu machen mit ein paar netten Kollegen zusammen sein. Zu Hause ein bisschen Fernsehen gucken, ein bisschen unterhalten, ein bisschen mit den Kindern spielen und vielleicht ein kleines Hobby noch zu haben. Je nachdem, die einen wollen Fußball gucken, die anderen wollen lieber Raumschiff Enterprise gucken, die anderen die Lindenstraße, ein bisschen Lottospielen und hoffen, dass sie den Jackpot knacken. Und dann sind wir relativ zufrieden. Das Interessante ist, eine Umfrage hat gezeigt, dass Menschen, die durch Lotteriegewinn Millionär geworden sind, dass die nicht glücklicher sind als vorher, sondern dass die Mehrheit sagt, dass sie unglücklicher ist als vorher und dass es eine relativ hohe Selbstmordquote gibt. Sie werden in ganz andere Lebensumstände hineingeworfen, was sie gar nicht wollen.

Gut, hat man dann den Wunsch zu helfen und zu geben, aber nicht übermäßig. Und natürlich auch Pflichterfüllung gegenüber Familie, den Dienst an der direkten Familie, da sind Menschen zur Aufopferung bereit, in der Nachbarschaft auch, Nachbarschaftshilfe. Der Karma Aspekt ist immer auch da. Und wenn jemand in der Familie stirbt, dann? – kommt die Frage: Was soll das Ganze? Dann kommt auch der Wunsch nach Moksha, nach Befreiung. Hält aber nicht übermäßig an bei Menschen, bei denen Karma der Hauptwunsch ist. Immer wenn sie nach Artha strebe, die wollen auch ab und zu  in ein gutes Restaurant gehen usw., sie wollen auch ihre Sinnesbefriedigung haben. Und irgendwann fragen sich auch die Menschen wozu das Ganze? Und jemand, der nach Dharma strebt, essen muss der auch irgendwann? Irgendwie, etwas Geld braucht der auch für die Absicherung und immer wieder fragt man sich: Was soll das Ganze? Und selbst derjenige, der nach Moksha strebt, auch er hat bestimmte Wünsche.

– Fortsetzung folgt –

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Wie können wir unsere Pflicht erfüllen

sukadev13 Wie schon erzählt nach Artha kommt Dharma. Und wenn wir irgendwann erkannt haben, dass wir Geld nicht essen können, sondern dienlich ist zum leben und helfen. Kennt ihr diese große Rede von dem amerikanischen Häuptling, der gesagt hat: Wenn alles Wasser verschmutzt ist, wenn die Hälfte der Büffel erschossen ist, der letzte Baum gefällt ist, dann werdet ihr wissen, dass man Geld nicht essen kann.. Und letztlich geht es nur um das Essen.

Irgendwann erkennt man, dass das alles nicht glücklich macht und dann kommt Dharma. Wir überlegen, wie können wir anderen helfen, wie können wir der Gesellschaft zurückgeben, wie können wir unsere Pflicht erfüllen und wie können wir unsere Talente zum Wohl anderer einsetzen? Es gibt Menschen, für die ist das das Wichtigste, die sind dann durchaus bereit, auch auf vieles zu verzichten, auf Sinnesbefriedigung zu verzichten, auf Macht zu verzichten, auf Geld zu verzichten. Es gibt einen großen amerikanischen Schriftsteller, da habe ich jetzt den Namen vergessen, aber er gehört eigentlich zu den größeren, der hatte seinen Englisch-Professor gefragt, ob er das Talent hätte zum Schriftsteller. Und der hat ihn gefragt: Bist du bereit auf vieles zu verzichten und ist deine Disziplin stark, wenn du das machen kannst und hast, dann bist du bereit, nur von Wasser und trocken Brot zu leben? Sagt der: Ja. Bist du bereit, in einem ungeheizten Zimmer zu leben? Ja. Bist du bereit, dass kein Mensch mit dir spricht? Ja, wenn ich nur schreiben kann. Sagte der: Talent hast du und wenn du zu diesem Opfer bereit bist, wirst du der erfolgreichste Schriftsteller werden deiner Zeit. Und tatsächlich, zehn Jahre hat er so gelebt, bis dann der Ruhm kam.

Gut, nach Dharma schließlich folgt Moksha. Irgendwann erkennen wir, wenn wir wirklich versuchen nicht nur nach unsere eigenen Bedürfnisse und Talente auszuleben, sondern auch wirklich für andere etwas Gutes tun, was erkennen wir dann? Wenn wir wirklich anderen dienen wollen, was der höhere Aspekt von Dharma ist?  Was stellen wir fest? Dass es so viele Menschen in der Welt gibt und dass wir eigentlich recht ohnmächtig sind und dass das Leid einfach zum Menschen dazugehört. Und dann? Stellt man sich Fragen. Und welche Fragen? Was soll das Ganze?

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 4 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

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Die Bedürfnisbefriedigung

2aDer Hinduismus kennt wie ihr schon wisst vor allem vier Lebensziele: Dharma, Artha, Kama und Moksha. Das rechtschaffene Leben (Dharma) gilt dabei als Lebensgrundlage. Die Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburten (Moksha) wird als höchstes Ziel angesehen.

Ich will hier eingehen auf Artha (Wunsch nach Reichtum, Wohlstand, finanzieller Absicherung oder auch Ruhm und Macht) eingehen. Solche Wünsche zu haben, gehört zu den vier Purusharthas – den natürlichen Bestrebungen des Menschen. Eigentlich die Bestrebungen, die es wert sind, verfolgt zu werden. Angenommen, auf der Artha-Ebene ist ein starker Ehrgeiz da. Es spricht nichts dagegen, diesem nachzugeben. Wenn man nämlich diesem Ehrgeiz im Beruflichen keinen Ausdruck gibt, manifestiert er sich oft im Spirituellen. Dann will man vor anderen prahlen, wieviel Pranayama man macht, wie großartig man die Bhagavad Gita auswendig gelernt hat und wieviel Tage man gefastet hat. Wenn man also ein gewisses Bedürfnis nach Anerkennung hat, sollte das am besten im Beruflichen befriedigt werden und nicht in den spirituellen Praktiken. Jetzt gilt es auch, diese Bedürfnisse auf sattwige Weise zu befriedigen. Im Beruf heißt das auf ethische Weise. Tamasige Befriedigung von beruflichem Ehrgeiz würde heißen, über Leichen zu gehen und nach mir die Sintflut, Hauptsache ich komme hoch. Rajasig beinhaltet eine gewisse Rücksichtslosigkeit, bei der es nur um einen selbst geht. Es ist aber nicht zerstörerisch wie das Tamasige. Tamasig ist auch noch etwas anderes: Man bemüht sich auf alle möglichen Weisen, aber man ist gänzlich ungeschickt. Yoga heißt Geschick im Handeln, und so gilt es auch, im Beruflichen geschickt vorzugehen. Wenn man beruflichen Ehrgeiz hat, ist ein gewisses Rajas natürlich immer dabei. Und wenn man viel Rajas hat, ist es durchaus am besten, dies im Beruf auszuleben. Es wäre wünschenswert, wenn spirituelle Aspiranten mehr beruflichen Ehrgeiz hätten, wenn mehr spirituelle Menschen Vorstandsvorsitzende von internationalen Konzernen, Ministerpräsidenten, Bundeskanzler, Präsidenten, etc. wären. Allerdings braucht es dazu viel Ehrgeiz und man muss einiges an Schlägen aushalten können. Um Politiker zu sein, ist vermutlich ein dickes Fell eine der wichtigsten Eigenschaften – die Bereitschaft, getreten, geschlagen, geprügelt, ungerecht angeklagt zu werden, trotzdem freundlich zu lächeln, Kritik ernst zu nehmen, aber weder aggressiv zu reagieren noch deprimiert zu werden. Manche halten das nur aus, weil sie auf diese Weise ihre Machtbedürfnisse befriedigen. Sie nehmen viel dafür in Kauf. Und das ist oft das Problem bei spirituellen Aspiranten

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 3 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

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Hauptbestrebungen des Menschen

1agdDer Mensch hat noch einen dritten Wunsch natürlich: Fortpflanzung, Sexualität.

Und als viertes wollen wir natürlich Sicherheit haben, also gibt es Polizei, also gibt es Gesetze, also gibt es Schlösser, also gibt es Versicherungen, also gibt es Lebensversicherungen. Wisst ihr, warum es Lebensversicherung heißt? Damit die Versicherungen davon leben können. Gut, natürlich mag es auch noch andere Gründe haben, aber im Grunde genommen, wir versichern nicht unser Leben.

Gut und manchen Menschen, denen ist dieser Teil  tatsächlich der wichtigste: Sinnesbefriedigung. Natürlich gibt es noch ausgefeiltere Formen von Sinnesbefriedigungen wie Fernsehen gucken und Bierchen trinken, rauchen usw. Nun, es gibt manche Menschen, für die ist das der Hauptinhalt des Lebens. Manchmal hilft es, wenn man so sitzt und erkennt, was ist so die Hauptbestrebung der Menschen. Ist es ein einfaches, zufriedenes, gemütliches Leben mit einfachen Sinnesbefriedigungen zu führen oder geht es ihm darum, Macht, Ansehen, Reichtum anzuhäufen. Die Psychologie der Menschen wird anders sein. Und dann, was ist der nächste Schritt? Artha. Man kann sagen, Artha ist schon eine Weiterentwicklung. Man kann sagen, wenn wir überlegen, auf unsere Sinnesbefriedigung können wir gar nicht mehr verzichten um in der Zukunft länger Bedürfnisbefriedigung zu haben. Und so häufen sich tatsächlich Sachen an. In Amerika hatte man einen Versuch gemacht mit Kindergartenkindern. Man hatte denen eine Mashmallow gegeben. Wisst ihr, was Maschmallows sind? Diese klebrige, zuckrige Substanz, die anscheinend Kindern schmeckt. Und sie haben gesagt: Einen Mashmallow könnt ihr jetzt essen oder ihr habt eine Mashmallow  vor eurer Nase und wenn ihr die nicht anrührt, kriegt ihr in zwei Stunden zwei davon. Gut, die Mehrheit der Kinder macht was? Gut, sie essen sofort. Aber Teile essen erst zwei Stunden später. Man hat die Daten der Kinder aufrecht erhalten und hat fünfundzwanzig Jahre später das Durchschnittsgehalt verglichen und diejenigen, die auf die eine verzichtet haben, um nachher zwei Mashmallows zu haben, haben mehr als das Doppelte im Durchschnitt verdient als die anderen. Das ist eigentlich interessant, das zeigt, wie weit letztlich ein Charakter schon bei der Geburt gegeben ist.

– Fortsetzung folgt –

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Die Bhumikas – sieben Stufen zur Vollkommenheit

zitat20Jnana Yoga und Vedanta

Die Bhumikas, Teil 1

Wisst ihr, was Turiya ist? Nein? Die höchste Stufe der Bhumikas. .Wir wollen heute die höchste Stufe der Bhumikas erreichen. Wir beginnen ganz am Anfang, nämlich mit den vier Purusharthas. Was ist das: Purusharthas?

Das sind die Hauptbestrebungen des Menschen, die vier Wünsche.

Erstens kann der Mensch streben nach Kama, ohne r. Kama ist? Sinnesbefriedigung.

Dann folgt Artha. Artha heißt? Wunsch nach Wohlstand, Reichtum, Macht, Ansehen, finanzielle Sicherheit usw.

Als drittes? – Dharma. Pflichterfüllung, etwas zurückgeben und letztlich auch seine Talente ausleben.

Und Moksha? – Die Befreiung.

Gut, man kann das sowohl sehen als vier verschiedene Stadien  der Menschheitsentwicklung, als auch die vier Aspekte, die jeder Mensch hat. Also in jedem Menschen sind immer alle vier Purusharthas enthalten, aber in unterschiedlicher Stärke. Und es gibt Menschen, bei denen überwiegt Kama, das heißt evolutionsmäßig, eine wesentliche Theorie ist ja, dass das Leben sich entfaltet, erst Mineral, dann Pflanze, dann Tier, dann Mensch. Und im Mineral ist noch nicht viel, aber in der Pflanze entwickelt sich langsam der Wunsch nach Kama, im Tier entwickelt er sich stärker, hier überhaupt kann man sehen, es geht darum, die verschiedenen Sinne zu befriedigen auf instinktive Weise und daher durchaus auch auf natürliche Weise. Der Mensch, wenn er sich nach der These der Reinkarnation, der Wiederverkörperung zum erstenmal inkarniert in einen Menschen ist natürlich auch erst einmal der Wunsch nach Sinnesbefriedigung am stärksten. Nur hat der Mensch dann zusätzlich noch den Intellekt, den er benutzen kann, um die Sinne etwas ausgefallener zu befriedigen. Also anstatt Äpfel und Birnen zu essen, macht er Apfelkompott und Birnensalat, anstatt sie mit der Hand zu essen, nimmt er drei verschiedene Gabeln und vier verschiedene Messer und Kerze auf den Tisch, Tischdecke, Becher und das dient letztlich nur der Befriedigung des Essens, der Wunsch nach Nahrung. Man kann sagen, das Tier hat vier Hauptwünsche: Essen, schlafen, fortpflanzen und Selbsterhaltung. Jeder Mensch hat diese vier Wünsche auch. Essen, wir machen das sehr kompliziert, wir haben den ganzen Globus umgewandelt in eine Speiseproduktion. Und wenn man mit dem Flugzeug über Europa fliegt, dann schaut euch das einmal an. Gut, hier haben wir einigermaßen noch Wälder, allerdings auch keine natürlichen Wälder, das ist zur Holzproduktion, also all das was ihr hier seht, ist eigentlich nur zur Holzproduktion da. Keine natürlichen Wälder, denn da gibt es keine Fichten, auch keine Tannen, sondern hier würden andere Baume wachsen. In ganz Deutschland, außer im Bayrischen Wald und ich glaube noch irgendwo in einem Wald in Ostdeutschland, gibt es keine Urwälder. Die Wälder werden aller fünfzig Jahre spätestens abgeholzt. Und das brauchen wir dann nicht nur zum Essen, sondern das brauchen wir zum Schlafen, und um zu schlafen braucht der Mensch also ein Zuhause und der Mensch braucht ein kompliziertes Zuhause. Das Tier buddelt sich seine Höhle oder ein Nest oder macht es aus ein paar Zweigen, der Mensch braucht sechsundzwanzig Zimmer mit drei Badezimmern mit vier Toiletten mit einem großen Speisesaal, Speicher, Keller, unterkellert, überkellert überdacht usw. Wahnsinnig kompliziert für ein ganz einfaches, tierisches Grundbedürfnis. Und dafür ruiniert er die ganze Umwelt und bildet sich natürlich auch noch ein, dass er recht glücklich sein wird und zivilisiert sei.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 1 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

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Die Welt sehen als Erleuchtete

amma7Manchmal kann man Gedankenexperimente machen, wirklich die Welt durch die Augen des anderen sehen und mal zu schauen, wie sieht die Welt durch ihn aus, wie sieht die Welt durch sie aus, wie sieht die Welt gemeinsam aus? „Angenommen, ich wäre jetzt Ishvara. Wie würde ich die Welt als Ganzes sehen? Angenommen, ich wäre jetzt das Bewusstsein der Erde. Wie würde ich mich jetzt als Ganzes fühlen?“ Und so können wir unser Bewusstsein spielerisch einfühlen und immer wieder wissen: „Aham Brahmasmi.“ Und dann können wir Bhaktas sein. Bhakti ist jemand, der Hingabe hat zu Gott. Und wenn wir Hingabe zu Gott haben, dann können wir Dasya und Sakya üben. Theoretisch gibt es die fünf so genannten Bhavas. Die meisten von euch haben die auch schon gehört. Da gibt es Dasya Bhav, das ist die Einstellung: „Ich bin Diener Gottes.“ Sakhya Bhava: „Ich bin Freund Gottes.“ Dann gibt es Madhurya Bhava, das heißt: „Ich bin Geliebter, Geliebte Gottes.“ Dann gibt es Vatsalya Bhava: „Ich bin entweder Kind Gottes oder Vater, Mutter Gottes.“ Und dann gibt es noch Shanta Bhava, das friedvolle Gefühl von göttlicher Gegenwart überall. Die intensivste Gottesbeziehung ist Madhurya Bhava, Geliebter Gottes. Man will Gott spüren. Man will Gott fühlen. Man will das Gefühl haben, Gott umarmt einen. Es ist eine fast physisch erfahrbare göttliche Nähe. Und wenn Gott nicht spürbar, fühlbar ist, dann ist man unglücklich, traurig. So wie jemand frisch Verliebtes nicht abwarten kann, den Geliebten zu sehen. „Ach, er hat noch keine SMS geschickt, was ist los? Er hat mich heute nicht angeguckt, was ist los? Wann sehe ich ihn oder sie wieder?“ So ähnlich, diese Intensität des Verlangens können wir zu Gott haben. Das wäre Madhurya Bhava. Nicht so häufig, mindestens auf Dauer. Kurze Phasen haben das gar nicht mal so wenige Menschen, wenn man wirklich mal die Gegenwart Gottes spürt und diese unglaubliche Liebe und diese Berührtheit. Und dann will man das vertiefen. Vatsalya Bhava ist im Christentum die vorwiegende Einstellung, insbesondere Gott als Vater. „Vater unser im Himmel. Geheiligt sei Dein Name.“ Vater. Oder Jesus hat Gott genannt, Abba, Vater. Es war also zu Gott als Vater. In Indien finden wir auch Gott als Mutter. In Indien wird sogar häufiger Gott als Mutter angesehen als als Vater. Gott wird eher wenn schon als Meister, wenn es männlich ist, wenn es weiblich ist, dann ist es aber Mutter. Und eine der drei großen Stränge des Hinduismus, der Shaktismus, auch Tantrismus genannt, verehrt eben Gott als Mutter. Oder die Naturvölker viel, verehren Gott als Mutter. Gut, und dann können wir aber auch Gott als unser Kind verehren, was vielleicht etwas schwieriger nachzuvollziehen ist, denn ein Kind ist ja schutzbedürftig, man muss sich um ein Kind kümmern, Kind schreit, Kind braucht Nahrung usw. Aber es ist in vielen Kulturen verbreitet, z.B. viele Menschen lieben die Bilder von Jesus an der Brust von Maria. In Indien gibt es all die wunderschönen Krishna-Bilder, wo Krishna als Baby da ist und krabbelnd durch die Gegend ist. Oder den kleinen Ganesha, Baby-Ganesha, lieben Menschen. Also, Gott als Kind. Und Shanta Bhava ist die abstrakte Gottesverehrung, eigentlich die Gottesverehrung des Jnana Yogis. Er weiß, hinter allem ist das Göttliche. Und jetzt keine enge persönliche Beziehung, Gott ist weder Vater, noch Mutter, noch Freund, noch Meister, noch Kind, noch Geliebter, aber Gott ist irgendwo dahinter.

Dies ist der 73. letzte Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Uneigennütziges Dienen

swami vishnu4Maha Vrata, uneigennütziges Dienen, heißt nicht, dass man nur von morgens bis abends in der Mühle steckt und dann irgendwann sich aufbraucht, sondern es heißt, geschickt mit sich umzugehen. Den Alltag können wir dann natürlich auch Jnana Yoga mäßig haben, aber die Jnana Yoga Einstellung den ganzen Tag von morgens bis abends, ist vermutlich für einen Menschen in Berufs- und Familienleben nicht für die Mehrheit geeignet. Es ist vielleicht, man kann sagen, ganz vom tief Inneren ist es die wichtigste Sache, denn letztlich, Brahma Satyam, es gibt ja nur Brahman. Jagan Mithya. Die Welt ist nur Brahman. Und Jivo Brahmaiva Na Parah. Das Individuum ist nichts anderes als Brahman. Wir können auch davon lernen, wir können mit Jnana Yoga durch den Alltag gehen und irgendwo schauen, die Verrücktheiten der Welt, die Verrücktheiten des eigenen Geistes, darüber lächeln, öfters mal sich verbinden mit anderen, öfters mal Brahman erfahren. Das ist schon Übergang zum Bhakti Yoga. Auch zu erkennen, dass auch im Jnana Yoga, letztlich die Welt ist ein Traum und wir können uns auf diese Traumwelt auch irgendwo einlassen, wir können heiter das Schauspiel mitgestalten. Ein Jnana Yogi ist typischerweise heiter und gelassen, tut auch, was zu tun ist, und selbst wenn er mal sein Temperament auslebt, im Hintergrund lächelt er und weiß: „Aham Brahmasmi.“ So ähnlich wie Eltern mit einem Kind zusammen spielen. Ich hatte einen sehr beschäftigten Vater, der hat sich aber trotzdem Zeit genommen, mit uns Mensch ärgere dich nicht zu spielen. Und ich hatte manchmal das Gefühl, er hat geschummelt. Der hat uns häufiger gewinnen lassen als angemessen war. Als er mit uns Schach gespielt hat, da vielleicht etwas weniger, oder Fußball. Aber er hat sich gefreut, wenn wir gewonnen haben, das war ganz offensichtlich. Und wenn er selbst gewonnen hat, da hat er sich auch irgendwie gefreut, aber nicht ganz so. Gut, wir waren drei Jungs. Schwieriger wurde es, wenn es dann Mannschaftssport war, also ich mit meinem Vater gegen meinen älteren und jüngeren Bruder. Aber so ähnlich, wenn wir wissen, dass Ganze ist ein Schauspiel, dann können wir auch diese Gelassenheit haben, wir nehmen es nicht ganz so ernst. Da macht es Spaß, das Spiel mitzumachen, denn hinter allem ist ja Ananda, aber wir müssen nicht gewinnen, auch wenn wir irgendwo uns engagieren, und es spielt keine allzu große Rolle, was dabei herauskommt, wir spielen nur das Spiel mit. So ähnlich wie, manche von euch haben vielleicht auch schon in einem Theaterspiel mitgewirkt und das ist jetzt aber Improvisationstheater, was wir hier haben. Kennt ihr das, Improvisationstheater? Es geht irgendwie weiter, man weiß noch nicht, wie es weiter geht und es ergibt sich aus dem Moment. Es könnte natürlich auch sein, dass Gott das ganze Theaterstück schon im Voraus geplant hat, aber er lässt uns den Teil, den wir zu spielen haben, nicht im Voraus proben, sondern wir kriegen so schrittweise Informationen. Das sind alles so Analogien, die man im Jnana Yoga haben kann. Letztlich sind wir das eine unsterbliche Selbst. Und noch mehr, in einem normalen Theaterstück sind ja viele Schauspieler. In diesem Theaterstück gibt es nur einen einzigen Schauspieler, Brahman, und der so viele Figuren annimmt. So ähnlich wie ein Puppenspieler, der irgendwie… Ich weiß nicht, wie viele Puppen kann ein Puppenspieler gleichzeitig bedienen? Zwei in jedem Fall. Mit zwei Händen vermutlich nicht mehr als das, die anderen sind irgendwo im Hintergrund. Und die kann er höchstens mal zwischendurch bewegen, wenn die beiden anderen sich nicht mehr bewegen. Jetzt nehmen wir mal an, dieser Puppenspieler hätte jetzt Puppen und die Puppen würden  jetzt ein Einzelbewusstsein kriegen und die könnten sogar eine gewisse Selbständigkeit erlangen. Dann hätten wir so ein bisschen das, worauf sich es beziehen kann. Man könnte sich das sogar heutzutage technisch vorstellen. Man kann ja heutzutage mit Elektroden Hirnarealpotenziale abnehmen. Und dann kann man damit z.B. – haben wir über Locked-in-Patienten hier gesprochen? Nein. Ich verwechsle jetzt schon. Ich unterrichte jetzt schon seit Monaten ständig, dann passen manche Themen auf die verschiedensten Seminare. Locked-in-Patienten sind solche, die meist durch einen Unfall oder durch eine Krankheit körperlich gelähmt sind, aber die Psyche voll da ist. Manchmal wird es auch als Wachkoma bezeichnet. Und die können noch nicht mal den Mund bewegen, noch nicht mal die Hände bewegen, aber zum Teil können sie noch ein Auge bewegen. Und inzwischen gibt es so einige, z.B. Stephen Hawkin gehört auch dazu, der ja nur noch kommunizieren kann, ich glaube, nur noch über Wimpern oder so. Ich glaube, er kann den Finger nicht mehr bewegen. Ich bin mir hier nicht ganz sicher. Er konnte es früher mal. Mindestens war er irgendwann in einem Übergang, wo das nicht mehr geht. Aber es gibt Lockes-in-Patienten, die können auch keine Finger bewegen, die können höchstens beide Augen bewegen. Und inzwischen versucht man, Menschen zu trainieren, wenn sie so schrittweise die Fähigkeiten verlieren, dass das dann über Hirnstromaktivierung geht. Dann können die also irgendwo denken und auf diese Weise den Curser an einem Computer bedienen und so können sie weiter kommunizieren, selbst wenn sie keinen Teil des Körpers mehr bewegen können. Das funktioniert selbst dann noch, wenn eben die Atmung künstlich ist, also wenn sie künstlich beatmet werden. Jetzt könnte man sich das weiter ausbauen. Und jetzt angenommen, wir könnten auf diese Weise künstliche Körper bewegen. Nehmen wir an, wir wären im Wachkoma irgendwo und könnten jetzt einen ganzen Körper bewegen, mit dem wir durch die Gegend gehen könnten und durch dessen Augen und Ohren wir sehen könnten und hören könnten, durch den wir fühlen könnten, alles denkbar und vermutlich in zwanzig, dreißig Jahren auch möglich. Und dann kann man ganz entspannt irgendwo im Wachkoma sein und trotzdem die ganze Welt leben. Ihr könnt sicher sein, man wird sich dann identifizieren mit dem künstlichen Körper. Und dann könnte man sogar mehrere Körper schaffen. Und jetzt könnte man sogar den Körpern eine Eigendynamik geben, denn die müssen sich ja auch bewegen können, man muss ja nicht jede Bewegung dort kontrollieren. Und wer weiß, vielleicht würden die sogar Teile von Brahman widerspiegeln, das wäre auch denkbar, kriegen sogar einen Teil individuelles Bewusstsein. Dann sind sie zum einen gesteuert durch den, der im Wachkoma liegt, und zum anderen haben sie ein gewisses Eigenbewusstsein und so könnte man dann eine ganze Armee von Menschen dort steuern. So, und jetzt habt ihr eine kleine Ahnung, wer wir alle sind. Wir sind wie diese künstlichen Körper von Ishvara, mit einem Eigenbewusstsein und die dann spielen, Evolution und spirituelle Entwicklung. Aber letztlich ist das Ganze dann doch Traum und nicht ganz so wirklich, wie das andere auch. Ok, diese Einstellung können wir vedantamäßig in den Alltag hineinbringen. So können wir spielerisch das tun, was zu tun ist, uns immer wieder amüsieren, was dort alles ist, immer wieder uns amüsieren, wie ernst andere dieses Spiel nehmen, selbst amüsieren, wie wir selbst öfters in diese Fallen hineintappen.

Dies ist der 72. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen: