Identifikation und Leiden

licht3Mit der Identifikation verbindet man einiges und über die Identifikation kommt dann Leiden. Noch interessanter ist es z.B. mit Auto. Gut, ich habe kein Auto, deshalb kann ich auch nicht so ganz verstehen, die Identifikation, die Menschen mit dem Auto haben, aber ich habe mal so eine Hörsendung gehört über Auto und was Auto für Menschen bedeutet. Vorher hatte ich gedacht, nur Männer sind so verrückt und identifizieren sich mit dem Auto. Ich habe dort gehört, bei Frauen ist es fast noch schlimmer. Der typische Mensch verbringt mehr Zeit im Auto als mit dem Partner, entwickelt eine gewisse Verhaftung daran. Das sieht man auch daran – mein berühmtes Beispiel – Menschen fragen dann: „Wo stehst du?“ Ich kann mich mal erinnern, irgendwie war ich in einem Zentrum und dann hat der Zentrumsleiter gefragt: „Wo stehst du?“  Ich sagte: „Ich stehe nicht, ich sitze.“ Ich habe das gar nicht verstanden. Wo ich geparkt hätte. Das war natürlich voller Freundlichkeit gedacht, nicht, dass ich irgendwo geparkt habe, wo es verboten ist und das Auto wegtransportiert wird. Aber: „Wo stehst du?“ Das ist eine ganz interessante Frage. Und für viele Menschen ist klar, wenn sie gefragt werden, „wo stehst du“, heißt: „Dort hinten. Ich stehe dort hinten.“ Und der andere fragt: „Wo stehst du?“ „Dort hinten.“ Identifikation. Und natürlich ist es nicht nur so eine abstrakte, lustige Identifikation, sondern für viele Menschen ist tatsächlich die Identifikation mit dem Auto stark. Wehe, sie kommen nachher dorthin, wo sie eigentlich stehen und da sind sie nicht. Irgendjemand  hat ein größeres Bedürfnis nach Auto gehabt oder die Polizei war der Meinung, ihre Pflicht erfüllen zu müssen und das Auto wo ganz anders hin transportieren zu müssen oder man selbst hat ein bisschen Gedächtnisverwirrung gehabt und man steht eigentlich ganz woanders. Das könnt ihr öfters analysieren und es kann auch helfen. Atma-Anatma-Viveka, schon mit dem äußeren Besitz. Man kann eben feststellen bei allen äußeren Sachen: „Ich bin es nicht und das Leiden kommt deshalb, weil ich mich mit meinem Besitz identifiziere und dann meinem Besitz das zuschreibe, was eigentlich die Eigenschaft meines Selbst ist. Die Eigenschaft meines Selbst ist Sat.“ Sat heißt unendliches Sein und damit Ewigkeit. Eigentliches Selbst ist Chid und Bewusstsein. Und Menschen kommunizieren manchmal mit ihren Sachen, als ob sie Bewusstsein hätten. Und schließlich Ananda, nämlich Freude. Sie denken, dass ihre Freude am Objekt hängt. Und diese Atma-Anatma-Viveka kann einem immer wieder helfen. Man kann auch schmunzeln. Humor ist eine der einfachsten vedantischen Methoden, oft die wirkungsvollste. Man kann z.B. dann feststellen, man identifiziert sich z.B. mit seiner Kleidung, mit seinem schönen Hemd und dann bleibt man irgendwo an einem Nagel oder einer Türklinke hängen und merkt, tut weh. Oder noch schlimmer, jemand anderes bleibt an dem Hängen und es zerreißt. Oder noch interessanter, jemand anderes wäscht die Wäsche und das Lieblingskleidungsstück ist nachher nur noch für den sechsjährigen Enkel geeignet oder ein anderes Kind in der spirituellen Lebensgemeinschaft. So können wir lernen: „Ich bin nicht die Dinge.“ Identifikation und wegen Identifikation  folgt eben der Besitz und aus dem Besitz folgt Dukha, Leiden.

Dies ist der 9. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Mantra, die Anrufung Gottes

krishna29Man kann sagen, ein Mantra ist hier die Anrufung Gottes und kann auch Anrufung Gottes in seinem persönlichen Aspekt sein. Man kann sagen, Bija ist Anrufung des Göttlichen in seinem höchsten unpersönlichen Aspekt. Ishta Devata heißt, wir rufen Gott an in seinem persönlichen Aspekt. Zweiter Teil von Ishta Devata ist auch, wir rufen Gott an als höhere Fähigkeiten in uns. Und schließlich Kilaka, wörtlich Pfropfen, Unreinheit, wir können es aber auch positiv ausdrücken, Reinigung. Wenn wir ein Mantra wiederholen, oder überhaupt auf dem spirituellen Weg, ist vieles auch Reinigung. Letztlich ist alles Reinigung, denn eigentlich sind wir schon das unsterbliche Selbst. So ähnlich wie, die Sonne scheint immer. Angenommen, wir hätten jetzt große Macht und wenn Wolken da sind, wir wollen jetzt die Sonne sehen, was müssen wir machen? Wolken wegpusten, dann ist die Sonne da. Wir müssen keine neue Sonne schaffen. Wir müssen nicht überlegen: „Oh, es ist keine Sonne da. Wie kriege ich jetzt die Sonne wieder her? Was kann ich tun, um eine neue Sonne zu schaffen? Oh, meine arme Sonne ist gänzlich verschwunden.“ Oder wenn es Nacht wird. Man könnte auch warten. Oder angenommen, es wird Nacht, man will nicht Nacht haben, man will die Sonne sehen, dann müsst ihr euch schnell ins Flugzeug setzen und auf die andere Seite vom Planeten fliegen. Ok, der Vergleich hakt etwas. Aber man könnte auch sagen, z.B. angenommen, man will die Sonne sehen und die Fenster sind mit drei Vorhängen verhüllt und die Scheibe ist nicht geputzt. Dann muss man einen Vorhang nach dem anderen aufmachen, man muss die Scheibe putzen oder die Fenster aufmachen und dann sehen wir die Sonne. So ähnlich, wir sind jetzt und in diesem Moment das unsterbliche Selbst. Wir sind jetzt und in diesem Moment Satchidananda. Wir sind auch Satchidananda, wenn gerade wir irgendwas Furchtbares erfahren haben und gänzlich genervt sind oder wenn jemand niedergeschlagen ist. Auch dann sind wir Satchidananda. Es gilt nur, wenn wir wollen und Satchidananda erfahren wollen, unsere wahre Natur als unendliches Sein, Wissen, Glückseligkeit, dann müssen wir die Schleier der Unwissenheit wegpusten. Und das können wir mittels Mantra. Jetzt geht es nicht ganz so leicht, wie wenn dort einfach Vorhänge zugezogen sind. Man kann sagen, die Schichten auf den Fensterscheiben sind sehr dicht und da sind viele Fensterscheiben, die das Licht dort behindern und viele Unreinheiten. Und wir können auch sagen, angenommen, es kommt irgendwo etwas in den Geist wie irgendeine Traurigkeit, dann sagt man erst: „Oh, toll, da ist irgendeine Unreinheit zur Oberfläche gekommen, nennt sich Traurigkeit, jetzt wiederhole ich ein Mantra, um durch diese Traurigkeit hindurchzugehen.“ Als nächstes kommt eine Aggression, dann sagt man: „Ah, toll, da ist die nächste Unreinheit, nämlich Aggression. Ich wieder hole jetzt das Mantra, dann ist das auch weg. Was kommt als nächstes?“ Einen Moment wird es irgendwie schön, dann kommt die nächste Wolke. Dann kommt die Wolke von irgendwelchen Gedanken, was man unbedingt noch erledigen muss. „Ah, toll, mein Plangeist ist auch wieder da, großartig! Ich wiederhole das Mantra, dann weitergehen usw.“ Und so können wir mit dem Mantra immer wieder ein Kilaka nach dem anderen beseitigen und dann spüren: „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“

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Unterscheidung zwischen dem Selbst und Nicht-Selbst

swami vivekananda1Ich will eine dieser Vivekas beispielhaft gerade nochmals erläutern, auch eine, die viele von euch schon häufig gehört haben, insbesondere wenn ihr schon viele Seminare bei mir mitgemacht habt. Und letztlich im Yoga, wenn man eine Weile studiert hat, also nicht auf der Uni, sondern eine Weile praktiziert hat, eine Weile Bücher gelesen hat, eine Weile alle Aus- und Weiterbildungen und Seminare besucht hat, dann gibt es vielleicht nicht unbedingt Neues, aber man muss es immer wieder sich vergegenwärtigen und dann wird es doch immer wieder neu. Und oft wird man feststellen, wenn man nach einer Weile dort wieder die gleiche spirituelle Fragestellung stellt, sagt sie einem wieder mehr. Und ich will insbesondere auf die Atma-Anatma-Viveka eingehen, nämlich die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, und anhand der so genannten Subjekt-Objekt-Unterscheidung. Das dürfte jetzt einigen von euch schon einiges sagen. Selbst ist das, was wahrnimmt und das Nicht-Selbst, das Objekt, ist das, was wahrgenommen wird. Klassisches Beispiel: Bin ich dieses Glas? Zunächst mal vom Offensichtlichen her. Zum Schluss wird man doch dazu kommen, dass man es doch ist, aber vom Offensichtlichen her, bin ich es nicht. Warum bin ich nicht das Glas? Ich kann das Glas sehen. Es gibt ein Ich, das nimmt das Glas wahr. Ich kann es sehen, ich kann es hören, ich kann es riechen, ich kann den Inhalt schmecken, ich kann es fühlen, mindestens den Inhalt. Bin ich das Glas und das Wasser? Nein, ich bin weder das Glas noch das Wasser. So banal das ist. Ich beginne mal mit einem anderen, mein Lieblingsbeispiel dabei. Bin ich diese Uhr? Antwort: Nein, ich bin nicht die Uhr. Warum bin ich nicht die Uhr? Ich kann die Uhr sehen, ich kann sie hören, ich kann sie hoffentlich nicht zu stark riechen, ich kann sie ablecken und vielleicht etwas schmecken, ich kann sie fühlen. Bin ich die Uhr? Nein. Jetzt kann man aber anhand der Uhr sehen, es gibt die Identifikation und aus der Identifikation kommt dann Dukha, nämlich Leiden. Das ist nämlich nicht irgendeine Uhr, sondern das ist meine Uhr. Es ist nicht Lila Kantas Uhr, es ist nicht Amritas Uhr, sondern es ist meine Uhr. Warum ist es meine Uhr? In dem Fall, ich habe sie mir sogar gekauft. Angenommen, ich hätte sie geschenkt bekommen. Wäre es meine Uhr? Es wäre meine Uhr auch. Angenommen, ich hätte sie irgendwo… Hier im Ashram gibt es ja Leute, die vergessen Sachen. Diese Sachen werden irgendwo gesammelt. Wenn sie eine längere Zeit gesammelt wurden, werden die dann den Sevakas, also den Ashrambewohnern zur Verfügung gestellt. Angenommen, ich hätte das jetzt gefunden in dieser Box. Wäre es meine Uhr? Ich spreche jetzt nicht vom BGB her, vom Bürgerlichen Gesetzbuch her, sondern vom subjektiven Empfinden her würde man auch sagen, meine Uhr. Und dann ist es meine Uhr und wenn es meine Uhr ist, dann werde ich sofort etwas in diese Uhr hineininterpretieren. Erstens, Dauerhaftigkeit und zweitens, es sollte mir Freude bereiten. Jetzt gibt es ein Problem, das subjektive Ich bleibt relativ konstant. Also z.B. „Ich“ gab es schon bevor es diese Uhr gab. Aber jetzt gibt es ein Problem. Was passiert mit der Uhr im Laufe der Zeit? Sie geht kaputt oder verschwindet plötzlich. Da fährt man friedliebend Auto und es fällt die Uhr runter, wenn man die Türe aufmacht, und merkt das erst bei der nächsten Raststätte. Oder man tritt drauf oder man legt sie in der Yogastunde hin und ein Teilnehmer tritt drauf. Oder in dem Fall, das Armband löst sich auf. Und das ist irgendwo eine spezielle Uhr und der Uhrenladen sagt, es gibt dieses Armband nicht nochmal, es gibt kein Armband, das er dranmachen kann. Jetzt habe ich eine Lösung gefunden und habe eine Büroklammer drum herum gewunden. Das ist sehr effektiv, hält schon seit Januar. Nachdem der Uhrenladen zwei Monate lang versucht hat, das Armband ausfindig zu machen. Gut, wenn ich jetzt mich identifiziere, „meine Uhr“ und dann geht es kaputt, was passiert mit mir? Dukha, Leiden. „Meine schöne Uhr.“ Und sie geht doch irgendwo kaputt, also die Klänge sind irgendwo kaputt. Seitdem der Uhrmacher die bei sich hatte, funktioniert der Alarm nicht mehr und der Timer nicht mehr. Der hat die anscheinend aufgemacht im Versuch, dort mehrere Armbänder dranzumachen und hat dabei die Klänge ruiniert. Jetzt könnte ich furchtbar mit dem Uhrmacher schimpfen oder ich könnte in der Stille leiden oder sagen, ich habe ja ein Handy, das hat schon alle Funktionen, die diese Uhr hat, die Klänge braucht. Also, ihr versteht, Identifikation.

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Das Mantra hat eine Shakti, eine Kraft

swami sivananda30Es wird gesagt, ein Mantra verbindet die Guru Shakti, die Kraft des Lehrers, mit der Sadhana Shakti, der spirituellen Kraft des Aspiranten, der selbst praktiziert hat, mit letztlich der Mantra Shakti, der Kraft des Klanges, mit der Ishta Shakti, der Kraft Gottes. Wenn wir ein Mantra wiederholen, können wir uns auch besonders auf die Shakti konzentrieren, die dabei entsteht. Man kann natürlich auch die Mantra Wiederholung noch verbinden mit weiteren Techniken aus dem Kundalini Yoga. Shakti ist ja ein Aspekt, der gerade im Kundalini Yoga eine besondere Rolle spielt. Man kann sich auf ein Chakra konzentrieren. Man kann sich auf die Kundalini konzentrieren. Man kann bestimmte Atmung verbinden. Man kann den Atem verlangsamen. Man kann den Atem mit Atemanhalten verbinden. Man kann Mulabandha machen und viele andere Sachen kann man mit der Mantrawiederholung verbinden. Oder man kann einfach das Mantra wiederholen und spüren, welchen Einfluss es auf die Shakti hat, die Kraft hat. Ein Mantra hat immer ein Bija, eine Essenz. Und die höchste Bija aller Mantras, die wir für die Meditation verwenden, ist Gott, Gottverwirklichung. Und so können wir sagen, ein Mantra ist auch ein Ausdruck der Sehnsucht, das Höchste zu erfahren. Wir wiederholen das Mantra und sind uns bewusst: „Möge ich das Höchste erreichen. Om Namah Shivaya.“ Und richten uns an das höchste Bewusstsein. „Om Namah Shivaya. Ich gehe in die Tiefe meiner Seele. Om Namah Shivaya. Ich will Brahman erfahren.“ Und gerade wenn man besonders auf Bija achtet, kann man auch das Mantra ein paar Mal wiederholen und dann in die Stille gehen und schauen: „Erfahre ich jetzt das Höchste?“ Auf eine gewisse Weise können wir Mantrawiederholung wie einen Dialog machen. Wir rufen Gott. Das können wir auch bei Ishta Devata machen, aber wir rufen Gott und dann hören wir, spüren wir, erfahren wir ihn. Immer wieder und mit steigender Sehnsucht. Ein Mantra richtet sich auch an Ishta Devata und damit an Gott. Ishta Devata, man kann sagen, für jedes Mantra steht auch eine bestimmte Ishta Devata in Verbindung und im Gayatri Mantra ist Gott als Licht angerufen. Wenn man „Om Namah Shivaya“, das Mantra hat, wird Gott angerufen als Shiva, als Kraft der Transformation, aber auch als Liebe, als Fähigkeit des Loslassens und auch als Gott, der einen in die Meditation hineinführt. Und „Om Namo Narayanaya“ hat die Kraft des Friedens usw.

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Spirituelle Praxis, Teil 2: Wege zur Erkenntnis

swami sivananda51 „Ehrerbietung dem Unendlichen, dem Ewigen. Ehrerbietung diesem Göttlichen, welches uns entgegentritt in Tausenden von Namen, Tausenden von Gestalten, auf Tausenden von Weisen. Ehrerbietung diesem Göttlichen, welches in Wahrheit meine Seele ist. Ehrerbietung diesem Göttlichen, welche die Essenz des Universums ist.“

Im Jnana Yoga gibt es die drei großen Sätze des Shankara, welche das ganze Vedanta zusammenfassen und die einige von euch schon sehr häufig gehört haben. Und es ist immer wieder gut, sich darauf zu besinnen. Diese drei Sätze heißen: „Brahma satyam. Jagan Mithya. Jivo brahmaiva na’parah.“ Brahma satyam heißt, Brahman allein ist wirklich. Jagan mithya, die Welt, wie wir sie wahrnehmen ist Täuschung. Jivo brahmaiva na’parah. Das Individuum, Jiva, ist nichts anderes, na’parah, na – nichts, aparah – anderes, als Brahman, Brahma allein, aiva. Man kann sagen, darin steckt alles. Brahma satyam – Brahman allein ist wirklich. Jagan mithya – die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist unwirklich. Und das Selbst ist in Wahrheit Brahman. Daraus gibt es dann die so genannten Vivekas. Es gibt die Satya-Asatya-Viveka, die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Es gibt die Nitya-Anitya-Viveka, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Es gibt die AnandaSukha-Viveka, die Unterscheidung zwischen Freude und Vergnügen. Und es gibt die Unterscheidung zwischen Atma-Anatma-Viveka. Und je nach Geschmack kann man… Also Atma-Anatma-Viveka, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Es gibt jetzt natürlich verschiedene Yogawege. Heute Morgen habt ihr etwas gehört über Mantra-Rezitation. Und Mantra-Rezitation ist eine Mischung letztlich aus Bhakti Yoga, Hingabe zu Gott, und Kundalini Yoga, Energien erzeugen über Kraft des Klanges. Und jetzt bei der Meditation eben war es auch eine Mischung aus Mantra Yoga und Kundalini Yoga. Aus dem Kundalini Yoga sowohl Atem wie auch Mantra. Und das Ganze verbunden mit Hingabe zu Gott ist Bhakti Yoga. Und es gibt aber den anderen Yogaweg, das ist der Jnana Yoga Weg. Und der Jnana Yoga Weg, da geht es darum, zu erkennen: „Wer bin ich? Was ist wirklich? Was ist unwirklich? Was ist ewig? Was ist vergänglich? Und was ist wahre Freude und was ist Vergnügen?“ Im Jnana Yoga wird also gesagt, es gibt eine allumfassende Wirklichkeit, nämlich Brahman. Es gibt nur diese eine höchste unendliche Wirklichkeit. Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist Mithya. Und dann gibt es unterschiedliche Interpretationen. Es gibt diejenigen, die sagen, die Welt insgesamt ist eine Illusion, und die anderen sagen, nur wie wir sie wahrnehmen, als von uns getrennt und in Zeit und Raum ein sich entfaltendes Universum und als scheinbar materielles Universum, so ist sie unwirklich. Aber man kann auch sagen, die ganze Welt ist eine Manifestation von Brahman. Also hier dieses Jagan Mithya, da gibt es unterschiedliche – wie können wir sagen – Sichtweisen. Und das Individuum, also jeder einzelne, jeder von sich kann sagen: „Ich selbst bin nichts anderes als Brahman.“

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Aspekte eines Mantras

ganesha8Wenn man ein Mantra wiederholt, kann man sich bewusstmachen, das ist der Rishi-Aspekt, dass hinter dem Mantra die großen Meister stecken. Jedes Mantra wurde einem großen Meister enthüllt in der Meditation, im Überbewusstsein. Dieser Meister hat dann das Manta seinem Schüler weitergegeben. Der Schüler hat dadurch auch das höhere Bewusstsein erlangt. Der Schüler hat dann wieder andere Schüler initiiert und so sind diese Mantras uns weitergegeben worden. Und wir können auch z.B. sagen, wenn man ein Mantra wiederholt und ihr euch besonders in der Tradition von Swami Sivananda fühlt, könnt ihr euch auch ganz bewusstmachen: „Ja, Swami Sivananda hat die Wiederholung eines Mantras sehr stark geschätzt. Wenn ich das Mantra wiederhole, dann fühle ich mich besonders verbunden mit Swami Sivananda. Oder ihr könnt auch sagen: „Ja, Swami Sivanandas Mission als großer Lehrer, der so viele gelehrt hat, hat begonnen mit dieser Vision von Krishna und dort hat Krishna ihm besonders als Aufgabe gegeben, den göttlichen Namen und damit die Mantras weiterzugeben. Wenn ich also das Mantra wiederhole, bin ich im besonderen Maße in dieser Energie von Swami Sivananda dabei.“ Wenn ihr einen anderen Meister habt in der Yogatradition, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie auch ein Mantra besonders geschätzt haben, denn das tun die meisten klassischen Yogameister. Und auch natürlich nicht nur die direkten Meister jetzt, sondern da steckt die ganze Kraft der Meister dahinter. So kann man, wenn man ein Mantra wiederholt, sich besonders verbunden fühlen mit dem Meister, den Meistern. Man kann das umso mehr, wenn man eine Einweihung in ein Mantra bekommen hat, in einer bestimmten Tradition, man kann es aber auch machen, ohne eine Einweihung zu haben, sich mit dem Meister verbunden zu fühlen. Zweiter Aspekt ist Matra. Matra heißt einfach, der Klang des Mantras. Wenn man ein Mantra wiederholt, kann man sich auch einfach auf den Klang des Mantras konzentrieren. Man kann sagen, unser Prana schwingt in verschiedenen Schwingungsebenen. Wir können eine sehr grobstoffliche Pranaschwingung haben, wir können eine unruhige Pranaschwingung haben, wir können eine spirituelle Pranaschwingung haben. Und wiederum die Pranaschwingung hat einen Einfluss auf unseren Körper. Wiederum die Pranaschwingung hat einen Einfluss auf unsere Emotionen und unser Denken. Letztlich, gerade vom Kundalini Yoga Standpunkt aus ist alles Schwingung. Und indem wir ein Mantra wiederholen bringen wir unseren Geist, unser Denken in eine harmonische Schwingung, eine spirituelle Schwingung. Das hat Einfluss auf unser Prana, das hat Einfluss auf unseren Körper und das bringt uns die Erfahrung Gottes.

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Befreiungsmantras

krishna17Es gibt tatsächlich zu jedem der großen Mantras, jedem Moksha Mantra, einen Rishi und der ist auch bekannt und die stehen auch in den Mantra Shastras drin. Es gibt das Buch „Japa Yoga“ und wer Devanagari lesen kann, da steht dann für die meisten der Moksha Mantras auch drin, wer der Rishi ist.

Teilnehmer: „Vor wie vielen Jahren war das?“

Die Rishis haben in vedischer Zeit gelebt. Nach klassischer indischer Chronologie zwischen 6000 v.Chr. und 3000 v.Chr.

„Ist es ok, das Mantra auch dem aktuellen Zustand anzupassen, die Art und Weise der Mantra-Rezitation, sehr laut, sehr heftig vielleicht auch mal das Mantra zu wiederholen?“

Ja, Swami Sivananda hat das sehr empfohlen, dass man auch variiert, wie man das Mantra wiederholt. Also, zum einen kann man es – gut, bitte nicht in der Gruppe hier in der stillen Meditation – aber wenn man allein wäre, kann man auch das Mantra laut wiederholen, man kann es singen, man kann es auch flüstern, man kann es sanft geistig wiederholen, man kann es intensiver wiederholen. Was für viele hilfreich ist, ist auch, das Mantra zu beschleunigen. Einatmen: „Om Namah Shivaya, Om Namah Shivaya, Om Namah Shivaya usw.“ Man kann z.B. vierundfünfzig Mal das Mantra einatmen, und vierundfünfzig Mal das Mantra ausatmen. Man kann es sogar hundertacht Mal einatmen und hundertacht Mal ausatmen, für jemanden, der mit Pranayama viel anfangen kann. Man kann es aber auch nur vier Mal ein- und ausatmen. Man kann es stattdessen auch sehr langsam wiederholen, einatmen, „Om Namah“, ausatmen, „Shivaya“. Man kann nach jeder Mantrawiederholung einen Atemzug Pause machen. Einatmen, „Om Namah Shivaya“, ausatmen, „Om Namah Shivaya“, Pause. Man kann es ganz sanft wiederholen oder man kann es mit Intensität wiederholen. Man kann sich an Gott wenden. Wenn man eine persönliche Gottesbeziehung hat, und gerade wenn man zu Gott die Beziehung als Freund hat, kann man auch mit Gott ärgerlich sein und das Mantra intensiv wiederholen. Man kann Gott sehr dankbar sein und das Mantra wiederholen. Man kann voller Liebe es wiederholen. Man kann darum bitten, Kraft zu bekommen für den Alltag.

Grundsätzlich ja. Das wäre jetzt als Mantrasingen und Musikinstrument, natürlich, das kann helfen, den Geist zu erheben. Man kann das Mantra eben singen, mit oder ohne Musikinstrument, mit oder ohne Klatschen, Handgesten, Tanzen. Es ist ja vieles möglich gerade im Bhakti Yoga. Wir können das Mantra für die Meditation verwenden und am ganzen Tag wiederholen, immer wieder, um spirituelles Bewusstsein in den Alltag zu bringen.

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Mission von Swami Sivananda

swami s1Dann sah Swami Sivananda als erstes seine Mission, Mantrasingen zu verbreiten. Und es gab dann so eine Phase, wo er mehrere Jahre immer wieder eingeladen wurde auf Kirtankonferenzen, auf Kirtankonzerte usw. Und dann erkannte er aber auch, das reicht jetzt auch nicht aus. Und so merkte er, er will jetzt das Yoga auch weitergeben in seiner Ganzheit, in einem Ashram, und lehrte dann eben den ganzheitlichen Yoga und sagte: „Aber die Mantrawiederholung kann eine gute Grundlage sein, um gerade Menschen, denen es schwerfällt, höhere Bewusstseinsebenen zu erlangen und den Alltag zu spiritualisieren, dort etwas zu geben, damit dies eben gelingt.“ Es gibt auch verschiedene Puranas, die sagen, dass gerade im jetzigen Zeitalter, das so genannte Kali Yuga, die Wiederholung des Mantras der einfachste und der schnellste Weg zur Verwirklichung ist. Die meisten von euch sind vertraut mit dem Konzept der sechs Aspekte des Mantras und die können auch eine Rolle spielen, mit welcher Einstellung wir ein Mantra wiederholen. Und das ist ja auch das Schöne an der Mantrawiederholung, wir können das von ganz unterschiedlichen Aspekten aus machen. Und mal will man das mehr auf die eine Weise und mal auf die andere Weise. Und ich werde es gerade noch mal aufschreiben, was für viele von euch Wiederholung ist, aber für manche eben auch neu sein kann. Rishi ist der Meister und die Meisterlinie hinter dem Mantra. Dann Mantra, der Klang. Dann Shakti, die Kraft des Mantras. Dann Bija, die Essenz des Mantras. Ishta Devata, der Aspekt Gottes, der mit dem Mantra verbunden ist. Und schließlich Kilaka, wörtlich der Pfropfen, aber man kann auch sagen, der Reinigungsaspekt des Mantras.

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Mantra, Schlüssel zur inneren Öffnung

rafaela6Kilaka hat viele Bedeutungen. Es heißt auch Schlüssel, es heißt auch Unreinheit, es heißt auch Pfropfen. Und man kann sagen, Mantra ist wie ein Schlüssel, um die Tore zu öffnen, zum Höchsten zu kommen. Mantra ist wie ein Mittel, um die Pfropfen zu öffnen. Und Mantra ist eine Weise, um die Unreinheiten zu überwinden. Sanskritausdrücke sind oft sehr vielfältig und vielschichtig.

Teilnehmer: „Was ist, wenn man jetzt viele Samskaras hat aus der Vergangenheit, aus seiner frühen Kindheit, Handlungsmuster einfach. Löst man die einfach auch auf mit einem Mantra oder ist es überhaupt möglich, wenn jemand z.B. psychisch krank ist?“

Vom einfachen Standpunkt aus, ist Mantra eine gute Sache. Man merkt, dort kommt jetzt gerade diese Samskara zum Vorschein, die einem auf eine bestimmte Weise denken und fühlen lässt, man kann dann auch sagen, das ist dann wie eine Unreinheit, die da ist. Mantra ist dann wie ein Schlüssel, um dort durchzugehen. Und dann wiederholt man das Mantra und geht jenseits davon. Es gibt natürlich noch mehr dazu zu sagen. Wenn dich das von einer tieferen Warte aus interessiert, schreibe es nochmal auf einen Zettel, dann kann ich dort mehr darauf eingehen. Aber jetzt vom Standpunkt des Mantras, mit Mantra kann man sehr wohl auch da durchgehen. Wir müssen nicht unbedingt jede Samskara auflösen, um zum Höchsten zu kommen. Das ist nicht notwendig. Es kann hilfreich sein fürs Leben, andere Reiz-Reaktionsmuster aufzubauen und nicht gefangen zu sein in dem, was man vielleicht an eigenartigen Tendenzen aus der Kindheit, aus diesem Leben oder vor 326 Leben, mitbekommen hat. Aber eine Weise wäre, mit dem Mantra jenseits davon zu gehen. Und wenn es einem gelingt, mit dem Mantra jenseits von diesen Samskaras zu gehen, fällt es sogar leichter, die Samskaras zu ändern.

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Spirituelle Praxis, Teil 1: Wie meditiert man mit einem Mantra

Sukadev_laechelt_vor_MikroEine der einfachsten und machtvollsten Weisen, Leben spirituell zu führen und immer wieder sich spirituell zu verankern, ist die Wiederholung eines Mantras. Swami Sivananda hat die Wiederholung eines Mantras sehr betont und wenn Schüler ihn gefragt haben: „Was kann ich machen, wenn mir die Meditation schwerfällt?“  Dann hat er gesagt: „Wiederhole ein Mantra.“ Wenn ein Schüler gesagt hat: „Was kann ich machen, wenn ich wenig Zeit habe am Tag, um spirituell zu praktizieren.“ Dann hat er gesagt: „Wiederhole ein Mantra.“ Wenn Menschen gesagt haben, sie verlieren immer wieder den spirituellen Zugang und im Alltag kommen sie in die Emotionen und verlieren dieses subtile Bewusstsein, das sie im Sadhana haben.“ Da hat er gesagt: „Wiederhole ein Mantra.“ Wenn Menschen ihn gefragt haben: „Was ist der Unterschied zwischen den Schülern von dir, die gute Fortschritte machen und denen, die wenig gute Fortschritte machen?“ Dann hat er zwei Antworten gehabt. Die eine war: „Die, die gute Fortschritte machen, die führen ein spirituelles Tagebuch und die anderen nicht. Und die, die gute spirituelle Fortschritte machen, wiederholen ein Mantra.“ So ist also Mantrawiederholung etwas Hilfreiches, sowohl während einem intensiven Retreat als auch im Alltag. Und es kann eine gute Sache sein, wenn ihr sagt: „In dieser Woche will ich jetzt ganz besonders viel und intensiv das Mantra wiederholen.“ Wir haben ja auch Mantra-Meditation-Intensivwochen, wo die Wiederholung des Mantras noch mehr im Mittelpunkt steht, aber ihr könnt gerade heute die Mantrawiederholung als einen besonderen Teil des Tages nehmen. Swami Sivananda war auch jemand, der über das Verbreiten von Mantras einen besonderen Sinn seiner Mission gesehen hat. Man kann sogar sagen, Swami Sivananda wurde über die Verbreitung von Mantras erst dazu gebracht, wirklich intensiv Yoga weiterzugeben. Als Swami Sivananda intensiv praktiziert hatte – so von 1923 bis 1930 oder 1931 war so die Phase, wo er ganz intensiv praktiziert hatte und dann kam er, vermutlich um 1930 zu Nirvikalpa Samadhi, dort wollte er zunächst Yoga nur an wenige Schüler weitergeben oder sogar gar keine Schüler annehmen. Er hatte mehr gedacht, seine Aufgabe wäre so, das Leben eines Zurückgezogenen zu führen. Und dann erschien ihm Krishna. Und Krishna erschien ihm – wir wissen nicht genau, wie es tatsächlich war, denn was dort im Überbewusstsein, in Visionen passiert, das ist einer Beschreibung nicht zugänglich. Aber er hat es mal so poetisch ausgedrückt: „Krishna erschien mir und sagte: Sivananda, ich habe den Becher deines Lebens gefüllt mit dem göttlichen Namen, gehe und teile ihn mit allen. Ich werde dich stets erfüllt halten oder ich werde den Becher stets gefüllt halten.“

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