Verschiedene Tempramente

yoga vidya6Man kann auch eine weitere Tagesablaufvariation machen. Es gibt ja Menschen, die haben das so genannte zyklothyme Temperament. Das heißt, die haben Hochenthusiasmusphasen und sie haben die mehr gedämpften Enthusiasmusphasen. Und in den Hochenthusiasmusphasen denken sie immer: „Ah, gleich kommt die Selbstverwirklichung. Nur noch etwas mehr. Jetzt habe ich es endlich geschafft.“ Es gibt Menschen, die sind schon so lange auf dem Weg, die haben schon zum fünfzehnten Mal diese Hochenergiephase und wiederum: „Jetzt, kurz davor. Eine Stunde Pranayama, eine Dreiviertelstunde Meditation, eine Stunde Asanas jeden Tag, Schlaf reduziert. Meditation wird tiefer. Gott ist spürbar.“ Ja, Gott ist dann ja auch erfahrbar. Man fühlt diese Liebe und diese Freude und diese Verbundenheit und vielleicht die Kundalini macht sich bemerkbar, die Wirbelsäule wird heißt, man spürt eine Liebe zu den Menschen usw. Das kann mehr oder weniger so sein. Und dann folgt als nächstes die: „Es hat alles keinen Sinn. Ich tauge nichts. Die Welt ist schlecht zu mir. Das kriege ich nicht hin. Wäre ich doch nicht geboren worden. Warum lebe ich überhaupt? Ich tauge nichts.“ Wir wollen das jetzt nicht weiter ausbauen. Gut, und jetzt kann man dort sagen: „Wenn ich in dieser Hochenergiephase bin, dann habe ich einen bestimmten Tagesablauf und dann kann ich auch ein bisschen flexibler sein, denn der Enthusiasmus wird mich schon irgendwo in die richtige Richtung leiten. Und wenn ich in einer Niedrigenergiephase bin, dann praktiziere ich mindestens etwas.“ Dann kann man überlegen: „Wenn ich in einer Niedrigenergiephase bin, wie viel Meditation würde ich noch gerne machen? Welche Pranayamas würde ich irgendwo auf die Reihe kriegen, dass es nicht zu viel Überwindung ist? Wie müsste ich die Asanas machen, dass sie mir Spaß machen?“ Eventuell braucht man auch zwei Möglichkeiten. Oft in dieser Niedrigenergiephase wäre es ja eigentlich gut, viele Sonnengebete zu machen, um die Energie wieder zu aktivieren. Aber das nutzt dann manchmal nichts, denn es wäre vielleicht gut, aber sich dazu zu überwinden, ist nicht so einfach. Ich muss öfters lachen, wenn ich Bücher lese, was ein Kapha-Mensch üben sollte, vor allem mit einem Übermaß an Kapha. Da wird gesagt, viele Sonnengebete, anstrengende Asanas. Also, ich habe noch nie jemanden gesehen, der einen Übermaß an Kapha hat und jetzt zwanzig bis vierzig Sonnengebete übt, in der Phase, wo er gerade ein Übermaß an Kapha, Faulheit und Trägheit hat. Also, ich rate jemandem im Übermaß an Kapha, er soll als erstes eine schöne Kerze anzünden, zweitens eine schöne Duftlampe, drittens eine weiche Matte hinlegen und viertens vielleicht den unterstützten Schulterstand, zwei Kissen unter das Kreuzbein, Beine hoch, und sich es gutgehen lassen. Und danach kann man gucken, wie es weitergeht. Wenn man schon so weit ist und schon sich die Mühe gemacht hat, die Kerze anzuzünden, die Matte auszubreiten, eine Duftlampe anzuzünden, schon das Kapha-Temperament wird sagen: „Dafür muss sich der ganze Aufwand dann auch rentiert haben.“ Aber wenn man dem Menschen sagt, er soll jetzt mit zwanzig oder hundertacht Sonnengebeten beginnen, selbst wenn das das Beste wäre, um seine Kapha-Störung zu beheben, macht er es trotzdem nicht. Gut, in diesem Sinne, adapt, adjust, accommodate ist gut, aber eine gewisse Regelmäßigkeit. Also, wenn es geht, macht die Regelmäßigkeit. Für jemanden mit Pitta-Temperament dürfte das nicht allzu schwierig sein. Letztlich auch bei einem reinen Kapha-Temperament, ist es auch nicht schwierig, der macht die gleichen Sachen. Es sind die, die ein bisschen divergieren, sei es, von den inneren Bioenergien her oder durch äußere unregelmäßige Tagesabläufe und Jahreszeiten abhängige Tagesabläufe, die ein bisschen aufpassen müssen oder sich anpassen müssen an innere und äußere Veränderungen.

Dies ist der 70. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

So kann der spirituelle Weg gut vorangehen

asana5Es ist also nie die Frageich habe ja auch kurz vor diesem Retreat ein Seminar gegeben „Yoga bei Beschwerden“. Es ist nie die Frage: „Kann ich Yoga machen?“ Oder: „Kann jemand Yoga machen?“ Jeder kann Yoga machen. Es ist nur die Frage: Wie? Was geht? Was geht vom Tagesablauf? Was geht vom Körperlichen her? Und was geht vom Psychischen her?

Ich habe hier noch eine weitere Frage.

„Sprichst du bitte noch über die verbliebenen Bhakti, Dasya, Sakhya und Atmanivedanam?“

Ich hatte gesprochen von den neun Formen von Bhakti, Weisen, wie wir Hingabe entwickeln können. Und das sind wichtige Techniken, um wirklich diese Liebe zu Gott zu erfahren und Gottes Gegenwart zu erfahren. Vermutlich, für den Alltag, ist Bhakti Yoga für die Mehrheit der Menschen das Wichtigste. Man kann den Alltag auch nehmen, man kann ja von allen Yogawegen aus den Alltag gestalten. Wir können vom Raja Yoga aus lernen, wir freuen uns über jede Herausforderung und wir arbeiten an uns selbst, wir lernen, geschickt mit uns und mit anderen umzugehen und gehen davon aus: „Was auch immer geschieht, es ist etwas, an dem ich mich entwickeln kann.“ Und diese Grundeinstellung hat der Raja Yogi. „Es wird schwierig, toll, jetzt kann ich richtig loslegen. Es gibt Hindernisse, großartig, dadurch wachse ich. Etwas, was ich gemacht habe, ist gescheitert, großartig, ich lerne jetzt, loszulassen und eine Weile in Ruhe zu sein und mich zu entspannen usw.“ So können wir ständig Raja Yoga üben. Und wir können mit Visualisierung, mit Affirmationen, mit Svadhyaya arbeiten, wir können mit Tapas arbeiten und auch Ishvara Pranidhana ist immer wieder im Bhakti. Wir können mit Samyama uns ganz konzentriert auf eine Sache einlassen. Wir können auf diese Weise die intuitiven Fähigkeiten entwickeln, die geistigen Fähigkeiten entwickeln. Man kann lernen, sich ganz auf einen Menschen zu konzentrieren und spürt so eine Herzensverbindung, man versteht den Menschen, man sieht die Aura, man fühlt so viel. Also, alles Raja Yoga, faszinierend und etwas sehr Schönes und auch Erfüllendes. Man kann den ganzen Tag als Karma Yoga üben, im Sinne von, seine Pflicht erfüllen und schauen: „Wie kann ich Menschen am besten helfen und dienen?“ Und das ist etwas sehr Erfüllendes. Und immer wieder mit jedem Menschen schauen – letztlich, Patanjali erwähnt es auch als Maha Vrata, wirklich zu probieren, Ahimsa zu üben oder positiv ausgedrückt, Maitri Bhavana, etwas Gutes zu tun für andere Menschen. Und das immer wieder. Schauen: „Was kann ich tun für andere?“ Und im Tun für andere gehört natürlich auch, seine Säge zu schärfen oder Axt zu schärfen, aber vielleicht Säge wird oft im Deutschen gebraucht. Angenommen, man sagt, „ich habe so viel zu tun“ und dann sägt man irgendwo, um ein Möbelstück zusammenzubasteln, aber es dauert sehr lange. Dann kommt jemand vorbei und sagt: „Schärfe doch deine Säge, dann geht es schneller.“ Dann sagt man: „Habe keine Zeit.“ In diesem Sinne gehört auch das Schärfen der Säge zum uneigennützigen Dienen. Und Schärfe der Säge heißt auch, sich Zeit zu nehmen für seine spirituellen Praktiken, heißt auch, sich zu regenerieren, heißt auch, dafür zu sorgen, dass Körper und Geist sich entspannen, aufladen und die Inspiration haben, um anschließend wieder helfen zu können, heißt natürlich auch, Dinge zu lernen, die man lernen kann und sollte, um effektiver zu sein bei dem, was man tut.

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Das Göttliche ist überall

swami sivananda72Man spürt, hinter allem ist irgendwo dieses Göttliche und da kann man staunen und es in Ehrerbietung verehren und irgendwo sich davon berühren lassen. Die vermutlich vorherrschenden Beziehungen, die wir zu Gott haben können, ist letztlich Dasya Bhava und Sakhya Bhava. Wobei, wenn ihr eine andere Beziehung mehr habt, dann ist das natürlich etwas, was dann für euch das Angemessene ist. Und die Mehrheit wird auch mal fluktuieren, mal ist es so und mal ist es so. Dasya heißt Diener, Sakhya heißt Freund. Dasya Bhava heißt, wir kultivieren das Gefühl: „Ich bin Diener Gottes.“ Wir beten zu Gott: „Oh Gott, zeige mir Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie mich leiten. Bitte zeige mir, was Du von mir willst. Dein Wille, nicht mein Wille, geschehe. Was auch immer ich tue, ich tue es für Dich.“ Und dann können wir auch die Last etwas kleiner tragen. Angenommen, man ist Inhaber eines Unternehmens oder angenommen, man ist Angestellter eines Unternehmens. Wer leidet mehr, wenn es schwierig wird? Normalerweise? Ist das zweifelhaft? Jetzt nehmen wir an, beide sind nicht spirituell und nehmen wir an, es ist keine GmbH. Meistens ist der Inhaber der, der größere Sorgen um sein Unternehmen hat. Der Angestellte hat ja noch eine Sicherheit und außerdem, der Angestellte kann ja sagen: „Es war mein Chef.“ Der Chef selbst hat keine Ausrede. Der kann sich noch welche einfallen lassen: „Es war die böse Politik. Es war das böse Wetter. Es war der Konkurrent. Meine Angestellten taugen alle nichts.“ Aber tief im Inneren weiß er: „Ich war der Chef.“ In diesem Sinne, wenn wir Dasya sind, dann, wer ist der Chef? Gott. Also können wir als Diener Gottes entspannter rangehen und können sagen: „Gott, Du bist der Meister des Universums oder die Meisterin. Sage Du mir, was ich zu tun habe. Und ich bringe es Dir dar. Ich sage Dir, das und das will ich tun. Wenn Du nicht willst, dass ich das mache, dann zeige mir was anderes.“ Und wenn Gott sich nicht meldet. Angenommen, ein Angestellter sagt genau, was er tun will und sagt das dem Chef und der Chef sagt nichts und nachher geht es schief. Muss der Angestellte sich allzu große Sorgen machen? Normalerweise nicht. Ich sehe schon, meine Analogien hier funktionieren nicht  bei euch. Sie hinken auch ein bisschen, weil ich noch nie in einem normalen Unternehmen gearbeitet habe. In Bayern ist es anders? Ok. Aber mindestens im Spirituellen gilt es, wenn wir sagen: „Gott, Dein Wille geschehe. Und bitte zeige mir, was ich zu tun habe.“ Und wir machen das, was Krishna in der Bhagavad Gita empfiehlt im 66. Vers des 18. Kapitels: „Übergib alles Mir. Und dann lasse los. Und dann machst du nichts Falsches.“  So können wir Dasya Bhava machen, alles im Dienst Gottes, alles für Gott und immer wieder darum bitten: „Bitte Gott, sage mir, was Du willst. Ich diene Dir. Was auch immer ich tue, tue ich für Dich. Und zeige mir, was zu tun ist. Wenn Du mir nicht sagst, was Du willst, treffe ich die Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen, ich bringe sie Dir dar und Du hast die Möglichkeit mich davon abzuhalten. Wenn Du es nicht machst, gehe ich davon aus, es ist ok, ich soll daran lernen.“ Sakhya Bhava heißt, die Einstellung eines Freundes zu kultivieren, Freund sein Gottes. Und einem Freund, einer Freundin kann man alles erzählen. Und so kann man zu Gott erzählen. Man kann sagen: „Heute war das und das. Und das und das habe ich erfahren. Und danke, dass Du mir das und das gezeigt hast. Und ich will mich mit Dir besprechen. Bitte sage mir etwas.“ Man kann richtig mit Gott Zwiesprache halten. Er kann sogar mit einem sprechen, er kann zurücksprechen. Und vor allem, der Vorteil ist, Gott ist immer da. Ein Freund, eine Freundin ist mal beschäftigt, ist mal woanders und ist mal selbst in eigenen Prozessen, aber Gott ist immer da. Wir können also uns immer an Gott wenden, ob Gott, Göttin, und so mit ihm, ihr uns austauschen. Sakhya Bhava. Das können wir kultivieren. So können wir mal die Einstellung von Dasya kultivieren, mal die Einstellung von Sakhya. Und es kommt zum Schluss, Atmanivedana. Nivedana heißt Hingabe, Atman heißt Selbst. Sein Selbst vollständig Gott hingeben. Das kann man Jnana Yoga mäßig interpretieren, im Bewusstsein eben kultivieren: „Gott ist das Selbst aller Wesen. Letztlich ist Gott auch mein eigenes Selbst. Letztlich ist Gott in jedem Menschen, mit dem ich zu tun habe. Letztlich ist Gott überall.“ Bhakti Yoga, Atmanivedana, im dualistischen Sinn der Dwaita Vedanta Richtungen, die dennoch Bhakti Schulen sind, würde sagen: „Ich gebe mich ganz Gott hin, mit allem und rückhaltslos. Was auch immer ich tue, ich tue es für Gott. Was auch immer ich sehe, ich gehe davon aus, es ist Gott. Was auch immer ich denke und fühle, ich bringe es Gott dar. Ich bin immer nur in Gott.“ All das können wir kultivieren, jeden Tag ein bisschen. Jeden Tag etwas lesen oder hören oder erzählen über Gott oder einen der Meister, einer Meisterin. Jeden Tag Mantras singen, spirituelle Lieder singen oder hören, ob über CD, MP3 oder wie auch immer. Jeden Tag sich immer wieder die Gegenwart Gottes bewusst zu machen, sei es in den schönen Dingen, sei es über Gebet, sei es über Mantrarezitation, sei es auf andere Weise. Das zum Respekt werden lassen und sich innerlich und vielleicht sogar äußerlich zu verneigen, Vandana. Einen Altar haben, ist etwas ganz einfaches zu Praktizierendes und jeden Tag ihn anzuschauen. Und über Altar und Bilder, die man auch sonst im Alltag integriert, Gottes Gegenwart sich bewusst zu machen. Archana, Rituale zu haben. Sei es vor der Meditation, sei es beim Aufstehen, sei es beim Einschlafen, also Tageszeitrituale. Dann Wochenrituale, Jahreszeitrituale und Lebensabschnittsrituale. All das hilft, das Leben mit Bedeutung und mit Bhakti, mit Hingabe zu füllen. Alles, was wir tun, Gott widmen als Diener, Dasya Bhava, als Freund, Sakhya Bhava oder uns vollständig Gott anvertrauen und hingeben Nivedana.

So danke ich euch für die fünf Tage, euer Interesse, eure Praxis und wünsche euch, dass ihr jeden Tag spirituell praktiziert, mindestens etwas, besser etwas mehr, wenn es irgendwo geht. Normalerweise, ernsthafte spirituelle Aspiranten kriegen es normalerweise hin, eine Stunde am Tag zu praktizieren, zwanzig Minuten Meditation, vierzig Minuten Asanas, Pranayama. Wenn das nicht geht, dann halt etwas weniger. Wenn ihr zyklische Menschen seid, mal mehr, mal weniger. Praktiziert und setzt einiges um im Alltag.

Hari Om Tat Sat

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Gewohnheiten verändern

sukadev4Frage an Sukadev: „Man könnte ja auch eine schlechte Gewohnheit durch eine gute Gewohnheit ersetzen. Z.B. Kaffee, und dann sagt man, jetzt ersetze ich das durch Meditation oder Pranayama.“

Es ist eine gute Sache, wenn man schlechte Gewohnheiten abbauen will, dann reicht es nicht aus, nur zu sagen, „ich mache das nicht mehr“, sondern wir können überlegen: „Durch was kann ich die ersetzen?“ Und man könnte sogar sagen: „Immer dann, wenn der Gedanke daran kommt, dann mache ich das stattdessen.“ Also, in diesem Sinne, nicht der Alles-Oder-Nichts-Philosophie. Es gibt nochmal eine weitere Sache, wo Menschen der Alles-Oder-Nichts-Philosophie zum Opfer fallen, gerade in den letzten Tagen haben mir mehrmals ernsthafte Aspiranten gesagt, sie hätten jetzt wochenlang keine Asanas mehr geübt, der eine, weil er ein Problem in der Schulter hatte und der andere, weil er ein Problem im Handgelenk hatte. Es ist kein Grund, wenn man ein Problem im Handgelenk hat, keine Asanas zu üben. Also, für die meisten Asanas braucht man gar kein gesundes Handgelenk. Man kann auch das Sonnengebet machen, indem man die Ellenbogen auf den Boden setzt. Vermutlich geht dann der Pfau nicht, aber es gibt genügend andere Asanas, und vielleicht geht auch die Seitkrähe nicht so gut. Es wäre sicher interessant, zu probieren, die Seitkrähe aus dem Ellbogenstand heraus oder den Skorpion zur Seite, aber es muss ja auch nicht sein. Und wenn man die Arme nicht so hochheben kann im Sonnengebet und man kann sie so heben, dann macht man es eben so. Und wenn die Schulter so ist, dass vielleicht sogar durch einen Sturz das ganze Gelenk hier in Mitleidenschaft gezogen ist und der vollständige Yogaatem weh tut, dann ist das kein Grund, kein Pranayama zu üben, dann übt man eben einen nicht so vollständigen Yogaatem, dann übt man vielleicht nur Bauchatmung. Also, lasst euch nicht von kleineren oder mittelgroßen körperlichen Beeinträchtigungen von eurer Asana-Praxis abhalten. Swami Sivananda hat auch gerne gesungen: „Adapt, adjust, accommodate. Sei flexible. Passe dich an die Umstände und letztlich auch an deinen Körper und deine Psyche an.“ Und wir brauchen eine gewisse Inflexibilität und wir brauchen eine gewisse Flexibilität. Inflexibilität im Sinne von, regelmäßige Praxis, die ihr jeden Tag macht. Und idealerweise, wenn es irgendwo geht, macht man das jeden Tag. Und wer einen Tagesablauf hat, der regelmäßig ist, der kann sich glücklich schätzen, es ist heute in der Mehrheit der Berufe nicht mehr so. Den Montags bis Freitag 09:00 bis 17:00 Uhr Beruf, der vor dreißig Jahren die Norm war, und ich glaube, wo etwas siebzig bis fünfundsiebzig Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland das oder eine Variation davon hatten, ist heute die Minderheit. Ich glaube, es sind nur noch zwanzig, fünfundzwanzig Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die so regelmäßige Zeiten hat. Aber wenn man dazu gehört oder in Rente ist, dann kann man das machen, und dann ist es gut, wirklich zur gleichen Zeit aufzustehen, zur gleichen Zeit Pranayama zu üben, Asanas zu üben, zu meditieren, und das mindestens als Grundprogramm täglich zu machen. Und dann kann man es darüber hinaus ein bisschen wachsen lassen und weniger wachsen lassen. Wer jetzt zu der Mehrheit gehört, wo dieser regelmäßige Tagesablauf nicht ist, es ist mal früher und mal später, mal Frühschicht, mal Spätschicht, man wechselt sich in der Betreuung der Kinder ab. Und man hat mal ein paar Tage, wo man jeden Tag zwölf Stunden ranklotzen muss, wie das ist in vielen Pflegeberufen der Fall ist, dann hat man drei frei usw. So viele verschiedene Möglichkeiten. Da kann man trotzdem eine Regelmäßigkeit hineinbringen. Man kann sagen: „Wann immer ich zur Arbeit gehen muss oder wann immer mein Tag beginnt, ich stehe einfach zwei Stunden früher auf.“ Oder man kann zwei Arten von Tagesabläufen schaffen. Man kann sagen: „Wenn ich Frühschicht habe, praktiziere ich so. Wenn ich Spätschicht habe, praktiziere ich so.“

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Ein Yoga Aspirat sollte jeden Tag praktizieren

asana4Das ist die zentrale Praxis und das kann einem gelingen. Eigentlich gibt es keinen Grund, weshalb ein ernsthafter Aspirant nicht zwanzig Minuten meditieren kann. Das kann man sich notfalls vom Schlafen abzwacken und es wird nicht im Geringsten die Wachheit des Tages reduzieren, wenn man statt sieben Stunden und zwanzig Minuten nur sieben Stunden schläft oder statt sechs Stunden und dreißig Minuten nur sechs Stunden und zehn Minuten schläft und dafür zwanzig Minuten meditiert. Also, wenn es bis zu zwanzig Minuten ist, werden die zwanzig Minuten Meditation sicherlich stärkeren Erholungs- und Regenerationswert haben als jede Form von Zusatzschlaf, die man hat. Und normalerweise muss man es ja noch nicht mal vom Schlaf abzwacken, sondern die zusätzliche Positivität und die Energie und die Kraft, die man durch die Meditation gewinnt, schafft schon auch dann den Rest der Zeit für sich. Ich habe mal einen schönen Vortrag gehört von einem Meister und dieser Yogameister wurde dann auch gefragt: „Was, wenn ich keine Zeit habe für spirituelle Praktiken?“ Der war dann sehr kurz und hat gesagt: „Wenn du keine Zeit hast, hast du auch kein Interesse, warum stellst du die Frage, warum verschwendest du meine Zeit?“ Jeder hat Zeit zum Essen, jeder hat Zeit zum Zähneputzen, jeder hat Zeit zum Schlafen, für das, was einem wirklich wichtig ist im Leben, hat man Zeit. Man hat nicht für alles, was einem wichtig ist im Leben ausreichend Zeit. Das muss man schon sagen. Man hätte sicherlich gerne mehr Zeit für alles Mögliche. Aber etwas Zeit kriegt man für all das, was einem wichtig ist. Gut, und notfalls ist zwei Minuten Meditation besser als keine Meditation. Und fünf Minuten Meditation ist besser als zwei Minuten. Und deshalb, wenn ich jetzt sage, jeder sollte zwanzig Minuten Zeit für die Meditation finden, und ihr sagt, „ich nicht“, dann heißt das nicht, dass ihr deshalb nicht meditiert. Es gibt viele Menschen, die meditieren jeden Tag nur fünf Minuten und merken, es tut ihnen schon gut. Aber am besten, ihr übt zwanzig Minuten Meditation und ansonsten übt ihr das, was ihr üben könnt.

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Vanaprastha Zeit

asana23Frage an Sukadev: „In der Rente kann man das alles machen.“

Du bist schon relativ gut dran. Also, wir können uns alle freuen, denn in der Vanaprastha Zeit, also in der Rente, kann man so viel davon machen. Und damit man das machen kann, gilt es, vorher doch schon gesund zu leben und einiges umzusetzen, dass man dann in der Rente auch tatsächlich das machen kann und nicht zu den anderen Hohenpriestern unserer Zeit zu sehr zu gehen. Das sind die Hohenpriester in weiß oder grün. Wobei da ja auch ein Karma eine gewisse Rolle spielt, aber man kann einiges auch tun und man kann einiges tun, um das Prana aufrechtzuerhalten. Und im ganzheitlichen Yoga kann man also schauen: „Was kann ich machen?“ Und Swami Sivananda hat gerne ein Lied gesungen: „Eat a little, drink  a little, meditate al little, pranayama a little, asanas a little, relax a little, kirtan a little, japa a little.” Also, von allem ein bisschen. Wenn man von allem ein bisschen macht, dann hat man immer das Gefühl: „Ich mache nicht genug.“ Und jetzt hängt es von der Persönlichkeit ab. Für die Mehrheit heißt das, man bleibt immer inspiriert, denn man denkt: „Ich müsst nur etwas mehr machen und dann wäre es besser.“ Und dann hat man irgendwo diesen Drive und manchmal gelingt es einem ja, mehr zu machen. Jetzt gibt es aber noch zwei andere Charakteren, die müssen da so ein bisschen aufpassen. Das eine sind die Perfektionisten, die mit den starken inneren Antreibern, die sagen: „Du bist nicht gut genug. Du machst nicht genug. Du bist ein schlechter Aspirant. Du schläfst zu viel.“ Und dann macht man sich nieder und setzt sich zu sehr unter Druck. Also hier gehört dann das, was Krishna immer wieder sagt: „Mache das, was du kannst, so gut, wie du kannst, mit ganzem Herzen und dann lasse los. Bringe es Gott dar und lasse los.“ Das muss man dann machen. Und dann macht man das, was man machen kann und lässt los. Und das ist mal mehr und dann ist es auch manchmal etwas weniger. Gut, ein zweiter Charaktertyp ist der so genannte Alles-Oder-Nicht-Philosoph.  Wenn der irgendwo denkt, „ja, eigentlich müsste ich eine Stunde Asanas üben“, was macht der dann? Nichts, denn die Stunde hat man dann nicht. „Eigentlich müsste ich eine Dreiviertelstunde Pranayama üben, aber die Zeit habe ich nicht, also nichts.“ „Eigentlich müsste ich zwanzig Minuten meditieren.“ Das vielleicht noch am ehesten. Und so sollte man statt der Alles-Oder-Nichts-Philosophie der Das-Was-Möglich-Ist-Philosophie anhängen. Und wenn eine Stunde nicht möglich ist Asanas, dann macht man eben eine halbe Stunde, zwanzig Minuten, fünf Minuten. Wenn eine Dreiviertelstunde Pranayama nicht möglich ist, macht man eben fünf oder zehn Minuten. Wenn zwanzig Minuten Meditation schwer fällt, macht man trotzdem zwanzig Minuten. Also, ein ernsthafter Aspirant sollte schon jeden Tag zwanzig Minuten meditieren.

Dies ist der 67. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Spirituelles Leben

ab66Es wäre gut, sich jeden Tag das Essen frisch zuzubereiten, vielleicht sogar selbst anbauen. Gut, aber mindestens frisch zubereiten und nicht zu lange im Voraus das Gemüse einkaufen, denn mit jedem Tag, wo Sachen im Kühlschrank herumliegen, gehen irgendwo zwischen zehn und vierzig Prozent der Vitamine verloren, je nachdem, welches Vitamin und welche Nahrungsmittel. Es wäre so schön, wenn man von morgens bis abends damit beschäftigt ist, seinen Yogaunterricht zu verbessern, wenn man Yogalehrer ist, mehr über Yoga zu lesen und alle Schriften zu kennen, Bhagavad Gita zu studieren, Yoga Sutra zu studieren, Upanishaden, Brahma Sutra, Viveka Chudamani, Atma Bodha und noch so viele andere. Mir fallen jetzt gerade noch zwanzig ein, bevor ich jetzt die aufzähle und endlos ausbaue. Es wäre schön, alle wichtigen Mantras auswendig zu können, die Shanti Mantras, mindestens die vier wichtigsten, und die Guru Stotram und vielleicht sogar die Guru Parampara Stotram, die Shri Suktam, die Narayana Suktam, Purusha Suktam, die ganzen Bhajans usw. Und es wäre gut, den ganzen Tag sich zu engagieren, dass die Welt ein besserer Ort wäre, alles, was man tut, zu spiritualisieren und jeden Tag an die frische Luft und ausreichend joggen, Fahrrad fahren, spazieren gehen, ausreichend Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen und mit Menschen sich zu beraten und auszutauschen. Wie viele Stunden sind das jetzt pro Tag?

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Tipps für spirituelles Leben

swami vishnu14Spirituelle Praxis, Teil 10: Tipps für spirituelles Leben

Heute ist der Abschluss des fünftägigen spirituellen Retreats. Die meisten von euch werden heute wieder nach Hause fahren, dann beginnt schrittweise der Alltag wieder. Und ich hoffe, der Alltag für euch ist auch ein spiritueller Alltag und das, was ihr diese fünf Tage geübt, gelernt habt und nachgedacht habt, reflektiert habt, überlegt habt, euch vorgenommen habt, wird etwas sein, was euch dann die nächsten Tage, Wochen und Monate begleiten wird, und was euch helfen wird, Leben spirituell zu sehen.

Ich habe hier noch ein paar Fragen:

„Kann ein leichter Jogging/Walking mit bewusstem Atem durch die Nase die Yogaatemtechniken ersetzen?“

Nein. Es kann es ergänzen, aber nicht ersetzen. Die Pranayamas haben ja mehr, als einfach nur die Lungenkapazität zu verbessern und den Atem zu verbessern und ein bisschen positiv zu stimmen, sondern die Yoga Atemübungen sind dazu da, natürlich auch, um die Lungenkapazität zu erhöhen, natürlich auch, um die Sauerstoffaustauscheffizienz zu verbessern, natürlich auch für Gesundheit von Kreislauf- und Lungensystem, aber das ist nur ein kleiner Teil. Es ist auch mehr als „nur“ Bewusstheit, sondern die Atemübungen sind schon sehr darauf ausgerichtet, um die Nadis zu reinigen, die Energiekanäle zu reinigen, die Chakras zu aktivieren, die Energiezentren zu aktivieren, die Pranas, alle fünf Prana Vayus, zu aktivieren, um letztlich die Kundalini Shakti zu erwecken und uns zur Selbstverwirklichung zu führen. Darauf ist das Joggen jetzt nicht ausgerichtet. Laufen ist etwas sehr Natürliches, machen Hunde auch und Pferde auch, und der Mensch, seit Urzeiten ist ein Lauftier. Manche streiten sich, ob er mehr ein Lauftier oder mehr ein Gehtier ist. Jedenfalls ist es gesund, zu laufen, es ist gesund, zu gehen und das ist etwas Gutes. Das kann man sehr gut spiritualisieren, man kann es mit Mantra verbinden, man kann es mit bewusster Atmung verbinden, und so kann natürlich Laufen, gerade in der Natur, zu einer schönen spirituellen Erfahrung werden. Nichtsdestotrotz, Pranayama ist noch etwas, was darüber hinausgeht. Natürlich, manche Menschen müssen dann Entscheidungen treffen, denn so viel Zeit hat der Tag auch nicht. Und dann wird man etwas überlegen: „Was kann ich machen? Was muss ich weglassen wegen der Zeit usw.?“ Das ist ein Vor- und Nachteil des ganzheitlichen Yoga. Der ganzheitliche Yoga gibt einen so viele Sachen, die man tun kann, dass man nie in der Lage ist, alles zu machen, was man denkt, was eigentlich das Richtige wäre. Angefangen mit, es wäre ja schön, wenn man jeden Tag mindestens zwanzig Minuten meditiert und eigentlich ab einer Stunde wird die Meditation interessant. Es wäre schön, jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Pranayama zu üben und so nach einer Stunde wird das Pranayama intensiv. Es wäre schön, jeden Tag eine halbe Stunde Asanas zu üben, aber um wirklich voranzukommen, um wirkliche Fortschritte zu machen, ein, zwei Stunden Asanas am Tag braucht man schon. Es wäre ja schön, wenn man jeden Tag Mantras singt, und um richtig in den Flow reinzukommen, wäre es schön, jeden Tag eine halbe bis eine Stunde nur Mantras zu singen. Kriyas sind so gut, die Reinigungstechniken, mindestens einmal die Woche und jeden Tag andere.

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Positive Affirmationen

ae3Man kann sich etwas vornehmen für heute und sagen: „Ich freue mich darauf, das und das zu machen.“ Oder wenn man irgendwo feststellt, man ist müde, kann man auch sagen: „Ja, auf der einen Seite bin ich jetzt müde, aber ich merke, wie ganz tief in mir jetzt eine neue Kraft kommt und ich weiß, in einer Viertelstunde bin ich voller Energie. Und auf einer momentanen Ebene bin ich müde und kaputt und habe keine Lust. Aber ich merke, wie tief von innen heraus eine große Kraft kommt. Und in zwölf Minuten bin ich voller Kraft und Energie und ich freue mich darauf.“ Dann kann man sich noch visualisieren, wie man dort voller Freude herangeht. Man kann auch fragen oder eine andere Möglichkeit wäre: „Wie wäre ich, wenn ich jetzt voller Energie wäre? Wie würde ich aussehen? Wie würde stehen? Wie würde ich gehen? Wie würde ich atmen?“ Oder: „Angenommen, ich wäre heilig. Wie würde ich jetzt mit diesem Menschen umgehen, die mich gleich zerreißen werden?“ In manchen betrieblichen Kontexten kann es das geben. In manchen familiären Kontexten mit mehreren Kindern kann es das geben usw. In manchen Eigentümerversammlungen kann es das geben. Meine Mutter hat mir da vor kurzem irgendwas erzählt. In manchen Vereinen kann es so gehen. Dann kann man irgendwo sich sagen: „Wie wäre ich, wenn ich ein Heiliger wäre?“ Und dann kann man sich vorstellen: „Dann tue ich einfach so, als ob ich einer wäre und schaue mal, wieweit ich das machen kann.“ Das ist Affirmation, Visualisierung und diese können wir auch nutzen. Samyama, die letzte der Techniken. Jede der Techniken kann man jahrelang und sein ganzes Leben lang üben. Samyama wäre, konzentriert bei dem zu sein, was gerade anliegt. Eine der vielen Manifestation von Samyama, wo man seinem Geist einfach sagt: „Ich mache jetzt das.“ Und der Geist sagt: „Ja, wäre es nicht besser, das zu machen. Und außerdem könnte ich noch das machen. Und das könnte ich auch noch machen.“ Und manchmal ist es dann gut, man hat irgendwo einen Zettel und schreibt dann auf. So wie, Satyadevi hat immer zwanzig gelbe Zettel an ihrem Computer hängen. Sehr kreativ, ständig neue Ideen, werden schnell drangeheftet. Und dann, wenn man das so macht, dann sind irgendwo die tausend Ideen, irgendwo kann man ihnen nachher nachgehen und dann kann man das machen, was man sich eigentlich vorgenommen hat. Das ist auch eine Weise, wie man dann Samyama beibehalten kann. Also, schreibt es auf, was man sonst noch an tollen Ideen hat und sagt: „Später.“ Und dann geht man dort ran. Und wenn man etwas wirklich mit Konzentration und Bewusstheit macht, dann entsteht dort auch eine Energie, dann entsteht dort auch eine Kraft. Und dann entsteht dort auch irgendwo innen so ein Feuer, dass man das machen will. Und manchmal, wenn das Feuer noch nicht da sein will, dann sagt man: „Ich bin voller Kraft und Energie, mir geht es gut und ich freue mich, dass ich gleich das gut machen werde.“ Also, wir können einiges tun, um unseren Geist Kraft zu geben, unserem Geist Freude zu geben, Energie zu geben, bei einer Sache zu bleiben. Und auch das ist eine Form von Raja Yoga.

Hari Om Tat Sat

Dies ist der 64. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

Lampenfieber

asana26Gut, auf eine banalere Weise, Lampenfieber ist auch ein Problem, das manche Menschen haben, oder der innere Schweinehund ist auch ein Problem. Lampenfieber kann man auch dann anerkennen – das sind jetzt banalere Geschichten. Lampenfieber ist etwas Gutes, denn es hilft uns, sich besser vorzubereiten, Dinge erst zu nehmen, wach zu sein usw. Und so kann man sich bewusst machen, wenn man Lampenfieber hat, kann man sagen: „Ja, danke, liebes Unterbewusstsein, oder danke, liebes Lampenfieber, du willst, dass ich mich gut vorbereite, aber du weißt selbst, ich habe keine Zeit dafür.“ Dann sagt man: „Ein bisschen vorbereitet habe ich mich.“ Und dann sagt man: „Was kann ich noch machen?“ Dann sagt man: „Ja, Hingabe, du kannst jetzt kommen. Und Vertrauen, du kannst kommen.“ Und dann trifft man irgendwo so eine Entscheidung: „Soweit werde ich mich vorbereiten. Vom Lampenfieber her kriege ich ein bisschen Prana. Hingabe gibt mir ein bisschen Vertrauen. Segen wird da sein usw.“ In diesem Sinne, Ängste und Lampenfieber können auch was Gutes sein. Oder es gibt den inneren Schweinehund. Der innere Schweinehund ist eigentlich das Kapha in uns. Es will, dass wir uns nicht überfordern, will, dass wir freundlich und nett zu uns sind. Es ist nicht wirklich ein Boykottierer, sondern eigentlich, wenn man den nicht hätte, würde man sich vielleicht so sehr überfordern, dass man nachher in Probleme kommt. Menschen, die BurnoutGefahr haben, denen fehlt dieser innere Schweinehund. Wo vielleicht irgendwo so ein innerer Antreiber so viel stärker ist, bis sie dann irgendwann ganz kollabieren. Also, wenn ihr einen starken inneren Schweinehund habt, freut euch, eines kriegt ihr sicherlich nicht, Burnout. Es sind gar nicht mal so viele Menschen Burnout gefährdet. Nur dann, wenn man keinen inneren Schweinehund hat plus einen starken inneren Antreiber, diese beiden Sachen zusammen, also ein großes Pitta-Element mit einem großen Überich, das darüber ist, und dann irgendwo ein verschüttetes Kapha-Element, dann wird man überfordert sein und dann wird man irgendwann so kollabieren. Also, wenn ihr irgendwo merkt, dass ihr irgendwo Schwierigkeiten habt mit dem, was ihr euch vornehmt, weil dort irgendjemand sagt, „mhh“, dann dankt dem erst mal und sagt – ihr könnt ihn entweder Schweinehund nennen oder besser: „Liebes Parlament, schön, dass du dich meldest, schön, dass du mich vor Überforderung schützen willst, aber objektiv gesehen überfordere ich mich jetzt nicht. Außerdem, das, was ich jetzt vorhabe, ist ja gut für mich und nicht überfordernd. Aber danke, dass du mich darauf aufmerksam machst, danke, dass du da bist. Und ich bin so froh, dass es dich gibt, denn ansonsten, mit meinen anderen höheren Ansprüchen, die ich an mich habe, würde ich vermutlich zu weit gehen.“ Also, Form von Svadhyaya. Also, diese Form von Svadhyaya heißt, ein Verstehen von all den inneren gut gemeinten Mitarbeitern, könnte man sagen, oder Anteilen oder Tendenzen usw., und davon ausgehen, alles meint es irgendwie gut. Es zu verstehen heißt nicht, dem hilflos ausgeliefert sein und alles dort machen. So ähnlich, ihr könnt gut verstehen, das, was eure Kinder alles wollen, wenn ihr Kinder habt, das heißt nicht, dass ihr denen alles erlaubt. Das ist auch eine Eigenschaft, wo man denkt, Kinder sind renitent und böse, oder man sagt: „Sie sind kreativ und sie sollen ja eigenverantwortlich werden und sie sollen eigene Ideen haben. Und ich als Elternteil habe die Aufgabe, einen Teil ihrer Kreativität etwas einzuschränken und einen Teil ihrer großen Experimentierfreude aus ihrem eigenen Interesse etwas einzudämmen. Aber es ist ja toll, dass Kinder kreativ und neugierig sind und dass sie auch nicht einfach alles machen, was man ihnen sagt.“ Das fände kein Elternteil hoffentlich heutzutage gut, wenn Kinder einfach nur alles machen, was man ihnen sagt. Trotzdem muss man ihnen manchmal sagen, was sie zu machen haben und sie müssen es auch machen. Aber Kinder soll man nicht erziehen wie einen Hund, der jedem Befehl gleich folgt, aber sie brauchen trotzdem Klarheit. Und zwischen diesen beiden Polen liegt die ganze Herausforderung der Erziehung. Gut, und so ähnlich eben auch mit unserem eigenen Geist. Gut, dann haben wir aber – jetzt habe ich für Svadhyaya viel Zeit dort verwendet – Sankalpa-Vikalpa im Sinne von Affirmation und Visualisierung, im Sinne von, z.B. wenn man morgens aufsteht, das ist eine schöne Affirmation, ich empfehle sie auch gerne am Ende der Tiefenentspannung: „Ich bin voller Kraft und Energie. Mir geht es gut. Ich freue mich auf den heutigen Tag.

Dies ist der 63. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen: