Im Wachbewusstsein sind wir alle Traumgestalten

radha1Was passiert mit uns allen, wenn Kamalakshi aufwacht? Das ist eine gute Frage. Machen wir einfach im Traum weiter oder sind wir alle mit aufgelöst? Vielleicht suchen wir uns einen anderen Träumer. Das wäre auch noch eine interessante Sache. Wir sind alles Traumgestalten und wir wetzen dann von Traum zu Traum, um unsere Individualität beizubehalten. Das wäre auch nochmal was, wir können uns die Träumer aussuchen, in deren Traum wir erscheinen. Gut, auf eine ähnliche Weise sind wir im Wachbewusstsein alle Traumgestalten im Traum von Brahman. In der indischen Mythologie gibt es da auch verschiedene, z.B. Vishnu liegt und schläft. Aus dem Bauch von Vishnu kommt dabei der eine Lotus. Dieser Lotus ist Lakshmi. Und aus diesem Lotus namens Lakshmi, dort entsteht dann Brahma. Brahma macht als erstes Pranayama – interessantes Konzept, um Prana zu schaffen – und dann träumt Brahma die Welt. Und wir sind alle Traumgestalten im Traum von Brahma. Und wenn Brahma träumt, dann dauert der Traum dreihundertelf Trillionen Jahre. Und dann irgendwann hört Brahma auf zu träumen und dann ist die Welt zu Ende. Und wir sind Traumgestalten Brahmas. Wir müssen aber jetzt nicht warten, bis Brahma aufgehört hat zu träumen, sondern das ist nochmal das Interessante, wir können innerhalb des Traums von Brahma die Selbstverwirklichung erreichen. Wir können also als Individuen auch aufwachen aus dem Traum von Brahma. Und wir werden alle aufwachen aus dem Traum von Brahma, wenn Brahma aufhört zu träumen. Und wenn wir aufgewacht sind, dann erkennen wir, wir waren Teil des Traumes. Und dann gibt es noch das Konzept des Jivanmukta, das ist so wie der luzide Träumende, der weiß, dass diese Welt ein Traum ist, aber ist weiter im Traum drin. Er träumt, weiß aber: „Ich bin nicht der Traum und ich bin nicht diese Traumgestalt.“ Gut, das ist jetzt die Illusion ersten Grades, dass wir uns vorstellen, es gibt überhaupt eine Welt und dass wir Individuen sind und dass die Welt etwas Losgelöstes ist von Brahman. Diese Illusion könnte man entweder mit „Neti, Neti“ oder „Iti, Iti“ überwinden. Neti, Neti heißt, nicht dies, nicht dies. Und Iti, Iti heißt, alles ist Manifestation Brahmans. Wenn ich mich auf irgendetwas konzentriere, kann Brahman dort zu mir sprechen. Ich kann also einen Baum anschauen und Brahman spricht zu mir über den Baum. Ich kann den Himmel anschauen und Brahman spricht über den Himmel. Ich kann auch einen Computer anschauen und Brahman spricht zu mir über den Computer. Es geht aber leichter über Baum und Himmel, nichtsdestotrotz auch Computer sind Brahman. Und dann gibt es die Illusion zweiten Grades und die Illusion zweiten Grades heißt, innerhalb von dieser Traumwelt konstruieren wir unsere eigene Welt. Und jeder weiß, angenommen, es geht einem gut und es regnet, wie interpretiert man das dann? „Ach toll, Regen“ und vielleicht geht man rein und tanzt im Regen. Und angenommen, es geht einem schlecht und es regnet? „Das jetzt auch noch.“ Angenommen, es geht einem gut und es ist schönes Wetter? „Ah, so toll. Das Schicksal meint es nur gut mit mir.“ Angenommen, es geht einem schlecht und es ist gutes Wetter? „Ironie des Schicksals. Das Schicksal verhöhnt mich jetzt auch noch, macht sich noch lustig über mich.“

Dies ist der 29. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

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