Disziplin in der Yogalehrer Ausbildung

sukadev7Ich kann mich mal an eine Yogalehrerausbildung erinnern, vier Wochen Intensivkurs, die ich geleitet hatte, das war im Westerwald. Das war so ein Sommer, wie wir die letzten Tage hier hatten, nur die ganzen vier Wochen. Und da gab es dann so eine Teilnehmerin und die hat gesagt – irgendwo, eines Morgens war sie nicht zur Morgenmeditation gekommen, und man hat sie irgendwo gesehen, wie sie dann draußen entlanggegangen ist. Da habe ich gesagt: „Du musst schon im Satsang sein.“ Und dann hat sie mir so gesagt: „Ja, es ist doch so schönes Wetter.“ Sie wäre Gott viel näher, wenn sie in der Natur wäre und spazieren gehen würde als dort jetzt um 06:00 Uhr morgens mit sechzig oder achtzig anderen Leuten dort zu sitzen. Das konnte ich voll nachvollziehen, das habe ich voll verstanden. Dennoch habe ich ihr gesagt: „Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Und wenn du willst, kannst du ja in die Yogaferienwoche wechseln, das geht ja. Dann kannst du morgens spazieren gehen und abends in den Satsang kommen und dann kannst du mitmachen so viel und wenig, wie du machen willst, nur eine Yogastunde und einen Satsang am Tag musst du mitmachen, ansonsten kannst du machen, wie du es für richtig hältst. Jetzt sind wir aber in einer Yogalehrerausbildung und wenn du am Ende ein Zertifikat haben willst, musst du dich daran halten.“ Zuerst war sie mir furchtbar sauer, denn die wollte unbedingt das Zertifikat haben. Aber sie wollte machen, was sie wollte. Ich musste strikt sein. Oder ein anderes Beispiel in der Art: Irgendwann mal bin ich mal am Dienstagabend, freier Abend, Pizzaessen gegangen. Und dann war in der Pizzeria ein anderer Teilnehmer von der Yogalehrerausbildung, rauchend. Mein wunderschöner freier Abend war vorbei. Es hat mir furchtbar um ihn leidgetan, aber ich musste ihm sagen: „Das geht nicht. Du musst die Woche wiederholen.“ Oder damals war es noch üblich, man musste die ganze Ausbildung wiederholen. Der war mir erst furchtbar böse, die ganze Zeit hätte er es geschafft, nur jetzt sei es nicht gegangen. Wobei ich da schon bemerkt hatte, dass dort die an der Bar, schon ein bisschen ihn schräg angeguckt hatte. Und dann habe ich gesagt: „Nein, das spielt keine Rolle.“ „Wenn du nicht vorbeigekommen wärst, dann wäre es niemandem aufgefallen.“ Da habe ich gesagt: „Stimmt, aber es tut mir schrecklich leid, aber ich bin vorbeigekommen. Jetzt muss ich meine Pflicht tun.“ Und dann haben wir noch darüber gesprochen, wie er das das nächste Mal machen kann. Und dann haben wir irgendwo ausgemacht, wenn er das nächste Mal kommt – wir haben auch gesagt, „du brauchst das nächste Mal nichts zu bezahlen, da wiederholst du einfach die ganze Geschichte“. Nachher hat er mir noch sein Leid geklagt, seit Jahren versucht er, von den Zigaretten loszukommen und es hat noch nicht funktioniert. Und eigentlich hätte er ja die vier Wochenausbildung am Stück deshalb gebucht, um davon endlich mal loszukommen und es täte ihm jetzt auch so schrecklich leid, dass es wieder nicht gegangen ist. Und so habe ich ihm dann noch zusätzlich dann gesagt: „Gut, beim nächsten Mal soll er mir versprechen, er verlässt den Ashram nicht alleine, nur mit jemand anderes, und nur mit jemand anderes, bei dem er vorher sich vergewissert hat, dass der schon mindestens ein paar Jahre weder raucht noch trinkt. Und der kam dann auch ein halbes Jahr später, hat das dann auch gemacht, hat mich gleich fröhlich begrüßt und hat mir gesagt: „Dieses Mal schaffe ich es.“ Und er hat es tatsächlich geschafft und er hat mir nachher noch gesagt, er wäre so dankbar, dass ich so strikt gewesen wäre bei der Yogalehrerausbildung, jetzt hätte er es geschafft. Und der wurde dann später auch ein Seminarleiter und ist bis heute als Seminarleiter hier bei Yoga Vidya tätig.

Dies ist der 46. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

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