Fühle dich als das unendliche Göttliche

bhagavad gita1Gut, und der Bhakti Yogaweg ist dann Hingabe und vor Gott sich verneigen und in Demut sagen: „Oh Gott, ich verstehe nicht alles.“ Und Krishna empfiehlt Arjuna welchen von beiden Wegen? Letztlich beide. Was auch wiederum heißen kann, wir können zwischen den beiden auch wieder oszillieren. Mal können wir sagen: „Oh Gott, Dein Wille geschehe.“ Und mal können wir sagen: „Aham Brahmasmi. Satchidananda Swarupoham. Ich bin das Unendliche und das Ewige.“ Und Krishna hat eigentlich eine kleine Präferenz, die er so sagt: „Wenn möglich, dann fühle dich als das Unendliche, das Absolute und das Ewige. Aber wenn es dir nicht möglich ist, dann verehre das Unendliche und das Ewige. Und noch besser, verehre es in einer konkreten Gestalt.“ Das sagt er so im zwölften Kapitel, es ist leichter, wenn man irgendwie sich was Konkretes darunter vorstellen kann. Und konkret kann auch die Vorstellung von Licht sein, konkret könnte sogar sein, es kommt eine Segenskraft von oben, konkret könnte auch die Natur sein oder wie auch immer man das sehen will. Abstrakt wäre einfach unendlich, ewig, nicht fassbar. Also, verehre das Göttliche. Und in allen möglichen Kapiteln, gerade in den letzten sechs Kapiteln, kommt er immer wieder zum Jnana Yoga. Und nachdem er das dem Arjuna erzählt hat, sagt er: „Und wenn dir das zu schwer ist und wenn du das nicht ganz verstehst, dann verehre einfach das Göttliche.“ Zum Teil sagt er: „Dann verehre Mich, verneige dich vor Mir und Ich werde dich befreien.“ Krishna als Manifestation Gottes. So sagt es auch Shankaracharya in seinem Kommentar zur Bhagavad Gita, wo er dort eben sagt: „Es gibt das Eine, das Unendliche und das Ewige. Und das Eine, Unendliche und Ewige manifestiert sich eben auch als Krishna. Und indem man Krishna verehrt, verehrt man das Unendliche, das Ewige.“ Weil es dem Geist schwerfällt, das Unendliche und das Ewige zu verehren, verehrt man Gott in Krishna oder Sivananda oder in der Urmutter oder in der Natur oder wie auch immer. Und dann verneigt man sich davor und behält im Hinterkopf: „Das, was ich verehre, ist letztlich das Unendliche und das Ewige.“ Und können wir mal das eine machen, mal das andere. Es gibt wenige, die nur eines machen. Selbst der ganz große Adwaitin Shankaracharya, der hat auch die göttliche Mutter verehrt. Er hat das Lahiri Mahasaya geschrieben zur Verehrung der göttlichen Mutter. Er hat das Lalita Sahasranama – ich wurde gerade vor kurzem korrigiert vom Swami Govindananda – er hat das nicht komponiert, sondern er hat es in hohem Maße geschätzt und einen Kommentar dazu geschrieben. Shankaracharya hat Krishna verehrt und das Achyutastakam geschrieben. Er hat Shiva verehrt. Und er soll sogar ein Bhakta gewesen sein, der in Ekstase geraten konnte. Also nicht nur einfach irgendwie was komponieren und dann abstrakt jnanayogamäßig so Mitgefühl zu seinen Schülern, sondern der konnte auch plötzlich in Ekstase tanzen.

Dies ist der 36. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

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