Unbegrenztes Bewusstsein

3eWenn die Buddhisten von Atma sprechen, meinen sie, was wir im Vedanta nennen, Jiva. Und dann ist es wieder eins. Die Buddhisten glauben nicht, dass es kein Bewusstsein gibt, sie glauben nur nicht, dass es ein Individuum gibt. Das ist diese Anatma-Doktrin. Und dass dann behauptet wird, es gäbe diesen Unterschied zwischen Buddhismus und Vedanta, ist nur, weil der Ausdruck „Atma“ im Buddhismus was anderes bedeutet als im Vedanta. Und so wissen wir, es gibt ein Bewusstsein oder es gibt mich, daher Sat, und dieses Sat, dieses Sein ist nicht begrenzt, denn so wie ich eine Begrenzung wahrnehme, ist das, was wahrgenommen wird, nicht ich. Angenommen, ich stelle mir vor, ich bin ein Wesen von zehn Meter Durchmesser. Von der Tür hier bis hier und hier und wenn ich dann durch eine Türe durchgehe, dann ragt ein großer Teil von mir da durch. Woher wüsste ich, dass ich ein Wesen von zehn Meter Durchmesser bin? Astralkörper, große Ausstrahlung. Woher wüsste ich, ich bin das Wesen von zehn Meter? Es müsste ein Ich geben, welches einen zehn Meter Umfang wahrnimmt. Da gibt es also das Bewusstsein, das nimmt ein Wesen von zehn Meter wahr. Kann ich das Wesen von zehn Meter Bewusstsein sein? Nein. Ihr wart heute Nachmittag im Workshop, hoffe ich. Wenn ich ein Wesen von zehn Meter Durchmesser wahrnehmen kann, wer bin ich? Ich kann nicht das zehn Meter Wesen sein, weil wenn ich das zehn Meter Wesen wahrnehmen kann, bin ich nicht das zehn Meter Wesen, sondern ich bin der Wahrnehmende und das zehn Meter Wesen ist das Wahrgenommene. Jede Ausdehnung und jede Lokalisierung, die ich wahrnehmen kann, bin nicht ich, weil es wahrgenommen wird. Ich kann nicht lokalisierbar sein, denn alles Lokalisierbare  wird vom Ich lokalisiert und damit bin ich nicht das Lokalisierbare. Daher bin ich Sat, unendliches Sein, nicht lokalisierbar, weder in Zeit noch in Raum. Auch nicht in Zeit. Wenn ich sagen kann, „ich habe dann und dann begonnen und ich höre dann und dann auf“, dann gibt es ein Ich und das nimmt wahr, wann etwas beginnt und etwas aufhört. Natürlich könnt ihr sagen, wenn das Ich aufhört. Das ist natürlich schwierig. Angenommen, ein Ich hört auf, das Ich könnte nicht sagen, dass es aufgehört hat. Und angenommen, ein Ich fängt an, es kann auch nicht sagen, wann das Ich angefangen hat. Oder könnt ihr sagen, wann ihr angefangen habt? Ihr habt vielleicht irgendwelche frühesten Erinnerungen, aber ihr könnt nicht sagen: „Ah, da gab es den Moment, an den kann ich mich genau erinnern, da bin ich plötzlich da gewesen. Und vorher bin ich nicht da gewesen.“  Man kann auch nicht sagen, „ich bin schrittweise gekommen“, sondern eure erste Erinnerung, die ihr habt, wie viel Prozent wart ihr da, als ihr eure erste Erinnerung hattet? Hundertprozent. Und natürlich, Yogis sagen: „Ich war schon da vor der Geburt. Ich werde auch weiter sein nach dem Tod.“

Dies ist der 23. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

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