Was ist wirklich…

swami s4Spirituelle Praxis, Teil 4: Was ist wirklich? Was ist unwirklich? Wie gelange ich zur Erkenntnis der höchsten Wahrheit?

 

Brahma satyam. Jagan Mithya. Jivo brahmaiva na’parah. Brahman allein ist wirklich. Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist nicht so, wie wir sie wahrnehmen. Und das Selbst ist Brahman.“

Gestern haben wir uns etwas länger damit beschäftigt, mit der Frage: „Wer bin ich?“ Die Atma-Anatma-Viveka, sowohl als Anlyse mit dem Intellekt als auch Meditation. Heute habt ihr gerade meditiert über Brahma satyam und Jagan mithya und das ist nicht nur eine theoretische, philosophische Frage, sondern es ist auch etwas ganz Praktisches, im Sinne von, so vieles geschieht im Leben und wenn wir wissen, eigentlich so wie wir die Welt wahrnehmen, so wie wir uns wahrnehmen, wie wir andere wahrnehmen, so ist es nicht wirklich“, dann können wir mit allem mit mehr Gelassenheit und mehr Heiterkeit umgehen. Und wir können auch uns schrittweise mehr der Wahrheit, Satya, letztlich nähern. Wenn man dagegen vollständig davon überzeugt ist, „wie ich die Welt sehe, so ist es richtig und alles andere ist falsch“, dann haben wir ein Problem. Im schlimmsten Fall nennt sich das dann Schizophrenie. Der Schizophreniker lebt in einer anderen Welt als der Rest und ist fest davon überzeugt, dass er Recht hat mit seiner Wahrnehmung der Welt. Swami Vishnu hat ab und zu mal auch Witze erzählt, also nicht nur spirituelle Anekdoten. Ein Witz war: „Was ist der Unterschied zwischen einem Neurotiker, einem Psychotiker und einem Psychiater?“ „Der Neurotiker baut Luftschlösser, der Psychotiker wohnt darin und der Psychiater kassiert die Miete.“ Auf eine gewisse Weise sind wir alle Neurotiker, wir schaffen uns Luftschlösser. Als Neurotiker haben wir aber auch noch eine gewisse Ahnung, dass das Luftschlösser sind. Wenn wir Psychotiker sind, da sind wir fest davon überzeugt, dass unsere Luftschlösser stimmen. Und dann kann man vielleicht zu irgendwelchen Leuten hingehen, die versuchen, einen davon zu heilen. Und letztlich heißt es, sie kassieren die Miete für unsere Luftschlösser. Jagan Mithya. Und auch wenn die moderne Wahrnehmungspsychologie, die moderne Physik, die moderne Biologie, die alte Vedantalehre weitestgehend stützt und man sagen könnte, „ja, ist klar“, ist es dennoch gut, sich das Ganze nochmals zu vergegenwärtigen, wir leben in der eigenen Welt. Es gibt ja auch in der Psychologie eine ganze Richtung, die nennt sich Konstruktivismus. Und Konstruktivismus heißt, wir konstruieren uns selbst die Welt. Eine der bekannten Begründer dieser Bewegung war Paul Watzlawick und manche von euch kennen sein Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“. Wenn ist, das ist eine gute Lektüre für Vedantins, die wissen wollen, wie man Vedanta praktisch anwenden kann, denn dort gibt es so viele Beispiele, wie Menschen sich irgendwelche Konstrukte über die Welt schaffen, darauf handeln und sich und andere damit unglücklich machen.

Dies ist der 26. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

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