Gleichgewicht und Vertrauen

swami sivanan3Gut und dann gibt es Titiksha und Titiksha heißt letztlich aushalten können, ertragen können. Wenn Dinge nicht so gehen, wie wir sie gerne hätten, dann können wir sie aushalten, es wird uns nicht vollständig aus dem Gleichgewicht werfen. Und dann folgt Shraddha, Shraddha, ein Vertrauen. Dazu gehört sowohl Selbstvertrauen wie auch Vertrauen in die göttliche Natur anderer, wie auch vertrauen, dass das, was kommt, uns irgendwie hilfreich ist. Und vertrauen, es gehört dann auch das Vertrauen in die Schriften und Vertrauen in den spirituellen Lehrer. Und das Letzte, das Resultat von allem, ist Samadhana: Gleichmut des Geistes.

Also, das sind alles Dinge, an denen wir arbeiten können. All das ist etwas erwacht auf Subecha. Wir haben eine gewisse geistige Stärke schon.

Swami Vishnu hat gesagt, the spiritual windowshoppers, spirituelle Schaufenstergucker, die gucken mal hier rein und mal dort rein, machen mal hier ein Yogaseminar mit, dort hören sie mal einen Kabbalavortrag, dort hören sie sich mal an, was die Zenleute zu sagen haben, und dann vielleicht noch mal ein bisschen Edelsteinmassage usw., aber nichts davon wirklich gründlich ausführen und nicht wirklich praktizieren. So ist es, wenn man am Anfang steht und einen Berg hochgeht, dann überlegt man: Vom Westen, vom Osten, vom Norden, vom Süden – wo ist es am Schönsten, wo ist es am Einfachsten. Man interviewt alle, die oben gewesen sind und fragt schon mal, wie es denn gewesen ist. Dann geht man hier ein bisschen hoch und dort ein bisschen hoch, um dort zu schauen und irgendwann muss man den Weg gehen. Den Weg zu gehen, heißt jetzt nicht, dass alle dann einen einzigen Weg gehen, den alle vorher auch schon gegangen sind, sondern es kann auch durchaus unterschiedliche Wege geben. Es gibt solche wie den Swami Vishnu Devananda, der mit siebzehn seinen spirituellen Meister gefunden hat, seinen Lehren gefolgt ist und bis zum Lebensende. Es gibt aber auch solche wie Swami Sivananda, die die verschiedensten Lehrer hatten, der als Kind von seinem Vater schon einiges gelernt hatte, als Jugendlicher von einem Selbstverteidigungslehrer etwas gelernt hatte, dann auch einen Hatha Yogalehrer gehabt hatte, von dem er wieder was gelernt hatte, irgend jemand muss ihm die Kirtan beigebracht haben, wieder jemand anders hat ihm dann andere Schriften noch beigebracht, dann hatte er jemanden, der ihn in Malaysia als Arzt in Vedanta gelehrt hat, was ihn dann dazu geführt hat, das er von Malaysia zurück nach Indien ist, dort hatte er dann seinen Einweihungsguru, den Swami Vishnavedananda gefunden, der ihm die Einweihung gegeben hat, und das war für ihn der wichtigste Lehrer. Mit dem war er aber nur kurz zusammen. Dann gab es noch einen Swami Vishnu Devananda, der ihm genauer erklärt hatte die Grundsätze eines spirituellen Lebens und es gab dann noch mal jemand anders, der ihm noch mehr Pranayama beigebracht hatte. Er hatte eine Vielzahl von Lehrern, aber es war nicht so, dass er nur zum Lehrer geguckt hat, wenn der wieder weg ist, sondern, was die betreffenden Lehrer ihm erzählt haben, das hat er praktiziert und das ist dann Vicharana. Nur alles sich angucken, ohne wirklich was zu machen oder insbesondere immer dann aufhören, wenn es schwierig wird, wenn man an sich arbeiten muss, seinen Schattenseiten ins Auge gucken muss, wenn Hindernisse auftreten, solange bleibt man noch in subecha, wenn man dann immer aufhört. Man hat zwar den Wunsch nach Wahrheit, aber man kann noch nicht praktizieren. Es ist eben eine notwendige Phase, die man, wenn man Glück hat, nicht Glück hat, sondern wenn man sie im früheren Leben schon hinter sich hat, dann dauert sie in diesem Leben kürzer, und wenn das in diesem Leben das erstemal ist, dann wird dieses Leben daraus bestehen, dass man sich hauptsächlich auf Subecha befindet. Man kann allerdings durch Viveka, die Unterscheidungskraft, diese Phase abkürzen, wenn man erkennt, dass letztlich alle Wege zur Wahrheit finden, dass es nicht so wichtig ist, welchen Weg man geht, sondern was ist wichtig? Dass man einen Weg mit Freude geht.

– Fortsetzung folgt –

Dies ist Teil 17 einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

Umfangreiche Informationen zur Yogalehrer Ausbildung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.