Uneigennütziges Dienen

swami vishnu4Maha Vrata, uneigennütziges Dienen, heißt nicht, dass man nur von morgens bis abends in der Mühle steckt und dann irgendwann sich aufbraucht, sondern es heißt, geschickt mit sich umzugehen. Den Alltag können wir dann natürlich auch Jnana Yoga mäßig haben, aber die Jnana Yoga Einstellung den ganzen Tag von morgens bis abends, ist vermutlich für einen Menschen in Berufs- und Familienleben nicht für die Mehrheit geeignet. Es ist vielleicht, man kann sagen, ganz vom tief Inneren ist es die wichtigste Sache, denn letztlich, Brahma Satyam, es gibt ja nur Brahman. Jagan Mithya. Die Welt ist nur Brahman. Und Jivo Brahmaiva Na Parah. Das Individuum ist nichts anderes als Brahman. Wir können auch davon lernen, wir können mit Jnana Yoga durch den Alltag gehen und irgendwo schauen, die Verrücktheiten der Welt, die Verrücktheiten des eigenen Geistes, darüber lächeln, öfters mal sich verbinden mit anderen, öfters mal Brahman erfahren. Das ist schon Übergang zum Bhakti Yoga. Auch zu erkennen, dass auch im Jnana Yoga, letztlich die Welt ist ein Traum und wir können uns auf diese Traumwelt auch irgendwo einlassen, wir können heiter das Schauspiel mitgestalten. Ein Jnana Yogi ist typischerweise heiter und gelassen, tut auch, was zu tun ist, und selbst wenn er mal sein Temperament auslebt, im Hintergrund lächelt er und weiß: „Aham Brahmasmi.“ So ähnlich wie Eltern mit einem Kind zusammen spielen. Ich hatte einen sehr beschäftigten Vater, der hat sich aber trotzdem Zeit genommen, mit uns Mensch ärgere dich nicht zu spielen. Und ich hatte manchmal das Gefühl, er hat geschummelt. Der hat uns häufiger gewinnen lassen als angemessen war. Als er mit uns Schach gespielt hat, da vielleicht etwas weniger, oder Fußball. Aber er hat sich gefreut, wenn wir gewonnen haben, das war ganz offensichtlich. Und wenn er selbst gewonnen hat, da hat er sich auch irgendwie gefreut, aber nicht ganz so. Gut, wir waren drei Jungs. Schwieriger wurde es, wenn es dann Mannschaftssport war, also ich mit meinem Vater gegen meinen älteren und jüngeren Bruder. Aber so ähnlich, wenn wir wissen, dass Ganze ist ein Schauspiel, dann können wir auch diese Gelassenheit haben, wir nehmen es nicht ganz so ernst. Da macht es Spaß, das Spiel mitzumachen, denn hinter allem ist ja Ananda, aber wir müssen nicht gewinnen, auch wenn wir irgendwo uns engagieren, und es spielt keine allzu große Rolle, was dabei herauskommt, wir spielen nur das Spiel mit. So ähnlich wie, manche von euch haben vielleicht auch schon in einem Theaterspiel mitgewirkt und das ist jetzt aber Improvisationstheater, was wir hier haben. Kennt ihr das, Improvisationstheater? Es geht irgendwie weiter, man weiß noch nicht, wie es weiter geht und es ergibt sich aus dem Moment. Es könnte natürlich auch sein, dass Gott das ganze Theaterstück schon im Voraus geplant hat, aber er lässt uns den Teil, den wir zu spielen haben, nicht im Voraus proben, sondern wir kriegen so schrittweise Informationen. Das sind alles so Analogien, die man im Jnana Yoga haben kann. Letztlich sind wir das eine unsterbliche Selbst. Und noch mehr, in einem normalen Theaterstück sind ja viele Schauspieler. In diesem Theaterstück gibt es nur einen einzigen Schauspieler, Brahman, und der so viele Figuren annimmt. So ähnlich wie ein Puppenspieler, der irgendwie… Ich weiß nicht, wie viele Puppen kann ein Puppenspieler gleichzeitig bedienen? Zwei in jedem Fall. Mit zwei Händen vermutlich nicht mehr als das, die anderen sind irgendwo im Hintergrund. Und die kann er höchstens mal zwischendurch bewegen, wenn die beiden anderen sich nicht mehr bewegen. Jetzt nehmen wir mal an, dieser Puppenspieler hätte jetzt Puppen und die Puppen würden  jetzt ein Einzelbewusstsein kriegen und die könnten sogar eine gewisse Selbständigkeit erlangen. Dann hätten wir so ein bisschen das, worauf sich es beziehen kann. Man könnte sich das sogar heutzutage technisch vorstellen. Man kann ja heutzutage mit Elektroden Hirnarealpotenziale abnehmen. Und dann kann man damit z.B. – haben wir über Locked-in-Patienten hier gesprochen? Nein. Ich verwechsle jetzt schon. Ich unterrichte jetzt schon seit Monaten ständig, dann passen manche Themen auf die verschiedensten Seminare. Locked-in-Patienten sind solche, die meist durch einen Unfall oder durch eine Krankheit körperlich gelähmt sind, aber die Psyche voll da ist. Manchmal wird es auch als Wachkoma bezeichnet. Und die können noch nicht mal den Mund bewegen, noch nicht mal die Hände bewegen, aber zum Teil können sie noch ein Auge bewegen. Und inzwischen gibt es so einige, z.B. Stephen Hawkin gehört auch dazu, der ja nur noch kommunizieren kann, ich glaube, nur noch über Wimpern oder so. Ich glaube, er kann den Finger nicht mehr bewegen. Ich bin mir hier nicht ganz sicher. Er konnte es früher mal. Mindestens war er irgendwann in einem Übergang, wo das nicht mehr geht. Aber es gibt Lockes-in-Patienten, die können auch keine Finger bewegen, die können höchstens beide Augen bewegen. Und inzwischen versucht man, Menschen zu trainieren, wenn sie so schrittweise die Fähigkeiten verlieren, dass das dann über Hirnstromaktivierung geht. Dann können die also irgendwo denken und auf diese Weise den Curser an einem Computer bedienen und so können sie weiter kommunizieren, selbst wenn sie keinen Teil des Körpers mehr bewegen können. Das funktioniert selbst dann noch, wenn eben die Atmung künstlich ist, also wenn sie künstlich beatmet werden. Jetzt könnte man sich das weiter ausbauen. Und jetzt angenommen, wir könnten auf diese Weise künstliche Körper bewegen. Nehmen wir an, wir wären im Wachkoma irgendwo und könnten jetzt einen ganzen Körper bewegen, mit dem wir durch die Gegend gehen könnten und durch dessen Augen und Ohren wir sehen könnten und hören könnten, durch den wir fühlen könnten, alles denkbar und vermutlich in zwanzig, dreißig Jahren auch möglich. Und dann kann man ganz entspannt irgendwo im Wachkoma sein und trotzdem die ganze Welt leben. Ihr könnt sicher sein, man wird sich dann identifizieren mit dem künstlichen Körper. Und dann könnte man sogar mehrere Körper schaffen. Und jetzt könnte man sogar den Körpern eine Eigendynamik geben, denn die müssen sich ja auch bewegen können, man muss ja nicht jede Bewegung dort kontrollieren. Und wer weiß, vielleicht würden die sogar Teile von Brahman widerspiegeln, das wäre auch denkbar, kriegen sogar einen Teil individuelles Bewusstsein. Dann sind sie zum einen gesteuert durch den, der im Wachkoma liegt, und zum anderen haben sie ein gewisses Eigenbewusstsein und so könnte man dann eine ganze Armee von Menschen dort steuern. So, und jetzt habt ihr eine kleine Ahnung, wer wir alle sind. Wir sind wie diese künstlichen Körper von Ishvara, mit einem Eigenbewusstsein und die dann spielen, Evolution und spirituelle Entwicklung. Aber letztlich ist das Ganze dann doch Traum und nicht ganz so wirklich, wie das andere auch. Ok, diese Einstellung können wir vedantamäßig in den Alltag hineinbringen. So können wir spielerisch das tun, was zu tun ist, uns immer wieder amüsieren, was dort alles ist, immer wieder uns amüsieren, wie ernst andere dieses Spiel nehmen, selbst amüsieren, wie wir selbst öfters in diese Fallen hineintappen.

Dies ist der 72. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

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