Mantra, die Anrufung Gottes

krishna29Man kann sagen, ein Mantra ist hier die Anrufung Gottes und kann auch Anrufung Gottes in seinem persönlichen Aspekt sein. Man kann sagen, Bija ist Anrufung des Göttlichen in seinem höchsten unpersönlichen Aspekt. Ishta Devata heißt, wir rufen Gott an in seinem persönlichen Aspekt. Zweiter Teil von Ishta Devata ist auch, wir rufen Gott an als höhere Fähigkeiten in uns. Und schließlich Kilaka, wörtlich Pfropfen, Unreinheit, wir können es aber auch positiv ausdrücken, Reinigung. Wenn wir ein Mantra wiederholen, oder überhaupt auf dem spirituellen Weg, ist vieles auch Reinigung. Letztlich ist alles Reinigung, denn eigentlich sind wir schon das unsterbliche Selbst. So ähnlich wie, die Sonne scheint immer. Angenommen, wir hätten jetzt große Macht und wenn Wolken da sind, wir wollen jetzt die Sonne sehen, was müssen wir machen? Wolken wegpusten, dann ist die Sonne da. Wir müssen keine neue Sonne schaffen. Wir müssen nicht überlegen: „Oh, es ist keine Sonne da. Wie kriege ich jetzt die Sonne wieder her? Was kann ich tun, um eine neue Sonne zu schaffen? Oh, meine arme Sonne ist gänzlich verschwunden.“ Oder wenn es Nacht wird. Man könnte auch warten. Oder angenommen, es wird Nacht, man will nicht Nacht haben, man will die Sonne sehen, dann müsst ihr euch schnell ins Flugzeug setzen und auf die andere Seite vom Planeten fliegen. Ok, der Vergleich hakt etwas. Aber man könnte auch sagen, z.B. angenommen, man will die Sonne sehen und die Fenster sind mit drei Vorhängen verhüllt und die Scheibe ist nicht geputzt. Dann muss man einen Vorhang nach dem anderen aufmachen, man muss die Scheibe putzen oder die Fenster aufmachen und dann sehen wir die Sonne. So ähnlich, wir sind jetzt und in diesem Moment das unsterbliche Selbst. Wir sind jetzt und in diesem Moment Satchidananda. Wir sind auch Satchidananda, wenn gerade wir irgendwas Furchtbares erfahren haben und gänzlich genervt sind oder wenn jemand niedergeschlagen ist. Auch dann sind wir Satchidananda. Es gilt nur, wenn wir wollen und Satchidananda erfahren wollen, unsere wahre Natur als unendliches Sein, Wissen, Glückseligkeit, dann müssen wir die Schleier der Unwissenheit wegpusten. Und das können wir mittels Mantra. Jetzt geht es nicht ganz so leicht, wie wenn dort einfach Vorhänge zugezogen sind. Man kann sagen, die Schichten auf den Fensterscheiben sind sehr dicht und da sind viele Fensterscheiben, die das Licht dort behindern und viele Unreinheiten. Und wir können auch sagen, angenommen, es kommt irgendwo etwas in den Geist wie irgendeine Traurigkeit, dann sagt man erst: „Oh, toll, da ist irgendeine Unreinheit zur Oberfläche gekommen, nennt sich Traurigkeit, jetzt wiederhole ich ein Mantra, um durch diese Traurigkeit hindurchzugehen.“ Als nächstes kommt eine Aggression, dann sagt man: „Ah, toll, da ist die nächste Unreinheit, nämlich Aggression. Ich wieder hole jetzt das Mantra, dann ist das auch weg. Was kommt als nächstes?“ Einen Moment wird es irgendwie schön, dann kommt die nächste Wolke. Dann kommt die Wolke von irgendwelchen Gedanken, was man unbedingt noch erledigen muss. „Ah, toll, mein Plangeist ist auch wieder da, großartig! Ich wiederhole das Mantra, dann weitergehen usw.“ Und so können wir mit dem Mantra immer wieder ein Kilaka nach dem anderen beseitigen und dann spüren: „Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman.“

Dies ist der 5. Beitrag zum Thema „Spirituelle Praxis“. Aus einer unbearbeiteten Mitschrift eines Sprituellen Retreats mit Sukadev Bretz im  Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Mehr Informationen:

    Ein Gedanke zu „Mantra, die Anrufung Gottes

    1. Hallo,

      interessante und informative Beiträge hier, super. Habe längere Zeit als stiller Gast nur mitgelesen und mich jetzt mal angemeldet.
      Ich würde mich freuen, wenn ihr bei Gelegenheit auch einmal auf meinem Blog zum Thema Textilreinigung vorbeischauen würdet.

      Alles Liebe

      Herbert

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