Essenz des Yoga

sukadev16Meister, die in den Westen kommen, sind auch unterschiedlicher Meinung. Es gibt auch solche, die sagen durchaus zum Yoga gehört der ganze Bhaktiaspekt in konkreter Form wie Mantrasingen, Pujarituale usw. dazu. Manche gehen dann noch ein erhebliches Stück weiter, als wir das hier tun und andere sagen, das ist jetzt nicht essentiell. Essentiell im Yoga ist sicherlich, wenn wir arbeiten an unserem eigenen Bewusstsein, dass wir eine Transformation des Bewusstseins erreichen wollen, dass wir zur Selbstverwirklichung kommen wollen.

Wo hört ihr so viel über Selbstverwirklichung, nicht im Radio, nicht im Fernsehen und von euren meisten Bekannten auch nicht, also müssen wir es hier vermehrt machen. Das gehört sicherlich zum Yoga dazu, ohne das gibt es kein Yoga, ansonsten hat es mit dem eigentlichen Yoga nichts zu tun, da sind sich alle durchaus einig. Aber es gibt manche, die sagen Mantras gehört nicht unbedingt dazu, die Theorie von Reinkarnation und Karma gehört auch nicht unbedingt dazu, Vedanta Philosophie im engeren Sinne gehört auch nicht unbedingt dazu, aber es geht darum, dass der Mensch an sich selbst arbeitet, seinen Geist unter Kontrolle bekommt und die Grenzen von Körper und Geist transzendiert. So kann man unterschiedlicher Meinung sein. Auch für euch selbst, für euer praktisches Leben, könnt ihr schauen, was diese Sache ist.

Essenz des Yogas: Wie kann ich das in die Praxis umsetzen? An welche Verhaltensregeln letztlich will ich mich halten? Welche Art des Lebens will ich führen, um meine konkrete Smriti und diese Sruti, die ewige Wahrheit, in mein Leben hineinzubringen.?

Auf die Puranas und die Ittihasas will ich nicht zu sehr drauf eingehen, das sind dann die großen Werke, erzählerischen Werke, Dichterwerke, Epen, Geschichten von Göttern und Helden, wo man versucht, die ewige Wahrheit in Geschichtenform hineinzubringen, in Mythen hineinzubringen, sodass das sogenannte einfache Volk, das nicht zwölf Jahre die Veden studiert hat – solange heißt es, dass man braucht, bis man die Veden versteht –, dass die auch die ewigen Wahrheiten verstehen in ihrem Alltag. Die bekannteste der Itihasas sind die Ramanaya und die Mahabharata. Und in der Mahabharata ist natürlich jetzt eine Schrift, die für Yoga besonders wichtig ist oder ein Teil der Mahabharata, nennt sich? Bhagavad Gita.

Das sind alles klassische Schriften, sehr alte Schriften. Dann gibt es noch zwei Schriften, Veden und Smriti, die später geschrieben wurden und auch für das Yoga eine Bedeutung haben Das noch zu diesen Puranas und Itihasas. Wenn wir uns ein bisschen in die alte indische Kultur hineinversetzen, da gab es weder künstliches Licht noch gab es Fernsehen und Radio auch nicht. Die Menschen haben dann Unterhaltung gesucht und gefunden in Form von Geschichtenerzählern. Und da gab es solche, zum Teil gab es sie in den Dörfern , die dort gelebt haben, die Dorfweisen, die Dorfheiligen, die haben dann die Geschichten abends, wenn die Arbeit getan war erzählt, sie haben sich dann  hingesetzt und haben z.B. Ramayana und Mahabharata) die Itihasas gelesen. Die Mahabharata ist ja riesenlang, die ist wie eine Fortsetzungsgeschichte. So wie bei uns, da gibt es auch Fortsetzungsgeschichten, allerdings weniger spiritueller Natur. Die  Lindenstraße…

Ich habe sie mir auch zweimal angeguckt. Es gibt eine übergeordnete Geschichte, die Menschen lernen langsam die Charaktere kennen, im Laufe der Jahre und Jahrzehnte und dann werden die auch älter und dann kommt mal jemand anders rein, es gibt Handlungsstränge und so ähnlich ist es auch hier. Wobei hier gibt es die verschiedenen Erzählebenen, da wird oft, wenn man irgend jemand sieht, jemand anders erzählt über Fragen und Antworten der Geschichte und dann von irgend jemand anders und dann trifft wieder jemand jemanden und dann gibt es noch eine Geschichte, es gibt bis zu fünf Erzählebenen in der Mahabharata. Aber es ist immer so, dass es ausreichend ist, dass man an einem Abend ein Thema hat, das faszinierend ist, und dass aber ausreichend Spannung ist, dass man am nächsten Abend noch mal kommen will. Und was fasziniert Menschen am meisten heute wir früher? Liebesgeschichte und Gewalt. Das ist heute so wie früher, das ist der Grund weshalb die Itihasas jede Menge Liebesgeschichten und Krieg und Gewalt haben, sonst hätten die Menschen nicht zugehört. Und inmitten all dieser Geschichten, dort ist dann die Wahrheit und die Weisheit drin eingewickelt. Auch die sind nach klassischer Chronologie zu Beginn des Kali Yugas geschrieben worden, also auch Itihasas und Puranas, also  3000 vor Christus. Westliche Orientalistik nimmt an zwischen 800 vor Christus und 500 nach Christus, wobei Bhagavad Gita und Mahabharata zum älteren Teil gehört, von denen es heißt zwischen 800 und 500 vor Christus.

ENDE

Dies ist der letzte 33. Teil einer unbearbeiteten Niederschrift eines Mitschnitts eines Vortrags mit Sukadev Bretz im Rahmen einer Ausbildung bei Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Für genauere Erklärungen der Sanskrit Ausdrücke kannst du nachschauen im Yoga Wiki. Hier ein paar weiterführende Links:

Umfangreiche Informationen zur Yogalehrer Ausbildung

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